Gifhorn. Der Vorstand pocht vor dem Ausmarsch am Sonntag auf die verbindliche Uniformordnung, die alle kennen: „Wir sind kein Karnevalsverein.“

Eintracht und Bürgersinn? Das Gifhorner Schützenfest wird diesem Anspruch 2024 kaum gerecht. Nach dem zähen Streit um die Rolle des Schützenkönigs in der Schützenordnung und die Gleichberechtigung der Schützinnen brodelt es in den letzten Tagen vor dem Schützenausmarsch Sonntag früh im Uniformierten Schützenkorps (USK).

Zicken-Zug ist der Mitgliedermagnet des USK

Es geht um den Zicken-Zug, den unkonventionellen jungen Damenzug des Korps, der Geselligkeit und Brauchtum des Schützenwesens ohne formellen Uniformzwang lebt. Der Zug um Larissa Zierold ist so attraktiv, dass es noch auf der Mitgliederversammlung des USK im Februar ein Sonderlob von Kassenwart Peter Kostrewa gab: Dass das Korps am Sitzungsabend erstmals die 800-Mitglieder-Mark knackte und damit binnen eines Jahres rund zehn Prozent Neumitglieder gewann, war zum größten Teil ein Erfolg der „Zicken“.

Plötzlich mit Pilotenbluse und Blazer?

Doch dem Vernehmen nach steuert zum Auftakt des Schützenfestes alles auf einen großen Knall zu. Kurzfristig soll der Vorstand um Major Karsten Ziebart eine strengere Uniformordnung angeordnet haben. War der Zicken-Zug 2023 noch mit feschen weißen Poloshirts und schwarzen Hosen dabei, soll es nun weitaus formeller zugehen. Die Rede ist von „Pilotenbluse mit Krawatte“ und Blazer, wenn schon nicht das klassische Outfit der Damenzüge mit Rock und Uniformjacke getragen werde.

Kommando: „Polo-Shirts waren nur übergangsweise geduldet“

Die Frauen des Zicken-Zugs sind konsterniert, offiziell äußern wollte sich zunächst niemand, auch um die Gesprächsbasis mit dem Vorstand für einen Kompromiss in letzter Minute nicht zu untergraben. Doch Gespräche und Kompromissangebote hatte es laut USK-Major Karsten Ziebart in den vergangenen Wochen mehrfach gegeben, zuletzt am Donnerstag. Ziebart betonte, dass die Uniformordnung für alle Mitglieder gelte: „Jeder unterschreibt sie beim Eintritt. Wir sind kein Karnevalsverein. Sonst treten die Männer bald in Hawaii-Hemden an.“

2023 habe das Korps das lockere Erscheinungsbild des entstehenden Zicken-Zugs übergangsweise „geduldet“. Offiziell gegründet worden sei der Zug dann erst im Oktober. Doch schon viel früher habe das Kommando deutlich gemacht, dass für die Uniform eine dauerhafte verbindliche Lösung nötig werde: „Dazu sollte die Zugführung Vorschläge machen. Da kam aber nichts“, sagte Ziebart.

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Daraufhin habe das Kommando eine Pilotenbluse und einen „schicken grauen Blazer“ vorgeschlagen. Das Jackett sei fraglos nötig, um Korps- und Rangabzeichen anbringen zu können. Doch selbst für eine kurzfristige Lösung Tage vor dem Schützenfest habe der erweiterte Vorstand mit sich reden lassen: „Eine weiße Bluse statt der Poloshirts hätte uns dieses Jahr gereicht.“ Auch das sei vom Zicken-Zug abgelehnt worden. Von dort heißt es, all dies sei überraschend gekommen. Als Kompromiss seien die Vorschläge nicht aufgefasst worden.

Riesen-Enttäuschung: Viele Frauen haben eigens fürs Schützenfest Urlaub genommen

Klar ist: Die Vorgaben sind für die Frauen des Zicken-Zugs schwer erfüllbar. Einerseits fehlt eine Willensbildung, ob man sich auf die neuen Bedingungen einlassen will. Denn es ist gerade der entspannte Look, der den vielen Neumitgliedern den Weg ins USK geebnet hat. Viele von ihnen haben sich Hosen und Shirts gerade erst in drei- oder vierfacher Ausfertigung neu beschafft, um die Schützenfesttage frisch und adrett gekleidet zu feiern.

Die Enttäuschung ist auf beiden Seiten greifbar, beim USK-Vorstand ebenso wie beim Zicken-Zug. Bei den Frauen kommt die abrupt gestoppte Vorfreude hinzu. Hatten sich doch viele von ihnen für die anstehenden tollen Tage eigens Urlaub genommen. Sollen sie jetzt außen vor bleiben? Im Februar hatte das noch anders geklungen, gerade auch von Vorstandsseite: „Wir sind froh, dass wir euch haben“, so Major Karsten Ziebart auf der Mitgliederversammlung. Ja, Satzungsregeln sollten für alle gelten, aber nicht als Ausschlusskriterium. Die Teilnahme am Schießtraining erfüllen die Zicken-Frauen ohnehin. Und die Uniformen? Da war auf der Mitgliederversammlung noch eine Beschränkung auf Zugführerin und Zugfeldwebelin im Gespräch.

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