Ilsede. Der bekannte Spieleautor Marco Teubner war im Gymnasium Groß Ilsede zu Gast. Er erklärt, warum er Spieleautor wurde.

„Ich komme aus einer Familie, wo schon meine Großeltern Karten gespielt und meine Eltern Freunde zum Spielen eingeladen haben. Das hat mich geprägt.“ Vielleicht ist der Franke Marco Teubner auch deshalb Spieleautor geworden. Auf Einladung seines Studienfreundes und Lehrers Helge Meyer hat Teubner das Gymnasium Groß Ilsede besucht, um mit Schülern zu spielen. Auch plauderte er vor Schülern und Spielefans aus dem Nähkästchen.

„Im Spiel darf ich alles sein und jede Rolle einnehmen. Und ich muss keine Konsequenzen befürchten.“ Für Teubner ist Spiele erfinden eine „Leidenschaft, die mich nicht loslässt, weil ich neue Welten schaffen kann. Ich probiere gerne etwas aus.“

Er gibt zu: „Mein erstes Spiel war grausam. Ich habe mich nicht getraut, es auf den Spieleautorentagen in Göttingen zu präsentieren. Dann habe ich mir ein Jahr Zeit genommen für meinen ersten Prototypen, und dafür habe ich den Nachwuchspreis der Jury bekommen.“ Das war der Start für Marco Teubner. Der „Tiptoi“-Stift war für ihn ein Glücksfall. Er hat für die erfolgreiche Kinderreihe Spiele mitentwickelt und sich etabliert in der Branche. Der hauptberufliche Spieleautor beantwortet auch Fragen. Die müssen ihm auf einem zum Papierflieger gefalteten Blatt zugeworfen werden – originelle Idee. Wie lange braucht ein Spiel von der Entwicklung bis zur Marktreife? „Etwa zwei Jahre nach der Entwicklung bekomme ich das erste Geld, wenn die Auflage verkauft ist. Pro Spiel sind das 20 bis 50 Cent – bei einer Erstauflage von 3000 Spielen also nicht viel. Aber ich bekomme überwiegend Auftragsarbeiten.“

So entstehen Marco Teubners Spieleideen

2000 neue Spiele erscheinen jedes Jahr – nur ein Zehntel davon überleben das zweite Jahr, sagt er. Sehr großen Einfluss auf den Erfolg habe dabei der Illustrator – und wie gut die Regel geschrieben sei. „Fehlt ein Satz, ist es ein anderes Spiel.“ Sein Lieblingsspiel? Das ist immer sein aktuelles Projekt. Und andere Spiele? „Ich mag leicht gehobene Familienspiele wie ‚Wettlauf nach Eldorado‘, ‚Zug um Zug‘ als Klassiker oder ,Die verlorenen Ruinen von Arnak‘, wo man eine Insel neu entdeckt.“ Im Moment spielt er gerne das neue Spiel „Harmonies“. Da erschafft man kleine Welten, wo Tiere im Einklang mit der Natur leben.

Und wie entstehen seine Spieleideen? „Manchmal ist es ganz wenig, ein Bild im Handy, die Idee für neues Spielematerial, meistens sind es Fragmente, die ich mir dann aufschreibe, um sie irgendwann umzusetzen.“ Erst komme die Idee, dann der Flow, danach fange die Entwicklungsarbeit an. „Dann geht es ans Bauen, Konstruieren, Testen und die Regel schreiben.“ Die Familie ist täglich damit konfrontiert, aber freiwillig. Seine Partnerin ist Vielspielerin – zum Glück. „Sie hat einen großen Anteil an vielen Spieleideen, sie ist meine Reflexionsfläche.“

Teubners neues Spiel nimmt Bezug zu Fitzek-Roman

Auch am neuen Spiel zur Story von Romanautor Sebastian Fitzek habe sie mitgewirkt, was er in der Schule vorstellt. Noch ist es ein Prototyp. „Underground“ ist sein drittes großes Fitzek-Brettspiel und erscheint im Herbst. Es spielt in einer Berliner U-Bahn-Station, die nicht an das offizielle Wegenetz angeschlossen ist. „Da unten ist ein Verbrechen passiert, wir als Spieler sind dort hineingeraten und werden von dem Killer gestellt und müssen da wieder raus. Wir legen Plättchen, um in höhere Ebenen zu kommen, können Brücken bauen und Abgründe überbauen, um so zusammen den höher gelegenen Ausgang zu erreichen.“ Kooperative Spiele seien weiterhin ein starker Trend, der schon lange anhalte. „Wir genießen, in Zeiten von Ukraine-Krieg und Konflikten in Israel der Realität zu entfliehen und nicht gegeneinander konkurrieren zu müssen.“

Schüler Lukas Mittmann hat dem Spieleautor seinen Prototypen auf Papier aufgezeichnet. Ein „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiel mit Sonderfeldern. „Da wird man an eine andere Stelle versetzt, darf die Würfelzahl nochmal gehen, kann quer übers Feld andere Figuren schmeißen. Da gibt es Schlammfelder, in denen man stecken bleibt, ein schwarzes Loch, in dem man am Ziel versinkt und zurückgesetzt wird. Und dann will ich noch in fünf Ebenen setzen können“, erklärt ihm der 12-Jährige stolz.

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Teubner denkt kurz nach und empfiehlt ihm, variable Plättchen einzubauen, die man austauschen oder umdrehen kann. Lukas bedankt sich, seine Augen leuchten. Eine gute Idee, die ihn weiterbringt. Spielen wird in der Familie großgeschrieben, sagen Lukas und Mama Kerstin. „Wir spielen alles, von Uno über Phase 10, Siedler, Carcassonne, Monopoly bis Dorfromantik, mögen kooperative Spiele und probieren viel aus.“

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