Unsere Kolumnistin hat Weihnachten überwiegend am Spülbecken verbracht.

Ob Geräte eine Seele haben? Ungewiss, aber keineswegs unmöglich. Manche haben jedenfalls einen entschieden miesen Charakter. Unsere Spülmaschine zum Beispiel. Als sie sich entschloss, kein Wasser mehr an sich heranzulassen und stattdessen mit einem trockenen Röcheln leer zu drehen, war es: zwei Tage vor Heiligabend.

Die Kinder kamen, Verwandtschaft war angesagt, es sollte Kaffee und Kuchen geben, abends Würstchen mit Kartoffelsalat, am nächsten Tag ein ehrgeiziges Menü mit Zwiebelsuppe, Camembert-Tarte, Gurkensalat und Pfeffer-Champignon-Filets mit Spätzle. Das gab es auch alles. Die ganze Familie hat mitgeköchelt. Aber es gab eben auch das entsprechende Geschirr. Berge. Schier erschlagend. Das Mistviech von Maschine untermauerte seinen schurkischen Charakter erneut, indem es sich mit Wasser füllte, wenn es nicht sollte. Wenn man nämlich das benachbarte Küchenspülbecken füllte, rann das Wasser auf rätselhaften Wegen in das Gerät – und von dort, wenn man nicht aufpasste, ungebremst in die Küche. Ich erklärte also den Jungs meinen Abwaschplan mit ausgeklügelten Abschöpf- und fein dosierten Zulauf-Aktionen. Sie beäugten abwechselnd mich, das in Essensresten erstarrte Gebirge und das röchelnde Charakterschwein. Dann sagte einer: „Vielleicht ist es doch besser, wenn du abwäschst.“ Ja klar, gerne doch.

Immerhin haben sie beim Abtrocknen geholfen.