Braunschweig. Knäckebrot: Die graue Maus des Snack-Regals oder doch eine Liebeserklärung?

Wenn ich jetzt dem Knäckebrot mal eins auf die Mütze gebe, liegt es nicht daran, dass ich persönlich einen Strauß mit der Unterlage für Butter und Co. auszufechten hätte. Überhaupt gar nicht, ich mag Knäckebrot.

Dass das Knäckebrot hierzulande im öffentlichem Verzehrdiskurs eher die graue Maus geblieben, die Stulle hingegen längst jenseits des hippen Berliner Dunstkreises von keiner ambitionierten Café-Mittagskarte mehr wegzudenken ist, liegt vielleicht auch an ihrer zarten Besaitung. Mir jedenfalls zerbricht jedes noch so verhätschelte Knäcke immer schon nach dem ersten Bissen unvorteilhaft unansehnlich in ein vielteiliges Puzzle. So ein Knäcke mümmelst du am besten unbesehen unter der Bettdecke weg. Knäckebrot ist keine Liebeserklärung.

Wie ich darauf komme? Letztens machte der Sohn auf dem Weg zum Donnerstagstraining kurzen Boxenstopp. „Oh. Wieder mal nur Knäcke da“, sagt er und schmierte drauflos. Ob er wisse, dass sie in Schweden die Oberseite, also die mit den vielen Löchern, die Sonntagsseite nennen? „Söndagssidan“, schwedelte ich. Weil man für die glattere Alltagsseite weniger Butter braucht. „Was willste mir damit sagen?“, krauste der Sohn die Vorderseite seiner Stirn, auf deren Hinterseite gerade die Butter auszuflocken schien.

„Dass für mich immer Sonntag ist, wenn du kommst.“ Knäcke kann doch Liebeserklärung.