Peine. Ein Unternehmen hat sich aus dem Stadtgebiet verabschiedet, das andere bietet dieses Fortbewegungsmittel weiter an – das sagt die Polizei.

E-Scooter gehören fast überall zum Stadtbild. „Aber die sollen in der Stadt Peine abgeschafft werden“, sagt Marcus, der gerade mit seinem Privat-Scooter zum Einkaufen unterwegs ist. Das stimmt so nicht ganz. Richtig ist aber, dass der Markt in Bewegung ist. „Auf Dauer sind die Miet-Scooter zu teuer. Daher habe ich mir einen eigenen angeschafft – neu für 450 Euro.“ Ähnlich wie Marcus äußern sich auch andere Nutzer in Peine.

Mit dem E-Scooter zum Peiner Bahnhof (Foto), und dann weiter mit dem Zug.
Mit dem E-Scooter zum Peiner Bahnhof (Foto), und dann weiter mit dem Zug. © FMN | Tore Beyer

„Ich weiß nicht, ob der E-Scooter später noch da ist, oder ob ihn jemand anders gemietet hat. Und wegen den Kosten, daher hab ich einen eigenen gekauft“, sagt eine andere Fahrerin. „Bei Gelegenheit nutze ich einen Leih-Scooter. Über die App sieht man, wo der nächste geparkt ist. Ansonsten gehe ich halt zu Fuß“, lautet die Meinung von Lutz.. Eine Autofahrt scheinen die E-Scooter aber selten zu ersetzen, wie sich bei dieser nicht repräsentative Umfrage unserer Zeitung herausstellt.

E-Scooter – „schwierige Entscheidung“

In der Stadt Peine hat der Anbieter Bolt aus wirtschaftlichen Erwägungen den Verleih eingestellt, seit Oktober 2021 hat die Firma E-Scooter-Sharing angeboten. „Um ein qualitativ hochwertiges Angebot unter rentablen Bedingungen sicherzustellen, müssen manchmal schwierige Entscheidungen getroffen werden. Sich aus Peine zurückzuziehen, war so eine Entscheidung“, meint ein Sprecher des Unternehmens.

Ein verlassener E-Scooter an der Bundesstraße 444 zwischen Klein Ilsede und Peine. 
Ein verlassener E-Scooter an der Bundesstraße 444 zwischen Klein Ilsede und Peine.  © FMN | Tore Beyer

Zufrieden mit der bisherigen Entwicklung in der Stadt Peine ist hingegen der Konkurrenzanbieter Tier. „Natürlich entspricht die Bilanz nicht der einer Großstadt, aber uns ist die Kombination des Angebots in Peine, Salzgitter und Braunschweig als Gesamtregion wichtig. Seit dem Start am 1. März 2022 haben die rund 6500 Nutzer bei knapp 77.000 Fahrten mehr als 120.000 Kilometer zurückgelegt“, sagt Luisa Lindenthal, Pressesprecherin des Unternehmens. Dafür stünden im Peiner Stadtgebiet ständig – vor allem rund um die Innenstadt – 150 E-Scooter zur Verfügung.

E-Scooter – schwierige Marktverhältnisse

Das Betriebsgebiet erstrecke sich im Norden begrenzt durch die Bundesstraße 444 bis in den Süden zur Bundesstraße 65 einschließlich des Klinikums, das ebenfalls zum Betriebsgebiet gehöre. Im Westen reiche es bis nach Vöhrum und im Osten entlang der Woltorfer Straße bis zum Ende des Gewerbegebiets. Ob das Betriebsgebiet im Peiner Umland erweitert werden soll lässt die Pressesprecherin unbeantwortet. Offensichtlich gibt es derzeit keine konkreten Planungen dazu. Kein Wunder, denn auch Tier hat mit den schwierigen Marktverhältnissen zu kämpfen.

Daher muss sich das Unternehmen strategisch ausrichten. Hintergrund ist die Fusion mit dem kleineren Konkurrenzanbieter Dott, der künftig tonangebend sein dürfte. „Wie sich die Tier-Fahrzeuge in die Dott-App integrieren lassen, wird in Peine getestet“, sagt Lindenthal. Die Peiner Roller würden momentan mit Dott-Logos beklebt. Der finale Markenname des neuen Unternehmens stehe aber noch nicht fest. Tier-Chef Lawrence Leuschner soll sich laut Handelsblatt aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Trotz Fusion sei der Unternehmenswert drastisch gesunken.

E-Scooter – mehr Bedarf im Frühling und Sommer

„Die Anzahl der E-Scooter wird maßgeblich durch die Nachfrage bestimmt und laufend entsprechend des Bedarfs in Rücksprache mit den Städten und Gemeinden angepasst“, erklärt Lindenthal. Generell sei über die Jahre hinweg zu beobachten, dass im Frühling und Sommer der Bedarf steige.

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In Parks, Teilen der Innenstadt sowie in Ufernähe seien in Abstimmung mit der Stadt Peine Parkverbotszonen eingerichtet worden. Wer die Miete der Leihroller beenden wolle, müsse in der App ein Foto der Parksituation hinterlegen. Außerhalb des Betriebsgebiets oder in einer Parkverbotszone könne die Leihe nicht beendet werden. Der Nutzer erhalte in dem Fall einen Hinweis, und müsse den Roller in reguläres Betriebsgebiet bewegen.

Nutzer müssten bei der Registrierung eine Telefonnummer und ein Zahlungsmittel hinterlegen. Darüber und über die Bewegungsdaten lasse sich im Streitfall in der Regel die betreffende Person ermitteln. Ein Punkt, der insbesondere für die Polizei von Bedeutung ist.

E-Scooter – bitte „Falschparker“ melden

Die Tier-Roller sind mit austauschbaren Batterien ausgestattet und werden mittels GPS permanent geortet. Mobile Teams sind ständig im Einsatz, um im Rahmen des Batteriewechsels Roller entsprechend der Nachfrageschwerpunkte umzuparken, einzusammeln und um den technischen Zustand zu prüfen. Falsch abgestellte Roller könnten über die auf dem E-Scooter befindliche Telefonnummer, per Online Chat oder per Mail über support@tier.app gemeldet werden, so Sprecher des Unternehmens.

E-Scooter – „kaum Beschwerden“

„Es gibt bei der Stadt lediglich in Einzelfällen Beschwerden über falsch oder ungünstig abgestellte Roller“, sagt Petra Neumann, Pressesprecherin der Stadt Peine. Probleme, Verbesserungsvorschläge benennt sie nicht. Die Firma Tier ist mit der Zusammenarbeit mit der Stadt sehr zufrieden.

Laut Polizei-Pressesprecher Malte Jansen kam es nach der erstmaligen Einführung der Leihroller zu vielen Beschwerden, hauptsächlich über schlecht abgestellte Roller. Inzwischen treten die Fahrzeuge polizeilich nur noch selten in Erscheinung. „Deren Anteil im Zusammenhang mit Unfällen oder Verkehrsverstößen ist statistisch im unteren bis mittleren Bereich zu sehen. In den Polizeiinspektionen Salzgitter, Peine und Wolfenbüttel gibt es da kaum Abweichungen“, berichtet Jansen weiter. Die meisten Unfälle würden im Stadtgebiet, weniger im Umland aufgenommen. Ähnlich wie bei Leih-oder Firmenfahrzeugen, bestehe im Falle schwerwiegender Verstöße die Möglichkeit für die Polizei die Identität der Fahrer zu ermitteln. Zu schweren Fällen im Peiner Raum machte der Polizeisprecher keine Angaben. In Vöhrum gab es vor etwa anderthalb Jahren den Unfall einer 17-jährigen, die – nach ihrem Sturz von einem Auto erfasst – mit schweren Verletzungen in eine Klinik nach Hannover geflogen werden musste. Oder den Fall eines Mannes, der seit einem Unfall im Mai 2023 in Peine im Rollstuhl sitzt.

E-Scooter – keine Knautschzone

E-Scooter, deren unsachgemäße Nutzung beziehungsweise Unfälle geraten immer wieder in die Schlagzeilen. Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Saarbrücken – quer durch die Republik gehen die Meldungen zu tödlich Verunglückten. Die Nutzer der E-Roller sind nicht immer die Schuldigen, aber mangels Knautschzone und vergleichsweise hohem Tempo immer stark gefährdet. Für großes Aufsehen sorgten Fälle in Gelsenkirchen, wo Nutzer der E-Scooter Unfälle verursachten, Fußgänger teils schwer verletzten und nicht ermittelt werden konnten.

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