Bei „Wir sind asozial“ singen alle lauthals mit

Braunschweig  Berserker und glorreiche Halunken: Harte Dröhnung und stupider Humor beim Rock-Konzert im Braunschweiger Kennelbad.

Wer sich am Samstagabend in nüchternem Zustand auf das Gelände des Kennelbads begeben hat, kann gar nicht anders als zu denken, was für ein Haufen Verrückter sich hier angesammelt hat. Damit dürfte man niemanden beleidigt haben. Wer wie diese Leute lauthals Strophen wie „Wir sind asozial!“ mitsingt und das Unangepasste und Abstoßende feiert, fasst eine solche Bezeichnung eher als Kompliment auf.

Nun, wir leben in einer komplizierten Welt. Wir leben permanent am Rande der Überforderung. Da scheint es verlockend, das Gehirn für eine Weile einfach mal auf Sparflamme laufen zu lassen und sich auf die elementaren Dinge des Lebens zu besinnen: fressen, saufen, ficken.

Natürlich herrscht auf jedem Rock-Festival ein solcher Ausnahmezustand. Doch die Besucher des Kennelbad-Rock-Festivals zeichnet schon ein besonderer Hang zum stupiden Humor aus. Keine Band an diesem Abend repräsentiert das besser als die „Bukowskis“ Ihre Mischung aus Rock’n’Roll und Punk war unterlegt mit Texten wie „Ich piss im Steh’n“ oder „Rectumfeuer“ die die Latte des Stumpfsinns besonders hoch legen.

Etwas ernsthafter ist da die Band „Leather Zoo“ aus Sheffield/England, die mit einem frechen 80er-Jahre-Punk-Rock-Stil das Festival eröffnet. Und auch die knallharten Metalriffs der deutschsprachigen Band „Berserker“ werden mit tiefgründig-düsteren Texten unterlegt. Der Hauptact „Die glorreichen Halunken“ wartet schließlich mit Böhse-Onkelz-Coversongs auf.

Wer dann im Laufe des Konzerts über das Gelände schlendert, bemerkt zudem noch eine spezielle Ausdrucksform der rund 1400 Festivalbesuchers: das T-Shirt. Hauptsächlich handelt es sich um Band-Shirts. Die Böhsen Onkelz und Die glorreichen Halunken sind besonders oft vertreten. Inmitten dieser großen Menge von Festivalbesuchern gibt es aber auch immer wieder einzelne T-Shirts, die einen sauer aufstoßen lassen. Da sind dann Sachen zu lesen wie „Frei.Wild“ – eine südtiroler Rockband, die in der Vergangenheit häufiger mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht wurde. Und auch Marken wie „Thor Steinar“ und „Nordic Company“, die sich auf rechte Kundschaft fixiert haben, tauchen vereinzelt auf. Ein Mitglied der „Red Devils“, eines Unterstützerclubs der Hells Angels, schlendert ebenfalls über das Gelände.

Veranstalter André Panagiotaros distanziert sich klar von der rechten Szene: „Ich bin selber halb Grieche. Da will ich mit solchen Leuten natürlich nichts zu tun haben. Leider ziehen solche Art von Rock-Festivals aber auch immer derartige Gruppierungen an. Wir haben allerdings die klare Anweisung an alle Security-Mitarbeiter rausgegeben, Besucher mit eindeutig rechten Tätowierungen oder Kleidungstücken auszuweisen. Das ist drei- oder viermal der Fall gewesen.“

Das Festival verlief größtenteils friedlich, und auch zu öffentlichen rechtsradikalen Äußerungen kam es laut Veranstalter nicht. Natürlich kann man darüber streiten, ob das Tragen eines bestimmten Kleidungsstückes einen Menschen unvermittelt zum Nazi macht. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem.

Anmerkung der Redaktion: Unser Fotograf wurde in seiner Funktion nicht auf das Gelände gelassen.

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