Walkenried. Die Feuerwehr Walkenried hilft seit 150 Jahren im Kampf gegen Feuer, Hochwasser und andere Katastrophen. Blick in eine besondere Bilanz.

  • 150 Jahre Mut und Einsatz im Harz: Die Feuerwehr Walkenried blickt zurück auf extreme Einsätze
  • Zugunglück, Großbrand oder Hochwasser: die Einsatzkräfte aus dem Südharz beweisen sich immer wieder als Retter in der Not

Das Hochwasser über die Weihnachtsfeiertage, die brennenden Heuballen bei Wiedigshof oder aber der Waldbrand auf dem Ravensberg - allein im Jahr 2023 waren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Walkenried bei verschiedenen Großeinsätzen gefordert. Dieses Jahr begeht die Wehr bereits ihr 150-jähriges Bestehen - und da bietet es sich an, einen Blick in die Vergangenheit zu wagen, welche weiteren Einsätze bis heute in Erinnerung geblieben sind. Davon gibt es einiges im Südharz: ein tragisches Zugunglück mit vielen Toten, der Brand einer Fabrik oder auch ein Problem, dass die damalige innerdeutsche Grenze Feuerwehrmitglieder vom Löschen abhielt.

Zugunglück im Südharz: Unfall fordert Todesopfer bei Walkenried

Dieser Einsatz hat Spuren hinterlassen - bei der Feuerwehr, aber auch den Menschen in Walkenried und der Umgebung. Am 12. Juli 1928 kam es an der Kreuzung zwischen der damaligen Südharzeisenbahn und der Straße von Walkenried nach Bad Sachsa zu einem folgenschweren Unfall bzw. Unglück. Ein offener Omnibus mit Urlaubern aus Cramme bei Wolfenbüttel prallte - aufgrund von Unachtsamkeit des Busfahrers in Kombination mit schlechter Kennzeichnung des Bahnüberweges - mit einem Personenzug nach Braunlage zusammen. Die Folge: Vier Personen starben, 17 wurden schwer verletzt - und die Feuerwehr war stundenlang im Einsatz.

Großbrand im Bereich Juliushütte zwischen Walkenried und Ellrich am 4. August 1955. Produktionsgebäude und Wohnhäuser standen in Flammen, der Schaden lag bei ca. 300.000 DM damals. 
Großbrand im Bereich Juliushütte zwischen Walkenried und Ellrich am 4. August 1955. Produktionsgebäude und Wohnhäuser standen in Flammen, der Schaden lag bei ca. 300.000 DM damals.  © Archiv Verein für Heimatgeschichte Walkenried | Archiv Verein für Heimatgeschichte Walkenried

Kurios - aber nicht weniger gefährlich war das, was am 4. Oktober 1953 passierte: Die örtliche Tankstelle wurde umgefahren. Gegen 3 Uhr morgens war ein Pkw des Bundesgrenzschutzes in einer Kurve vor dem Hotel „Zum Goldenen Löwen“ ins Schleudern gekommen und fuhr auf das Gelände der Tankstelle. Dort riss der Wagen eine Straßenlaterne um und beschädigte auch die Tanksäulen schwer. Ein Feuer brach aber nicht aus und die Insassen des Pkw wurden auch nur leicht verletzt.

Schock in der Walpurgisnacht im Südharz: Fabrik steht in Flammen

Ein wahrer Schreck im Klosterort wurde im Jahr 1954 die Walpurgisnacht. Mitten in die Feierlichkeiten schrillten gegen Mitternacht die Alarmglocken - in den Öllagern der damaligen Seifenfabrik Genzel war aus unbekannten Gründen ein Feuer ausgebrochen. Zunächst waren die Werksfeuerwehr des Unternehmens mit den Kräften der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz, doch die Brandbekämpfung gestaltete sich extrem schwierig. Starke Hitze und Rauch sorgten dafür, dass die Männer nicht an das Feuer herankamen, auch die Unterstützung der Kräfte aus Bad Sachsa und Braunlage änderte daran nichts. Es fehlte vor allem an Sauerstoff- und Spezialgeräten, die erst Feuerwehren aus Göttingen, die nachalarmiert wurden, mitbrachten. Der Brand, bei wertvolle Lagerbestände und Maschinen vernichtet wurden, richtete einen Schaden von etwa 500.000 DM an.

Besonderes Foto: Feuerkräfte aus Walkenried und Ellrich lassen sich nach den Löscharbeiten beim Brand an der Juliushütte im Jahr 1955 fotografieren. Aufgrund der späteren innerdeutschen Grenze bliebt es für Jahrzehnte das letzte gemeinsam Bild. 
Besonderes Foto: Feuerkräfte aus Walkenried und Ellrich lassen sich nach den Löscharbeiten beim Brand an der Juliushütte im Jahr 1955 fotografieren. Aufgrund der späteren innerdeutschen Grenze bliebt es für Jahrzehnte das letzte gemeinsam Bild.  © Archiv Verein für Heimatgeschichte Walkenried | Archiv Verein für Heimatgeschichte Walkenried

Besondere Bedeutung hatte der Einsatz am 4. August 1955 - denn diesmal lag die Einsatzstelle mitten an der damaligen Demarkationslinie zwischen Ost- und Westdeutschland. In einem Sägewerk im Bereich Juliushütte bei Ellrich brach ein Großfeuer aus. Besonders bitter: Das Areal lag im Westen und die Feuerwehr Ellrich erhielt zunächst nicht die Genehmigung seitens der dortigen Behörden, mitzuhelfen. Erst als das Feuer große Teile vernichtet hatte, durfte sie passieren. Insgesamt wurden bei dem Brand Maschinen im Wert von 150.000 DM vernichtet, zudem Gebäude, in der Summe etwa ein Schaden von 300.000 DM. Fünf Familien wurden zudem obdachlos.

Blick auf einige weitere bedeutende Einsätze aus 150 Jahren:

Bei der Betrachtung der Alarmierungen in der Gegenwart ist eines klar: Die Tendenz bei den Einsätzen für die Brandschützer ist seit Jahren zunehmend. „Eine Feuerwehr wird jedoch nicht an der Zahl der Einsätze gemessen, sondern an dem erfolgreichen Abarbeiten der jeweiligen Lage. Und wir waren stets erfolgreich, darauf können wir stolz sein“, erklärte Ortsbrandmeister Sebastian Herzberg bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2024. Dennoch beeindrucken auch die reinen Zahlen: Zu 71 Einsätzen wurden die ehrenamtlichen Mitglieder der Ortsfeuerwehr aus dem Klosterort im Jahr 2023 gerufen. Rechnet man neben den Einsätzen auch noch die Dienste und Veranstaltungen hinzu, kommen die Einsatzkräfte sogar auf stolze 128 Termine im vergangenen Jahr.

Einsatzgeschehen der Feuerwehr Walkenried im Jahr 2023:

  • 9 Brände (Vorjahr 12)
  • 32 Hilfeleistungen (28)
  • 21 Fehlalarme (24)
  • 6 Öleinsätze (1)
  • 2 Verkehrsunfälle (1)
  • 1 Alarmübung (0)
  • In der Summe 71 Einsätze (Vorjahr 67)

Bleibt aber auch die Frage, wie bewertet die Feuerwehr selbst im Südharz die Einsätze? Welchen sehen sie am schlimmsten? Eine direkte Antwort können Ortsbrandmeister Sebastian Herzberg, sein Stellvertreter Thorsten Riechel sowie Gemeindebrandmeister Tobias Mielke nicht direkt geben. „Wir könnten höchstens anhand der Schadenssumme eine Reihenfolge festlegen“, sagt Mielke. Denn - und da geben ihm die beiden Ortsbrandmeister recht: „Der schlimmste Einsatz ist individuell. Es gibt die verschiedensten Gründe, die dafür sorgen, dass der eine Einsatz die Kameradin bzw. den Kameraden mehr belastet.“ Wichtig sei aus Sicht der Verantwortlichen am Ende nur, dass, man Menschen oder Tieren in Not helfen könne, Lagen abarbeite und selbst unverletzt bleibe.

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