Edemissen. Der Golf-Club hat 1080 Mitglieder, sieben Angestellte und ein Jahresbudget von mehr als einer Million Euro – das alles hat er zu bieten.

Vor 34 Jahren hat sich der Golf-Club Peine-Edemissen gegründet. Heute hat er 1080 Mitglieder, sieben Angestellte und ein Jahresbudget von mehr als einer Million Euro – so viel wie ein kleines Unternehmen. Wir stellen den Club vor.

Neun Teiche und viele Bäume machen das 90 Hektar große Golfplatzgelände zu einer Wohlfühloase.
Neun Teiche und viele Bäume machen das 90 Hektar große Golfplatzgelände zu einer Wohlfühloase. © FMN | Dirk Plasberg

Thomas Lejon ist seit 30 Jahren Profitrainer, leitet die Golfschule und kümmert sich auch um den Nachwuchs. Die Kooperation mit den Klassen 5 und 6 der Integrierten Gesamtschule (IGS) Edemissen läuft gut. 96 Jugendliche sind dabei, 55 trainieren jede Woche. „Die meisten bleiben uns treu, auch wenn Pubertät und andere Interessen dazwischenkommen“, sagt Lejon. Griffhaltung, gerade Wirbelsäule beim Schlag, den richtigen Schläger wählen – diese Grundlagen bringt er den Kursteilnehmern bei. „Je länger der Schläger, desto weniger Neigungswinkel hat er und desto weiter und flacher fliegt der Ball“, sagt der 61-Jährige. Hat er mehr Neigungswinkel, fliegt der Ball höher, aber kürzer. „Wir stellen leider immer wieder fest, dass das Loch mit einem Durchmesser von 10,8 Zentimetern viel zu klein ist“, sagt er lachend. Die Ballwahl ist entscheidend für den Schlag. „Härtere Bälle fliegen unpräziser, weiche sind besser für den Annäherungsschlag.“ Der Schwede war einst Profigolfer und trainiert seit 2017 in Edemissen. „Der Club wächst, es macht Spaß“, sagt Lejon zufrieden.

Golf-Club – „vier Millimeter kurzer Rasen“

Während der Trainer mit Golfern auf der Driving Range (Übungsgelände) Abschläge übt, fischt ein schwedisches Taucherteam Tausende Golfbälle aus den neun idyllisch angelegten Teichen auf dem Golfplatz. Diese „Lakeballs“ werden aufbereitet und weiterverkauft. Ein lohnendes Geschäft und ein Vollzeitjob. „In Amerika sind Lakeball-Taucher Millionäre geworden“, raunt Head-Greenkeeper Ralf Ahrens. Seit 27 Jahren pflegt er die 25 Hektar große Spielfläche, mit Ausgleichsflächen sind es 90 Hektar Fläche. Abschlag, Fairway, Grüns, Rough-Zonen – die verschiedenen Spielbereiche werden vom fünfköpfigen Team unterschiedlich gemäht. „Das Grün zum Einlochen mähen wir auf vier Millimeter – oder wir bügeln es mit einer Walze, damit es für den Ball beim Einlochen kein Hindernis gibt“, erklärt Ahrens. W pflegt ist dieser perfekte Rasen zu pflegen? „Ganz einfach: Mähen, düngen, wässern – aber regelmäßig. Gedüngt wird das Grün alle vier Wochen“, sagt der 60-jährige Landmaschinenschlosser. Baum- und Heckenschnitt, Bunkerpflege, Spielflächen umgestalten und Mäharbeiten – es gibt viel zu tun. Dreimal pro Woche werden zudem die Löcher versetzt, weil Lochränder oft beschädigt sind. „Der Rasen wird ausgestanzt und auf das alte Loch gesetzt. Das wächst wieder zu.“ Der Vorteil: Durch den Sandboden versickert das Regenwasser schneller, es gibt kaum Pfützen auch bei Starkregen, und der Platz ist auch im Winter bespielbar.

Bilal Saban (rechts) leitet das Restaurant „Fairway“ mit Ehefrau Lierka und Neffe Timo.
Bilal Saban (rechts) leitet das Restaurant „Fairway“ mit Ehefrau Lierka und Neffe Timo. © FMN | Dirk Plasberg

„Golf ist für mich eine Sucht. Ich will immer einen Schlag besser werden“, sagt Vizepräsident Heinz-Joachim Ritter und erinnert sich an die Anfänge. „Sieben Mitglieder aus Peine gründeten 1990 den Golf-Club und suchten dann nach einem Gelände. Die Gemeinde Edemissen hatte am Dahlkampsweg ein neues Baugebiet ausgewiesen, dafür konnten Landwirte Ackerflächen verkaufen und das jetzige Goldplatzareal an den Verein verpachten. Das war vorher platter Acker. Jetzt ist hier Natur entstanden“, sagt der 77-Jährige. Mehr als 1000 Bäume stehen dort.

Golf-Club – „nicht teurer als Reiten oder Surfen“

Trainiert wird im Winter auch im Innenbereich. Über PC und Beamer wird eine beliebige Golfanlage angezeigt, auf der die Sportler virtuell Schläge ausführen können. „Geschwindigkeit und Winkel der Bälle werden dabei gemessen“, erklärt Club-Präsident Jörg Rust. Seit 1993 ist er dabei

Der schwedische Profitrainer Thomas Lejon ist seit 2017 in Edemissen.
Der schwedische Profitrainer Thomas Lejon ist seit 2017 in Edemissen. © FMN | Dirk Plasberg

„Viele Mitglieder sind vom Fußball über Tennis zum Golf gekommen, das ist die typische Karriere“, schmunzelt Jörg Rust. Golf spielen könne man bis ins hohe Alter. Anfänger probieren die ersten Schläge auf dem Kurzplatz mit 6 Löchern aus. „Danach kann man die Platzreife erlangen mit Trainerkurs und Prüfung. „Die Vollmitgliedschaft kostet 94 Euro im Monat. Dafür kann man hier täglich Golf spielen. Golfen ist nicht so günstig wie der Fußballverein, aber nicht teurer als Reiten oder Surfen“,  meint der 62-Jährige, fährt mit einem Golfcart (Golffahrzeug) über die Anlage und erklärt, dass Sandbunker bald versetzt werden, um es für die guten Spieler schwieriger und für Hobbyspieler attraktiver zu machen.

Golfclub – „Gefühl wie beim Bogenschießen“

Ein Golfplatz hat 72 Schläge aus den Bahnen Par 4, Par 5 und Par 3 mit unterschiedlichen Längen. „Par“ steht für „Professional Averige Result“, so viele Schläge benötigt ein Profi für diese Bahn. „Wenn ich also ein Handicap von 18 habe, dann benötige ich für jede der 18 Bahnen jeweils einen Schlag mehr“, erklärt der Vorsitzende.  

Head-Greenkeeper Ralf Ahrens mäht das Grün zum Einlochen immer auf vier Millimeter.
Head-Greenkeeper Ralf Ahrens mäht das Grün zum Einlochen immer auf vier Millimeter. © FMN | Dirk Plasberg

Jörg Rust vergleicht einen Golfschlag mit dem Gefühl eines Pfeils beim Bogenschießen. „Wenn mit einem ,Eisen 8‘ der Ball 120 Meter durch die Luft segelt oder beim Abschlag mit dem ,Driver‘ 200 Meter weit, sind Spieler vom Virus befallen. Du bist draußen in der Natur an der frischen Luft und läufst 7 bis 10 Kilometer, bist bis zu 5 Stunden unterwegs und spielst gegen Dich selbst – das ist der Reiz.“

Golf-Club-Präsident Jörg Rust (rechts) und sein Vize Heinz-Joachim Ritter freuen sich auf den Sommer.
Golf-Club-Präsident Jörg Rust (rechts) und sein Vize Heinz-Joachim Ritter freuen sich auf den Sommer. © FMN | Dirk Plasberg

Auch für die Sekretärinnen Bettina Krehemeier und Maike Nimmerfroh. Mutter und Tochter können übrigens gut zusammenarbeiten und spielen selbst Golf. „Wir sind in der Natur, lernen Menschen kennen, und den Sport können wir allein betreiben. Wir sind der Anlaufpunkt für Golflehrer, Vorstand, Greenkeeper und für den Turnierbetrieb. Es ist viel zu tun.“

Golf-Club – „Tag der offenen Tür“ am 15. Juni

Froh ist der Club über den neuen Betreiber des Golf-Club-Restaurants „Fairway“: Bilali Saban aus Istrien betreibt bereits in Wolfsburg und Rehburg-Loccum Golfplatz-Restaurants mit der ganzen Familie. In Edemissen helfen ihm seine Frau Lierka und Neffe Timi. Bilali kennt alle deutschen Plätze. „Edemissen hat den schönsten Golfplatz“, sagt der 50-Jährige. Sein umfangreiches Angebot reicht von Kuchen und Eis über Currywurst, Hamburger, Spaghetti und Pizza sowie Wildlachs und Fischteller bis zu Rumpsteak und Grillteller. Auch privat feiern kann man im Restaurant mit 120 Innenplätzen und großer Terrasse.

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Am Samstag, 15. Juni, ist im Golf-Club in Edemissen, Dahlkampsweg 2, ein „Tag der offenen Tür“ fr die Bevölkerung zum Reinschnuppern. Demnächst könnten auf dem Parkplatz des Clubs Wohnmobilplätze für Urlauber entstehen.

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