Braunschweig. Die Verbreitung der Nager mit der „Maske“ ist extrem zurückgegangen. Ursache des Aussterbens war lange unklar. jetzt gibt es eine Tagung in Goslar.

Ist der Gartenschläfer von Forschern und Naturschützern jahrelang schlicht übersehen worden? Diese Frage drängt sich auf beim Lesen der Mitteilung des Umweltverbands BUND: Erst als man vor wenigen Jahren feststellte, dass die Bestände der kleinen Nager drastisch zurückgingen, erkannte man demnach, dass über die Tierart viel zu wenig bekannt ist. Am 2. September lädt der Umweltverband zusammen mit der Universität Giessen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zu einer öffentlichen Tagung in Goslar ein – über die Tiere, deren auffällige Fellzeichnung um die Augen an eine dunkle Brille erinnert.

Große Wissenslücken festgestellt – zu spät?

„Gartenschläfer waren früher keine Seltenheit“, erklärt Andrea Krug, Artenschutzexpertin vom BUND Niedersachsen im Gespräch mit unserer Zeitung. „Deshalb standen sie jahrzehntelang nicht im Fokus.“ Erst als man vor 15 Jahren gemerkt habe, das die nachtaktiven Tiere vielerorts fehlten, habe man erkannt, wie groß die Wissenslücken waren. Wissenschaftler und Naturschützer begannen daraufhin, die Bestände zu erfassen – mit erschreckendem Befund: Die europaweite Verbreitung sei um die Hälfte zurückgegangen – mehr als bei jedem anderen Nagetier.

„In Osteuropa ist der Gartenschläfer sogar praktisch komplett verschwunden“, sagt Krug. Man sei erst dabei, die Ursachen des Aussterbens zu verstehen: der BUND nennt etwa den Einsatz von Pestiziden und chemischen Mitteln zur Bekämpfung von Nagetieren, den großflächigen Lebensraumverlust durch das Waldsterben sowie abnehmende Naturräume im Siedlungsbereich. „Durch das Insektensterben verlieren sie zudem eine ihrer Nahrungsgrundlagen.“

Hauptvorkommen mittlerweile in Deutschland

Andrea Krug leitet beim BUND Niedersachsen das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“.
Andrea Krug leitet beim BUND Niedersachsen das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“. © © wernermusterer.de | (FREELENS Pool) Werner Musterer

Das Hauptvorkommen der Gartenschläfer befindet sich laut Krug mittlerweile in Deutschland. Aber auch hier ist das Tier auf dem Rückzug – vor allem in seinen natürlichen Lebensräumen. Deshalb zieht es die Nager mancherorts verstärkt in die Nähe des Menschen, wo das Angebot am Nahrung und Versteckmöglichkeiten größer ist. „Diese Anpassung könnte vielleicht sogar ihre Rettung sein“, hofft Krug.

In seinem natürlichen Lebensraum, dem Wald, ist der Gartenschläfer dagegen nur noch selten zu finden. Krug meint: „Wir scheinen gerade Zeuge eines Aussterbens im Mittelgebirge zu sein“. In Niedersachsen konnte er nur noch im Harz nachgewiesen werden. Deshalb sei diese Region für den Schutz der Art auch von besonderer Bedeutung. Deshalb treffe man sich auch in Goslar „Hoffentlich können Teile des hiesigen Nationalparks, anders als die Sächsische Schweiz oder der Bayerische Wald für ihn weiter ein Refugium bleiben.“

Welche Schutzmaßnahmen braucht es?

Damit dies klappt, halten die Naturschützer es für geboten, die Tierart zügig unter Schutz zu stellen. Welche Maßnahmen es hierfür braucht, auch darum soll es bei der Tagung in Goslar gehen.

Die Tagung „Gartenschläfer im Harz“ findet am Freitag, 2. September, von 11 bis 16 Uhr im Kreishaus Goslar statt. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten. Anmeldung erbeten telefonisch unter (0511) 9656974 oder per Mail an: nora.albers@nds.bund.net