Wortschatz

Aufs Thun kommt’s an

Wenn man sich die turbulente Geschichte der th- und ph-Streitereien im Deutschen ansieht, kann man sich des Schmunzelns kaum erwehren.

Desk-Chef Harald Likus

Wie stehen Sie zum Tema Tunfisch? Pardon, zum Thema Thunfisch, so wollte ich’s natürlich schreiben. Also ich mag ihn gern und schreibe ihn tunlichst mit h. Selbst wenn der Duden auch die Schreibweise ohne h gestattet (wie ja auch Panter, Jogurt und Delfin): Ich finde, so ein Tunfisch ohne h sieht irgendwie kümmerlich aus.

Ich gebe aber zu, dass sich derlei relativ schnell ändern kann. Die Schreibweise „alterthümlich“ wirkt heute…tja, genau so. Und wenn man sich die turbulente Geschichte der th- und ph-Streitereien im Deutschen ansieht, kann man sich ohnehin des Schmunzelns kaum erwehren. Kein anderer als Konrad Duden war vor knapp 120 Jahren mit der Beseitigung des „th“ aus Wörtern à la „Noth“, also Wörtern „deutschen Ursprungs“ befasst. Und es ist wirklich verbürgt, dass Kaiser Wilhelm II. höchstselbst Konrad Dudens Protokoll einer orthographischen Konferenz 1901 bezüglich eines Wortes kommentierte, das ihm besonders am majestätischen Herzen lag und dessen Schreibweise folglich besonders edel zu sein hatte: „Das ‚h‘ in ‚Thron‘ bleibt. An meinem Thron wird nicht gerüttelt!“

Das war zwar ein albern wuchtiger Satz. Doch immerhin hat sich der „Thron“ in der kaiserlich präferierten Schreibweise behauptet. Mal sehen, wie es in weniger wilhelminischen Zeiten mit dem guten Thunfisch weitergeht. Ich wünsche ihm viel Glück in Sachen Plastikmüll und Überfischung und so. Und ich wünsche ihm sein h.

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