Braunschweig. Mehr nicht? Nach einer Fahrt über die A2 ging dem Kolumnisten ein Licht auf.

Deutschland ist stolz auf seine Dichter und Denker. Das merkt man auch als Fahrzeuglenker. An der A2 in Richtung Hannover fielen mir jetzt die neuen Riesenschilder auf mit dem Slogan „Mehr Licht, weniger Hupe, mehr Achtung“.

Das ist zum einen Verkehrspädagogik, klar, zum anderen aber auch eine feine Anspielung auf die legendäre Bitte „Mehr Licht!“, das letzte Wort des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe vor seinem Dahinscheiden am 22. März 1832.

Ach ja, darüber ist schon so oft nachgedacht worden: Hat der Todkranke eigentlich nur darum gebeten, einen weiteren Fensterladen zu öffnen? Oder war „Mehr Licht!“ ohnehin ein Missverständnis, weil Goethe lediglich auf seine unbequeme Lage hinweisen wollte und im Frankfurter Dialekt so etwas wie „Mä licht hia so schlescht“ gesagt hat? Oder ging es ihm eben doch um das Licht der Erkenntnis? Für gefühlvolle Bewunderer wie Friedrich Rückert kam natürlich nur letzteres in Frage. Rückert schrieb über das Idol: „Als er abtrat nun vom Streite, War das letzte Wort, das quoll / Aus der Brust erhobner Weite: ,Mehr Licht!’ Nun, o Vorhang, roll / Auf, dass er hinüber schreite / Wo mehr Licht ihm werden soll.“

Wie schön! So gern würde man, apropos Vorhang, eine kleine Kolumne zum Thema „Mehr Licht!“ mit diesem erhebenden Zitat beenden. Doch Hubert Spiegels unbestechliche Analyse in der FAZ läuft auf eine andere Erkenntnis hinaus: Dieses Zitat ist höchstwahrscheinlich glatt erfunden. Enttäuschend, oder? Doch in der Literaturgeschichte gilt wohl das gleiche wie im Straßenverkehr: Immer schön aufpassen. Und weniger Lichthupe!