Peine. Der Bauwagen an der Celler Straße – Quartier von 50 Tauben – musste entfernt werden. Dieser Grund wurde den Tierschützern genannt.

Tiertafel und Tierschutzverein sind finanziell gut aufgestellt. Der Bauantrag für die erforderliche Quarantänestation für Hunde ist genehmigt, im Juli soll mit dem Bau begonnen werden. Die auf einem der Tierheim-Gebäude installierte Solaranlage produziert viel Strom, sodass sich monatlich 1000 Euro Stromkosten erübrigen.

Viele gute Nachrichten hörten die Mitglieder des Tierschutzvereins Peine bei der Hauptversammlung, aber auch eine diese, die die Tierschützer fassungslos machte: Der Bauwagen beim Peiner Heimtiermark „Fressnapf“ an der Celler Straße, in dem rund 50 Stadttauben seit längerer Zeit ihr Quartier hatten, musste in dieser Woche entfernt werden. Als Grund wurde die Vermutung des Verwalters des Ärztehauses angeführt, dass die Lüftungsschächte des benachbarten Ärztehauses zu viel „Dreck“ der Tauben ansaugen.

Tierschutzverein Peine: „Tauben sind jetzt obdachlos“

Ärztehaus-Gebäude und Grundstück sind in verschiedenem Privatbesitz. Die Eigentümerin des Grundstücks hatte dem Tierschutzverein erlaubt, den für die Tauben eigens umgebauten Bauwagen dort hinzustellen. Nun habe sie diese Genehmigung zurückgenommen, bedauern insbesondere die Mitglieder der Taubenschutzgruppe. Zwischenruf einer Besucherin der Versammlung: „Aber in den Lüftungsschächten müssen doch Filter sein, das lässt sich doch abdichten?!“

Vereinsvorsitzender Günter Diederichs stellte fest: „Die Tauben sind jetzt obdachlos.“ Sonja Rüdiger und Lea Krala von der Taubenschutzgruppe gehen von einem Desaster aus. „Stadttauben sind standorttreu“, erklären sie. Das heißt, nun sei zwar der Bauwagen weg, damit aber nicht die Tauben. Sie sitzen auf den Dächern, drehen ihre Runden über das Gelände und landen dort, wo sie bislang ihr Zuhause hatten, Futter und Wasser bekamen, ihren Aufenthaltsort und Nistplatz hatten. „Sie werden hungern und viele werden sterben“, prophezeien die Taubenschützerinnen. „Wir werden das Veterinäramt um Hilfe bitten“, erklärte der Vorsitzende. Auch darauf wies er hin: Die meisten Tauben seien bringt, also gebe es Besitzer für sie, die in die Pflicht genommen werden müssten.

Peiner Taubenschützer: 2200 Eier wurden ausgetauscht

„Wir haben dort im Bauwagen, am Osterplatz und im Tierheim 2200 Eier austauschen können“, verweist die Taubenschutzgruppe auf den Erfolg ihrer Arbeit. Denn das ist Sinn und Zweck der „Taubenlofts“: Die Stadttauben werden dort gefüttert, mit Wasser versorgt, können sich dort aufhalten und nisten. Und die Eier werden von den Taubenschützern gegen Gipseier ausgetauscht. Auf diese Weise kann die Population der Stadttauben langfristig verringert werden.

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Der Bauwagen bei „Fressnapf“ war der Vorreiter für den speziell angefertigten Container, der im Februar am Osterplatz für die Südstadt-Tauben aufgestellt wurde: ein Freudentag für die Taubenschutzgruppe. Der umgebaute Container kostete rund 27.000 Euro. Tierschutzverein, das Land Niedersachsen und die Stadt Peine teilten sich die Kosten. Die Stadt Peine beteiligt sich auch an den laufenden Kosten.

Taubenschutz: Gesunde Körner statt Brotkrümel

Der Stadt sei ein Taubenschutzkonzept vorgelegt worden, das auch angenommen worden sein. „Da steht drin, dass wir in der Stadt mehrere Plätze brauchen“, erinnert Lea Krala. Der Vorsitzende berichtete indessen von einem Schreiben der Stadt, dass der Rat der Stadt nur den Osterplatz als Standort für ein Taubenloft genehmigt habe.

Günter Diederichs, Vorsitzender des Tierschutzvereins Peine und Umgegend e.V.

„Wir mussten den Tauben-Bauwagen vom Grundstück an der Celler Straße entfernen. Die Tauben sind jetzt obdachlos. Wir suchen für den Bauwagen ein Grundstück in der Nähe.“

Günter Diederichs

Seit April 2020 betreut die des Peiner Tierschutzvereins die Peiner Stadttauben nach dem „Augsburger Modell“: Die Vögel bekommen Körner statt Brotkrümel und Essensreste aus der Fußgängerzone, sauberes Wasser anstatt dreckiger Brühe aus Pfützen.

Das Taubenloft-Projekt in der Peiner Südstadt

Das Taubenloft-Projekt in der Südstadt läuft zunächst über drei Jahre, nach zwei Jahren wird der Erfolg bewertet. „Der Taubenloft basiert auf dem Konzept des Vereins Hamburger Stadttauben und wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund, Landestierschutzverband Niedersachsen, entwickelt und in der Praxis erprobt“, heißt es auf der Internetseite taubenloft.de. Unterstützung bekam der Peiner Tierschutzverein vom Braunschweiger Taubenschutz: Dort gibt es solche Tauben-Quartiere schon länger.

Wie es für die 50 obdachlosen Tauben an der Celler Straße nun weitergeht, ist offen. „Wir suchen einen Standplatz in der Nähe“, sagte Günter Diederichs.

Kontakt zur Peiner Taubenschutzgruppe

Wer mehr über das Taubenloft-Projekt erfahren oder sich einbrungen möchte, kann sich beim Tierschutzverein Peine und Umgegend informieren. E-Mail: info@tierheim-peine.de und taubenschutz.peine@gmail.com

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