Vom Tänzer zum Soulisten

Der Berliner Sänger Mic Donet wurde durch seine Teilnahme an „The Voice of Germany“ bekannt. Jetzt ist er in Wolfsburg zu sehen.

Bekannt wurde Mic Donet durch seine Teilnahme an der Castingshow „The Voice of Germany“ im Jahr 2012. In der Mitte der 2000er Jahre tourte er mit Stars wie Carlos Santana, Stevie Wonder, Keith Tynes, Aloe Blacc und Erykah Badu durch die USA – doch der ganz große Erfolg blieb aus. Erst, als Xavier Naidoo auf den Sänger aufmerksam wurde, wendete sich das Blatt – am Freitag, 19. Januar, ist Mic Donet zu Gast in der Wolfsburger Autostadt. Eva Hieber sprach mit dem 38-Jährigen.

Sie sind schon fast 20 Jahre im Musikgeschäft – gab es eine Initialzündung?

Eigentlich nicht: Mir war immer klar, dass ich etwas mit Musik machen will, schon als kleiner Junge. Die Frage, was ich werden will, hat sich also nie gestellt. Schlüsselmomente gab es aber trotzdem: Michael Jackson war eine große Entdeckung für mich als Jugendlicher, nicht nur was die Musik, auch, was das Tanzen betrifft. Ich bin dann erst mal jahrelang Breakdancer gewesen. Mit 19 kam dann der erste Plattenvertrag!

Wann haben Sie sich der Soul-Musik verschrieben? Breakdance klingt ja erst mal eher nach Hip-Hop...

Angefangen habe ich mit Blues und Boogie Woogie – das fand ich als Kind so toll, dass ich unbedingt Klavier-Unterricht nehmen musste. Der Schritt zu R’n’B, Jazz und Black Music war da nicht mehr fern. Hip Hop hat seinen Ursprung im Soul. So bin ich über den Breakdance auf die Musik von Aretha Franklin, James Brown, und den Motown-Stars gestoßen. Damals ging es noch wirklich um die Musik.

Sie waren mit Stars wie Carlos Santana und Stevie Wonder auf Tour: Wieso blieb der große Erfolg aus?

Ich wollte schon immer auf der ganzen Welt spielen. Deshalb habe ich irgendwann angefangen, auf Englisch zu singen und in den USA zu spielen. Eine Sache habe ich dabei gelernt: Du musst erst in deinem eigenen Land Erfolg haben, wenn du international Erfolg haben willst. Es sei denn, du gehst dauerhaft ins Ausland – das war aber nichts für mich. Ich bin also wieder in Berlin gelandet: In Deutschland allerdings musst du heutzutage Deutsch singen, wenn du erfolgreich sein willst.

... also singen Sie jetzt wieder auf Deutsch?

Ich fange gerade wieder damit an, ja.

Im Jahr 2012 begeisterten Sie Xavier Naidoo in der Castingshow „The Voice of Germany“, der Ihr Coach wurde. Was bedeutete das für ihre musikalische Entwicklung?

Musikalisch hat Xavier sich überhaupt nicht eingemischt, er fand einfach cool, was ich gemacht habe. Ich habe ihm mein fertiges Album gezeigt, dass schon zwei Jahre in meiner Schublade lag, und hat gesagt, das sei grammywürdig – das war natürlich ein super Erfolg, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Er hat meine Karriere gut gepusht, hat alles dafür getan, dass ich mein Ding machen kann.

Was war die Teilnahme an der Castingshow für eine Erfahrung?

Ich bin bis ins Halbfinale gekommen, darüber hatte ich eine große Plattform – sonst sind die Möglichkeiten für Spartenmusiker wie mich ja eher begrenzt in Deutschland. Die Möglichkeiten im Radio oder im Fernsehen sind normalerweise sehr limitiert.

Durch die besondere Situation der Castingshow konnte ich meine eigenen Sachen vor großem Publikum singen und Bekanntheit erlangen. Das war ein unfassbares Jahr! Dabei halte ich eigentlich nichts von Castingshows.

Meine anfängliche Skepsis habe ich dann aber abgelegt, weil es in der Show wirklich um die Musik ging, und nicht nur die Moderatoren, auch die anderen Künstler mir viel Rückhalt gegeben haben. Das ist wichtig, wenn du durch diese Fernseh-Maschinerie durchgepeitscht wirst.

Ihr aktuelles Album „Rise and Shine“ erschien 2015. Was machen Sie seitdem?

Zum Einen habe ich wieder angefangen, Soul auf Deutsch zu singen. Außerdem arbeite ich gerade mit Samy Deluxe zusammen an einem Projekt – Richtung Hip Hop/Urban. Auch auf Deutsch, übrigens.

Wie unterscheidet sich das Texten und Singen auf Deutsch und auf Englisch?

Gravierend! In Deutschland gibt es ganz andere Hörgewohnheiten. Englische Texte dürfen direkt und einfach sein, das Publikum fokussiert sich zuerst auf die Melodie, die Emotion, das Gesamterlebnis Song. In Deutschland hören die Menschen immer zuerst auf den Text – und der ist oft voll von Metaphern, sehr bildhaft.

Beim Schreiben habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, mit Sprache zu spielen, mich in Bildern auszudrücken und Gefühle und Gedanken in ein anderes Kleid zu hüllen. Ich kann zum Beispiel übers Surfen singen, und meine damit eigentlich eine Konzerterfahrung. Das Meer meint dann das Publikum, und ich surfe auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Also die Bühne. Wer einfache deutsche Texte schreibt, wird schnell in die Schlager-Schublade geschoben – das ist eben gewachsene, musikalische Tradition.

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