Gadenstedt. Eine Familie in Gadenstedt bei Peine erhält seit über 150 Jahren eine seltene Bohnensorte. Wie sie schmeckt und was sie ausmacht.

Für Freunde von Hülsenfrüchten hält unsere Region eine besondere Rarität parat: die Gadenstedter Oma-Bohne. Im Archiv der Genbank Gatersleben ist sie unter ihrem botanischen Namen „Phaseolus vulgaris L. subsp. vulgaris var. vulgaris“ zu finden.

Zu ihrem Namen kam die Stangenbohne, da sie über Generationen innerhalb der Familie von der Großmutter an die Kinder und Enkel weitergegeben wurde; immer mit dem Gebot der sorgsamen Erhaltung. „Offenbar ist Saatgut der Bohne 1839 im Zuge einer Heirat mit in den Familienbesitz gekommen. Weiter lässt sich die Geschichte der alten Bohnensorte nicht zurückverfolgen“, berichtet Gudrun Wehrmann, geborene Timpe.

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Belegt sei, dass die Bohne seit 1861 von der Familie Timpe in Gadenstedt angebaut werde – bis heute. Dies gehe aus mündlichen und schriftlichen Überlieferungen der Familienchronik hervor, teilweise auch aus alten Zeitungsberichten.

Die Gadenstedter Oma-Bohne ist mit keiner anderen Stangenbohne identisch

„Es war mein Vater Fritz Timpe, der das Kleinod unbedingt für folgende Generationen sicher wissen wollte. Er ahnte wohl, dass die alte Sorte wirklich etwas Besonderes ist, und wandte sich deshalb an die Genbank Gatersleben. Das war 1999“, erinnert sich Wehrmann. Und er bekam tatsächlich die Bestätigung: Laut genetischer Untersuchung sei die Bohne mit keiner anderen Stangenbohne identisch und stelle eine eigenständige Sorte dar.

Die rosa bis violette Blüte der Oma-Bohne.
Die rosa bis violette Blüte der Oma-Bohne. © FMN | Tore Beyer

Die Genbank ist Teil des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung. Am Standort Gatersleben in Sachsen-Anhalt wird Saatgut in speziellen Kühlräumen bei minus 18 Grad gelagert, was die Keimfähigkeit für mehrere Jahrzehnte erhalten soll. Die Sammlung gilt als eine der größten und bedeutsamsten der Welt.

„Ich mag sie am liebsten, wenn sie richtig dick und reif sind.“

Gudrun Wehrmann

Oma-Bohne wird seit einigen Jahrzehnten kultiviert

Kurz nach der Entdeckung stellte die Genbank einen Kontakt zum Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) her. „Ich weiß noch genau, wie mich Lothar Frese, damals Leiter der Genbank, mit dem Hinweis auf die erhaltenswerte Bohnensorte anrief“, erinnert sich Marco Schmale, seit 25 Jahren im VEN aktiv. „Und gerade mit der belegten Geschichte, das ist natürlich ein Traum.“

Die reifen Bohnen.
Die reifen Bohnen. © FMN | Tore Beyer

Über die Art-Erhaltungsringe des VEN werde die Bohnensorte inzwischen seit einigen Jahrzehnten kultiviert. Nahe der Herrenhäuser Gärten in Hannover wird sie ihm zufolge in rund 860 Kleingärten angebaut. „Große Bedeutung für Erhalt und Nutzung hat auch die Solidarische Landwirtschaft Hannover (Solawi). Einige Mitglieder dieser Gemeinschaft bauen sie auf 200 Metern an. Man kann also sagen, dass sie zur Ernährung einiger hundert Familien beiträgt“, so Schmale weiter, der inzwischen als Hüter der Oma-Bohne gilt.

Gadenstedter Oma-Bohne ist ertragreich, krankheitsresistent und wohlschmeckend

Und das sei kein Wunder, denn die Bohne sei ertragreich, krankheitsresistent und zudem äußerst wohlschmeckend. Da sind sich die Familie und Schmale einig. „Ich mag sie am liebsten, wenn sie richtig dick und reif sind“, sagt Gudrun Wehrmann. Andere Sorten würden nur in früheren Stadien gut schmecken. „Das Besondere an dieser Bohne ist, dass sie keine Pergamentschicht ausbildet und quasi fadenlos wächst. So bleibt sie auch ausgereift butterzart“, weiß Schmale zu berichten. Aus der violetten Blüte entstehen kräftige, gelbe Bohnen, die ab August bis September geerntet werden könnten.

Das mannigfaltige Farbspiel des Saatguts ist ein Qualitätsmerkmal.
Das mannigfaltige Farbspiel des Saatguts ist ein Qualitätsmerkmal. © FMN | Tore Beyer

Saatgut entnehme man am besten im November aus voll ausgereiften Hülsen. „Die Bohne ist offensichtlich an Peiner Erde perfekt angepasst und hier besonders wüchsig, wie Fotos der Wehrmanns nahelegen“, vermutet Schmale. „Aber der Klimawandel macht sich doch bemerkbar“, ergänzt Wehrmann: „Die Großeltern haben die Bohne nie gegossen. Nun hat sie in manchen Jahren ohne zusätzliches Wasser Startschwierigkeiten.“

Wer die seltene Bohne kultivieren möchte, findet beim VEN kompetente Ansprechpartner. Das Saatgut wird traditionell auf regionalen Saatgutbörsen (häufig von VEN oder Solawi) getauscht oder gegen Spende abgegeben. Da dort auch Frühstarter gehandelt werden, finden diese üblicherweise im Februar und März statt. Saatgut findet man auch auf einschlägigen Kleinanzeigen-Portalen.

Informationen: Fachgruppe Bohnen im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, Cordula Metzger, bohnen@nutzpflanzenvielfalt.de

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