Oberg. Das Rittergut Oberg lädt zur Gartenschau am Wochenende in seinen historischen Park. Der Burgherr führt durch Innenräume. Achtung: Eintritt.

Ganz im Zeichen von Blumen, Deko und Lifestyle steht das Rittergut Oberg am jetzigen zweiten Wochenende im Juni: von Freitagmittag bis Sonntagabend zeigen rund 60 Händler im Rahmen der „Gartentage Schloss Oberg“, womit der eigene Garten verschönert werden kann: mit historischen Rosen, Kräutern und Stauden, aber auch Gartenmöbeln, Grillkaminen und Outdoorküchen.

Gastgeber sind die Gutsleute Horst-Karl und Hortense Guenther-Lübbers, die nicht zum ersten Mal zu den Gartentagen einladen. Zuletzt sollte die Ausstellung 2022 stattfinden, fiel jedoch aus, weil der Veranstalter kurzfristig erkrankte.

Gartentage auf Rittergut Oberg sind keine reine Verkaufsveranstaltung

Der jetzige Organisator Detlev Erz von Landleben verspricht für dieses Jahr ein besonderes Ambiente: „Es wird keine reine Verkaufsveranstaltung werden, denn passend zum historischen Rahmen wird auch ein Unterhaltungsprogramm geboten. So wird ein französischer Straßenkünstler Klein und Groß durch Pantomimik, Zauberei und einen Flohzirkus faszinieren. Und die Leute sogar in seinen umgebauten Wagen schauen lassen. Ein anderer Verweilpunkt führt die Besucher ins Mittelalter: live vor Ort werden Seile und Dochte hergestellt, ein Schmied wird seine Kunst zeigen. Dann gibt es noch mehrmals täglich eine Hunde- und eine Falknershow, bei der verschiedene Greifvogelarten vorgestellt werden.“ Musikalisch sorgen Luis und Sana mit Livemusik für Stimmung.

Die Bleifenster im Herrenhaus zeigen Heinrich den Löwen bei der Urkundenübergabe an Eilhart von Oberg.
Die Bleifenster im Herrenhaus zeigen Heinrich den Löwen bei der Urkundenübergabe an Eilhart von Oberg. © FMN | Barbara Jonczyk

Auch Kulinarisches bietet die Ausstellung: Die Besucher können wählen zwischen Kaffee und Kuchen, Flammkuchen, Crêpes oder einer rustikalen Pilzpfanne sowie marokkanischem Essen. Wer vorbei an den weißen Pagodenzelten durch den weitläufigen englischen Park schlendert, kann sich an diesem geschichtsträchtigen Ort auch auf die Suche nach steinernen Besonderheiten machen: von der „Gralsvase“ aus hat man einen schönen Blick auf das Gutshaus. Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerhaus im englischen Stil vom Schwiegersohn des letzten Grafen von Oberg erbaut.

Im Winter merkt man, dass das Gutshaus als Sommerhaus gedacht war

„Dass es als Sommerhaus gedacht war, merkt man im Winter leider immer noch“, erklärt Hortense Guenther-Lübbers während eines Rundgangs, wobei sie auf das Froschkonzert im wassergefüllten Burggraben hinweist. An zwei alten Bäumen im Park lehnen Grabplatten derer von Oberg von Anfang des 18. Jahrhunderts. Eine riesige halbrunde Blumenschale fällt ins Auge: „Das ist der Kopf eines Ein-Mann-Bunkers für den Förster“, erläutert die Burgfrau. Eine andere Schale im Park – der Gotik nachempfunden – gibt dem Gutsherrenpaar immer noch Rätsel auf.

Impressionen von früheren Gartenaustellungen.
Impressionen von früheren Gartenaustellungen. © FMN | Privat

Nicht nehmen lässt sich der geschichtlich versierte Horst-Karl Guenther-Lübbers, zusammen mit seinem Hund Wotan in dem zehn Hektar großen Park zwei Bänke anzusteuern: Die „Löwenbank“ und eine noch imposantere Bank, die auf zwei Elefantenfüßen ruht: „Das Vorbild ist wahrscheinlich älter als der Tierpark Hagenbeck, es ist eine zeichnerische Reproduktion von der Menagerie aus dem Schloss Belvedere in Wien. 1683 war Jobst Aschen von Oberg dort Kommandeur des Niedersächsischen Reichskontingents und hat sich inspirieren lassen“, informiert er. Und dann führt er uns hinten im Park noch zu einem versteckten Kleinod, dessen Sockel von einem Betrunkenen mutwillig beschädigt wurde: eine steinerne Sphinx.

Das Kellergewölbe auf dem Rittergut Oberg stammt aus dem Mittelalter

Wer mehr über die Geschichte des Guts erfahren möchte, kann an einer Führung teilnehmen, die der Hausherr im Rahmen der Gartentage am Freitag und Samstag mehrmals für kleine Gruppen anbietet: dann geht es ins Kellergewölbe, das noch aus dem Mittelalter stammt. „Es ist neben dem Gewölbe in Peines Weinkellerei Euling der wahrscheinlich älteste Gewölbekeller in der Region“, erklärt er. Unter diesem kühlen massiven Deckengewölbe, dessen Mauern noch unter dem Wasserspiegel des Burggrabens liegen, wird daran erinnert, dass der Minnesänger Eilhard von Oberge im 12. Jahrhundert das erste Epos über Tristan und Isolde in mittelhochdeutscher Sprache verfasst hat. Damals wurde die Burg – laut Guenther-Lübbers – als Verteidigungsanlage der Welfen gegen die Hildesheimer erbaut.

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Im Hochparterre liegen die holzvertäfelten Privaträume mit den historischen Bleifenstern. Sie zeigen Heinrich den Löwen, Eilhard von Oberg und die Wappen der Besitzerfamilien. Bronzefiguren von Pferden erinnern daran, dass das Gut immer noch als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt wird. Dazu zählt auch eine kleine Pferdezucht. Vielleicht entdecken die Besucher auf der Weide das kleine schwarze Schimmelfohlen, das einmal wie seine Mutter eine weiße Farbe annehmen wird.

Auch die große Reithalle der reitfreudigen Familie existiert noch. Sie wird allerdings jetzt als Veranstaltungsort für große Hochzeitsgesellschaften genutzt. Die Gutsbesitzer freuen sich auf gelungene Gartentage: „Es sind schon über 300 Karten verkauft. Wenn es gut angenommen wird, werden wir das Event jedes Jahr anbieten.“

Gartenschau – Öffnungszeiten und Eintritt

Die Gartenschau auf dem Rittergut in Oberg, Oststraße 30, findet statt vom Freitag, 7. Juni, bis einschließlich Sonntag, 9. Juni. Die Öffnungszeiten sind am Freitag von 12 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt acht Euro pro Person. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben in Begleitung freien Eintritt. Parkplätze stehen direkt am Veranstaltungsort zur Verfügung.

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