Peine. Im Kreis Peine gibt es an die 60 Brutpaare. Storchenbeauftragter Danny Baumgart erklärt, warum es nicht mehr werden sollten.

Regenwürmer – das ist die Hauptnahrung, die junge Störche in den ersten Lebenswochen brauchen. Sie in den Wiesen zu finden, ist für die Storcheneltern nach dem nassen Frühjahr kein Problem. Entsprechend gut genährt sind die Jungen, wie ein Blick in die Nester zeigte: Am Wochenende sind die ersten Jungstörche beringt worden.

Übernommen hat diese Aufgabe wieder der langjährige bisherige Weißstorchbeauftragte Georg Fiedler. Seit mehr als 50 Jahren beringt er im Kreis Peine und weit darüber die Jungstörche und nach wie vor ist er der Einzige in der Region, der die erforderliche Lizenz der Vogelwarte in Helgoland dafür hat. „Ich bin für den Lehrgang angemeldet“, sagt Danny Baumgart, der die Aufgabe des Storchenbetreuers im Landkreis Peine im vergangenen Jahr übernommen hat. Er habe aber noch keine Zusage für den einwöchigen Kurs, der dann bei der Vogelwarte Helgoland stattfindet.

Danny Baumgart: Vom Torwart zum Storchenbetreuer

Viele Menschen im Landkreis kennen Danny Baumgart, vor allem die Fußballspieler: Danny Baumgart war viele Jahre Torwart. Und jetzt Storchenbetreuer? Er lacht. „Als Kind musste mein Vater mit mir immer zum Rittergut nach Abbensen fahren, weil ich unbedingt Störche sehen wollte.“ Über die Jahre sei diese Begeisterung für Störche dann in Vergessenheit geraten, „aber in meiner Elternzeit ist sie wieder aufgeploppt“, erzählt der 39-Jährige, der Fußball sei in den Hintergrund gerückt, „und ich habe mich über Störche schlau gemacht“.

Mehr noch: Auf dem Dach seines Hauses wurde ein Storchennest installiert. Es war mehrfach bewohnt, 2021 zog ein Storchenpaar sogar vier Jungstörche groß, seither leider keine mehr und nun steht das Nest leer. „Die Störchin hatte sich am Kopf verletzt, sie lebt nicht mehr, und der Storch ist weiter gezogen“, bedauert Danny Baumgart.

Dank Beringung viele Geheimnisse der Störche gelüftet

„Seine“ Störchin ist nicht die einzige Verletzte in diesem Jahr. Erst vor wenigen Tagen musste der Storchenbeauftragte in Telgte eingreifen, weil sich einer der Altvögel ein Bein gebrochen hatte. Er musste eingeschläfert werden, die Jungvögel wurden zur Aufzucht nach Leiferde ins Artenschutzzentrum gebracht. Der zweite Altstorch habe nicht lange getrauert, „er ist bereits neu verpaart“.

Danny Baumgart, Storchenbeauftragter im Landkreis Peine

„Dank der Beringung kann man die Wege der Störche nachvollziehen und viele Dinge über die Störche erforschen.“

Danny Baumgart

„Störche sind nicht monogam“, erklärt Baumgart. „Das hat man lange Zeit geglaubt, aber dank der Beringung kann man die Wege der Störche nachvollziehen und viele Dinge über die Störche erforschen“, eben auch, dass Störche beider Geschlechter, zu Beginn des Jahres, also vor der Brut, gerne mal fremdgehen, dann aber zum angestammten Nest zurückkehren, um sich dort mit um die Jungstörche zu kümmern.

Zwei Hauptrouten der Störche erforscht

Der eigentliche Zweck, warum man einst mit der Beringung begonnen habe, sei heute erfüllt, erklärt der Storchenbeauftragte weiter: „Es ging darum, die Flugrouten zu erforschen.“ Es gibt zwei Hauptrouten: Eine führt über Gibraltar (Westroute) und die andere über den Bosporus (Ostroute) nach Afrika. Dorthin ziehen allerdings immer weniger Störche, viele überwintern in Spanien – und einige bleiben ganz hier: Auf der Alba-Deponie in Braunschweig finden sie immer Nahrung. Wohl der Grund, dass sie sich den langen, gefährlichen und kräftezehrenden Weg in den Süden sparen können, um im Frühjahr schneller wieder im Brutgebiet einzutreffen und sich die besten Nester/Partner sichern zu können.

Also erübrigt sich die Beringung? „Es wäre sehr schade, wenn sie aufgegeben würde“, sagt Danny Baumgart. Denn dann blieben viele Informationen auf der Strecke. Beispielsweise auch die über die Klein Ilseder Störchin „7 T 179“, die vergangenes Jahr erst gar nicht in Klein Ilsede aufgetaucht war, jedoch in Wendeburg mit einem neuen Partner brütete. Dieses Jahr sei sie dann relativ spät angekommen und bei der Partnersuche mehrfach von Nestern vertrieben worden. „Sie kehrte schließlich zu ihrem alten Partner nach Klein Ilsede zurück und zieht dort jetzt drei Junge groß.“

Viele Störche brauchen viel Futter

An die 60 Brutpaare nisten in diesem Jahr im Landkreis Peine, besonders viele im Wendeburger Kernort. Dies nicht nur in eigens für sie aufgebrachten Nestern, sondern auch in Bäumen und in einem Fall auf einem Lichtmast auf dem Edeka-Parkplatz in Wendeburg.

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Mehr Störche sollten es nach Einschätzung des Storchenbetreuers nicht werden. Denn alle wollen fressen, ein ausgewachsener Storch benötigt etwa 500 bis 700 Gramm Nahrung pro Tag – und die ausgewachsenen Vögel belassen es nicht bei Regenwürmern, sie fressen Mäuse, Wühlmäuse und Maulwürfe, Froschlurche, Eidechsen, Schlangen, Großinsekten und manchmal auch den Nachwuchs von Bodenbrütern. Auch deren Bestände seien zu berücksichtigen, sagt Danny Baumgart, der in der Landwirtschaft arbeitet und von daher die Natur auch rein beruflich im Blick hat.

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