Braunschweig. Bratkartoffelverhältnisse: Unsere Kolumnistin riskiert einen Blick in die Vergangenheit außerehelicher Genüsse.

Bratkartoffeln. Das sagt sich so leicht. Doch bis sie tatsächlich goldgelb und knusprig auf dem Teller landen (und nicht als fetttriefender Klumpatsch mit verkohlten Zwiebeln), heißt es: Üben, üben, üben! Alles andere ist Anfängerglück.

Wie ich überhaupt darauf komme? Neulich kam mir der Begriff „Bratkartoffelverhältnis“ von anno Tobak unter. Ich erinnere mich, dass es in meiner Kindheit hieß, die Nachbarin pflege ein „Bratkartoffelverhältnis“ mit einem netten „Bekannten“. Sagte man früher so: „Das ist mein Bekannter.“ Der Begriff „Bratkartoffelverhältnis“ erschien mir damals insofern folgerichtig und weckte meine kindliche Neugier nicht weiter, weil es aus dem Fenster der Nachbarin tatsächlich häufig nach Bratkartoffeln roch. Lag doch auf der Hand: Sie briet, er aß. Außerehelich. So what!?

Übrigens soll es im Nachkriegsdeutschland jede Menge „Bratkartoffelverhältnisse“ zwischen heimkehrenden Kriegsgefangenen und Witwen gegeben haben, die nichtehelichen Beziehungen den Vorzug gaben, um den Anspruch auf ihre Witwenrente nicht zu verlieren.

Interessante Genese, aber gottlob Schnee von gestern. Und darum binden Sie sich gleich mal die Schürze um, meine Herren, denn Madame hat Appetit auf Bratkartoffeln. Und weil ich gerade auf der Retro-Welle reite, hier ein Kalauer von Heinz Erhardt: „Vom alten Fritz, dem Preußenkönig, weiß man zwar viel, doch viel zu wenig. Drum ist zum Beispiel nicht bekannt, dass er die Bratkartoffeln erfand. Drum heißen sie, das ist kein Witz: Pommes Fritz.“