Si vis pacem para bellum – Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor. Dieser Satz ist heute noch genauso wahr wie in der Antike, als diese Sentenz geprägt wurde. Der Gedanke dahinter: Nur Stärke schützt vor Aggression und sichert den Frieden. Die Pax Romana sicherten Legionen, die Pax Britannica schützte die imperiale Flotte, und in der Pax Americana nach dem Zweiten Weltkrieg hielten Navy und US-Marines die internationalen Handelswege offen.

Passenderweise steht „Parabellum“ auch für das mit am häufigsten verwendete Pistolenkaliber 9 Millimeter. Was die 9 mm für die Pistole, sind die 155 Millimeter für die Artillerie. Die Granaten werden zu Tausenden an der Front zwischen der Ukraine und Russland verschossen – jeden Tag.

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Panzerbrigade Litauen: Bundeswehr an der NATO-Front

Im Krisenmodus

Rheinmetall eröffnet in Unterlüß größte Munitionsfabrik Europas

Da lag es nahe, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall in Unterlüß in der Lüneburger Heide jüngst die größte Munitionsfabrik Europas errichtet hat. „Ohne ausreichende Munition kann die Bundeswehr weder glaubwürdig abschrecken noch wirksam kämpfen“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei der Eröffnung des Werks. Pistorius findet in der Sache immer wieder klare Worte. Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden, fordert der Minister.

Grußworte und Geschütze: Verteidigungsminister Boris Pistorius bei der Eröffnung der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall in Unterlüß.
Grußworte und Geschütze: Verteidigungsminister Boris Pistorius bei der Eröffnung der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall in Unterlüß. © AFP | Ronny Hartmann

Dafür erntete er Kritik, nicht nur erwartbar von den in ihrem Tête-à-Tête mit dem russischen Bären wundersam verbundenen politischen Rändern, sondern auch aus der eigenen Partei durch die fleischgewordene mahnende Sonntagspredigt Ralf Stegner, der davor warnte, unser Verhältnis zum Krieg zu „normalisieren“. Und auf der anderen Seite von Markus Söder (CSU), der lieber von verteidigungsbereit sprechen wollte. Er teile nicht die Zielrichtung, kriegsbereit zu sein, betonte Söder seinerzeit, als er noch in der Opposition saß.

Beide treffen damit einen Punkt: Wir müssen unser Verhältnis zum Krieg normalisieren. Und wir müssen kriegsbereit sein. Das ist das Wesen der Abschreckung. Ohne Kriegsbereitschaft keine Abschreckung. Konkret wird das beim Blick nach Litauen, wo Deutschland gerade eine Panzerbrigade aufstellt. Das Baltikum ist die Schwachstelle der Nato. Sollte der Kriegstreiber in Moskau die Bereitschaft des Verteidigungsbündnisses testen wollen, wird er es höchstwahrscheinlich dort tun.

Deutschlands Kriegsbereitschaft schützt Bundeswehrsoldaten in Litauen

Und deswegen wird die Sicherheit der 5000 in Litauen stationierten Bundeswehrsoldaten nicht von der Sauna-Freundschaft eines Altkanzlers Gerhard Schröder oder Stegners „Privatreisen“ nach Baku abhängen, sondern davon, ob Deutschland glaubhaft bereit ist, Krieg zu führen, wenn seine Soldaten angegriffen werden. Nicht sich zu verteidigen und zurückzuschießen. Sondern wirklich Krieg zu führen. Die Sorge um eigene Verluste bei einem Angriff schreckt Wladimir Putin nicht ab. Das hat er in der Ukraine mit seinen Kanonenfutterattacken nachdrücklich bewiesen. Allein dass der Krieg zu ihm kommen könnte, bedeutet echte Abschreckung.

Deswegen ist es gut und richtig, wenn Pistorius von Kriegstüchtigkeit spricht. Und deswegen ist es auch gut, wenn Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel mit seinem Engagement bei Rheinmetall öffentlich für die Pistorius- und nicht für die noch immer starke russlandnahe Stegner-Schröder-Mützenich-Fraktion in der SPD Partei ergreift. Rheinmetall baut Panzer, Geschütze und Munition, die bestenfalls nie eingesetzt werden müssen. Im Aufsichtsrat daran mitzuwirken, ist nichts Schmuddeliges – auch nicht für einen ehemaligen SPD-Minister.