Peine. Ernst-August Horneffer vom Scottish Culture Club Peine hat eine ganz besondere Idee für Deutschlands erstes Gruppenspiel und die EM.

Wenn Großereignisse wie aktuell die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland anstehen, dann gibt es wieder anatomische Unmöglichkeiten. Auch ein Peiner sagt, dass zumindest am nächsten Freitag, 14. Juni, zwei Herzen in seiner Brust schlagen.

Der Peiner kommt eigentlich aus Abbensen in der Gemeinde Edemissen, wurde 1946 geboren. Er ist hier also tief verwurzelt, aber auch ganz woanders: in Schottland. Ernst-August Horneffer (77) ist Peines „Ehren-Schotte“. Seine Verdienste, Ämter, Funktionen, Engagements rund um die schottische Lebensart und Kultur, die er besonders zusammen mit seinem Bruder Helmut in Peine verbreitet hat, lassen sich gar nicht alle aufzählen.

Ernst-August Horneffer ist schottischer als echte Schotten

Aber in Peine, besonders bei der Großveranstaltung „Highland Gathering“, das wir nicht „Schotten-Fest“ nennen sollen – keine Sorge, machen wir nicht – ist Ernst-August Horneffer fast schottischer als die echten Schotten. Im von ihm mitgegründeten Scottish Culture Club Peine ist er aktuell „nur noch“ der Ehrenvorsitzende.

Was liegt also näher, als vor dem Auftaktspiel der Fußball-EM Deutschland gegen Schottland am Freitag um 21 Uhr in München Peines schottischsten Schotten vorab zu befragen. Korrekt muss man sagen, dass er auf Nachfrage nicht sagte, dass bei dieser Spielkonstellation zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Horneffer sagte wörtlich: „Da ist mein Herz zwiegespalten.“

Ernst-August Horneffer, Peines
Ernst-August Horneffer, Peines "Ehren-Schotte"; hier beim Highland Gathering 2024 in Peine. © FMN | Privat

Kann man eine Liebe aufteilen?

Auch das möchte man sich anatomisch gar nicht vorstellen, es beschreibt aber das Dilemma, das es immer wieder bei großen Fußballereignissen und multikulturellen und weltoffenen Menschen gibt: Für wen soll ich sein, wenn ich beide liebe?

Wir ringen Ernst-August Horneffer dennoch einen Ergebnistipp für das Auftaktspiel der EM am Freitag ab. Der sagt, ohne lange zu überlegen: „3:2 für Schottland, äh, für Deutschland.“ Besser hätte er es nicht zum Ausdruck bringen können.

Die Schotten sind „hinten anfällig, können aber Tore schießen“, beweist Ernst-August Horneffer Fußball-Sachverstand bzw. die Bereitschaft, eventuell ins Phrasenschwein einzuzahlen. Deutschland habe mit Antonio Rüdiger eine Bank in der Abwehr, kassiere deswegen am Ende eben ein Tor weniger.

Im ersten Gruppenspiel gönnt Peines Schotte also Deutschland den Sieg – dies aber nur, weil wir ihm zuvor schon eine Ergebnis-Brücke gebaut haben. Auf den „Deal“, dass Deutschland zwar das Spiel gewinnt, Schottland aber als Gruppenzweiter oder -dritter auch in die K.o.-Phase einzieht, kann sich Ernst-August Horneffer „sehr gut“ einlassen.

Stimmungsvollster Moment beim diesjährigen “Highland Gathering“ in Peine: Alle 19 Bands spielten bei der Siegerehrung zusammen (Archiv).
Stimmungsvollster Moment beim diesjährigen “Highland Gathering“ in Peine: Alle 19 Bands spielten bei der Siegerehrung zusammen (Archiv). © FMN | Dirk Plasberg

Frau verbietet Livefußball im Fernsehen

EM-Karten hat er nicht. Ob er sich gerade die Spiele von Deutschland oder Schottland im Fernsehen anschaut, ist bei Ernst-August Horneffer fraglich. „Ich schaue nur die Zusammenfassungen. Ich rege mich sonst viel zu viel auf.“ Das habe ihm seine Frau so aufgetragen, das werde er wohl befolgen.

„Auch beim Singen habe ich einen hochroten Kopf“, erzählt der 77-Jährige mit Inbrunst, wie eigentlich alles, was er erzählt und macht. Im Scottish Culture Club Peine gibt es diverse Musikgruppen. Neben den Dudelsäcken wird auch gesungen. Aktuell wird „The Flower of Scotland“ geprobt. Da Schottland keine offizielle Nationalhymne hat, ist dies das Lied, das meistens vor großen Spielen gespielt und gesungen wird. Oder „Scotland the Brave“, das sich besonders gut in der Dudelsack-Version macht.

Public Viewing im Innenhof von Härke

Eine Möglichkeit, das Spiel doch bei einem Public Viewing, also öffentlich mit anderen zusammen zu schauen, ist übrigens der Innenhof der Härke-Brauerei in Peine. Dort betreibt Horneffers Sohn Christian das „Brauereistübchen“ und bietet das Rudelgucken auf dem Hof an. Seitens der Stadt oder Peine Marketing ist bei dieser Fußball-EM kein Public Viewing geplant.

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Zum Spiel Deutschland gegen Schottland am Freitag könnte es auf dem Härke-Innenhof dann auch einen Auftritt aus der Abteilung „Owl Town Pipe & Drum Band“ des Peiner Vereins für schottische Kultur geben. Mit Gesang, und dann wieder mit einem enthusiastischen Ernst-August Horneffer.

Spontane Gesangseinlage von Ernst-August Horneffer im Fernsehen

Der hat beim jüngsten Highland Gathering in Peine sogar im bzw. für das Fernsehen gesungen. „Die wollten Livemusik, es war gerade kein Piper da, da habe ich denen was vorgesungen“, erzählt Ernst-August Horneffer. „Das war Pro 7. Ich weiß aber nicht, ob sie das gesendet haben oder noch senden werden.“

Bei Musikalien Schönfelder in Peine fing die schottische Liebe an

Die Liebe zu Schottland begann nach der Erzählung von Ernst-August mit der Ausbildung seines Bruders Helmut beim Musikalienhändler Schönfelder in Peine, damals an der Jakobi-Kirche. „Dort hat er gelernt und bekam einen Dudelsack.“ Man habe geübt. „1984 sind wir das erste Mal als Band beim Peiner Freischießen aufgetreten. 1985 haben wir den Verein gegründet.“ Im nächsten Jahr stehe daher eine große Jubiläumsfeier an – wahrscheinlich mit hochrotem Kopf.

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