Braunschweig. Timo Keller über das Familienleben im Klimawandel. In dieser Folge von „Familienklima“ geht‘s um den Konsum von Schweinefleisch.

Es ist Abendbrot-Zeit. Der Tisch wird gedeckt, die Zutaten bereitgelegt. Kritischer Blick von der rechten Tischseite, was denn wohl auf dem Brot landen könnte. „Ist das Schwein?“, fragt die Fünfjährige und zeigt auf die Salami in Scheiben. „Ja, da ist Schwein mit drin.“ Kopfschütteln. „Dann esse ich die nicht. Ich esse kein Schwein mehr.“ Und tut es dann auch nicht. Kinder handeln ja manchmal mit einer Konsequenz, die Erwachsene staunen lässt.

Woher sie das hat? Da sich der Rest der Familie keine grundsätzliche Schweinefleisch-Abstinenz auferlegt hat, kommt es nicht von dieser Seite. Religiöse Gründe gibt es auch keine. Obgleich sie im Kindergarten mitbekommen hat, dass der eine oder andere ihrer Kita-Freunde deshalb kein Schwein isst. Wo auch immer der Impuls herkam: So falsch ist er nicht. Es gibt gute Gründe, den Fleischkonsum allgemein und den von Schweinefleisch einzuschränken.

Nicht jedes Stück Fleisch vom Schwein ist gleich ungesund

Für unsere Fünfjährige ist klar: „Das ist ungesund.“ In der Tat gilt das Fleisch vom Schwein inzwischen als ungesünder als das von Geflügel oder Rindern. Doch diese Bewertung ist zumindest laut Bundesministerium für Ernährung zu pauschal. So komme es stark darauf an, welche Teil des Schweins verzehrt werden. Bauchfleisch etwa habe deutlich mehr Fett als beispielsweise Filet. Und das meiste Cholesterin stecke im Eisbein. Zudem soll Schweinefleisch ein guter Lieferant für die Vitamine B1 und B6 sein. Und die Zusammensetzung der Fettsäuren (gesättigte sowie einfach und mehrfach ungesättigte) sei günstiger, als oft angenommen.

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Ihr zweites Argument gegen Schweinefleisch: „Die Tiere tun mir leid.“ Sehen ja auch ganz niedlich aus, wenn sie beim Bauern nebenan auf der Wiese grunzend herumtollen. Doch das ist die Ausnahme. In der Regel leben Schweine in Deutschland in der Massentierhaltung – und dann ist es mit der Niedlichkeit schnell vorbei. 0,75 Quadratmeter Platz stehen laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einem 50 bis 110 Kilogramm schweren Mastschwein zur Verfügung. Bei ökologischer Haltung sollen es 1,3 Quadratmeter plus ein Quadratmeter Auslauf im Freien sein.

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Das ist beileibe nicht viel, und es fällt nicht schwer, den zahlreichen Tierschutzorganisationen, die seit Jahren bessere Bedingungen für Mastschweine fordern, voller Überzeugung recht zu geben. Zu Hause wurden daher weitestgehend Produkte aus oder mit Schweinefleisch verbannt und nach Möglichkeit durch Alternativen ersetzt. Das ist gut für die Schweine – und für die Stimmung am Abendbrot-Tisch.

Haben Sie Ideen, Anregungen oder Kritik? Schreiben Sie mir: timo.keller@funkemedien.de.

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