Zwei Frauen bringen Meinerser dazu, Plastikmüll zu vermeiden

Meinersen.  Weniger Plastik: Finja Kumbein und Laura Binar bewegen die Schüler des Sibylla-Merian-Gymnasiums, die Meinerser und die Lokalpolitik zum Umdenken.

Laura Binar (links) und Finja Kumbein vom Sibylla-Merian-Gymnasium (SMG) Meinersen stehen vor der Außenstelle in Leiferde.

Laura Binar (links) und Finja Kumbein vom Sibylla-Merian-Gymnasium (SMG) Meinersen stehen vor der Außenstelle in Leiferde.

Foto: Reiner Silberstein

Als Finja Kumbein und Laura Binar 2018 ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) am Sibylla-Merian-Gymnasium (SMG) Meinersen im Kreis Gifhorn antraten, ahnten sie nicht, was sie damit lostreten – Greta Thunberg war da noch völlig unbekannt.

Mehrere Umweltschutzpreise bekommen

Mittlerweile ist aus dem ausgelaufenen freiwilligen Jahr ein freiwilliges Engagement geworden, war die Schule wegen ihnen im Fernsehen und hat mehrere Umweltschutzpreise eingeheimst – und haben nicht nur viele Mädchen und Jungen ein neues Naturschutzbewusstsein entwickelt, sondern obendrein auch etliche Erwachsene in der ganzen Samtgemeinde und darüber hinaus.

Eigentlich wollten die beiden nur Praxiserfahrungen für ihr jetziges Lehramtsstudium in Hannover sammeln – durch Hausaufgabenbetreuung, Leitung von Öko- und Koch-AG sowie Lehrerbegleitungen. Doch irgendwie nahm dann die Leitung der Erasmus-AG, bei der Schüler zusammen mit Partnerschulen in den Niederlanden, Dänemark und Schweden Ideen gegen den Klimawandel sammeln, eine gewisse Eigendynamik an, die alle Meinerser zum Nachdenken brachte.

Die Gruppe, die nach und nach auf rund 60 Schüler angewachsen war, sammelte Infos zum Thema, plante Aktionen, untersuchte, wie die Mensa plastikfrei werden kann, half beim Storchenfest des Nabus in Leiferde, wühlte im Schulgarten. Die Wanderausstellung, die Kumbein und Binar mit der mittlerweile auf 60 Schülern angewachsenen Gruppe erarbeitet hat, haben sich die drei europäischen Partnerschulen ausgeliehen. „Wir haben mit den Schülern alle Texte ins Englische übersetzt“, sagt die 19-jährige Binar.

Und letztlich brachte diese Ausstellung im vergangenen Jahr die Schule mit dem Kitesurfer Mario Rodwald zusammen, der für seine TV-Doku über Plastikmüll im Meer bekannt ist. Der Promi animierte die Meinerser Schüler dazu, eine Woche lang den Plastikmüll von zuhause zu sammeln. Der NDR filmte, wie ein Traktor eine ganze Anhängerladung voll auf der Straße schüttete. „Das war das Signal an den Bürgermeister: Das muss weniger werden!“, sagt Kumbein. Anschließend gab es eine Einladung nach Heiligenhafen.

Das Projekt wurde immer größer. „Es wurde unser Baby“, so Kumbein. Das Motto wurde Programm: „Sibylla kämpft gegen Plastikmüll“. „Wir haben Spaß daran, das weiterzuführen. Wir machen gern weiter, um noch mehr Leute zu infizieren.“ Die Schule bietet weiterhin die Plattform dafür. „Bei unseren Schülern hat es schon was bewirkt“, so Kumbein, „aber auch in den Geschäften merkt man, dass ein Umdenken stattfindet: Plötzlich gibt es sogar Unverpackt-Regale.“ Und die Kinder drängen ihre Eltern darauf, nichts mehr mit Plastik zu kaufen, sagt Binar.

Auch sie selbst habe das Projekt verändert, sagt Kumbein: „Wir achten beim Einkaufen verstärkt auf die Verpackung und nehmen lieber Strohhalme aus Bambus, Glas oder Nudeln.“ Sie wünscht sich, dass die Menschen einfach weniger Müll in die Umwelt werfen. Binar: „Durch die Aktionen achte ich auf Kleinigkeiten. Aber komplett plastikfrei, das wird wohl noch nicht gehen.“ Mittlerweile ist sie auch in den Fridays-For-Future-Gruppen aktiv.

Noch kein Nachfolger für freiwilliges ökologisches Jahr

Corona hatte allerdings einen Stock in die Speichen des Projekts geworfen. „Jetzt hätte gerade der Erasmus-Austausch stattgefunden“, sagt Kumbein mit Bedauern, „wir hoffen, dass es in Zukunft weitergeht, damit die Arbeit nicht verloren geht.“ Doch die Schulschließung am Anfang der Pandemie sorgte auch dafür, dass es zurzeit am SMG keine Nachfolger für das FÖJ gibt, bedauert der stellvertretende Schulleiter Martin Vollrath. Nächstes Jahr hoffentlich wieder.

„Aber wir ernten immer noch die Früchte, die die beiden gesät haben“, so Vollrath. Das Rad kommt langsam wieder ins Rollen. Gerade vor wenigen Wochen hat die Schule den Bundessieg als Energiesparmeister errungen. Und mit dem Gifhorner Landrat Andreas Ebel ist das SMG im Gespräch, ob nicht das eine oder andere Projekt auf andere Schulen im Landkreis übertragen werden kann.

Die Müllsammelaktion ist in dieser NDR-Reportage zu sehen: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/Der-Umwelt-Surfer,sendung950662.html

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder