Göttingen/Osterode. Das Opferhilfebüro Göttingen bietet Unterstützung und Begleitung an. Mit Stephan Hunold gibt es nun auch einen Ansprechpartner für Männer, die Gewalt erfahren.

  • Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die Opfer von Gewalttaten werden. Aber in 20 Prozent der Fälle sind auch Männer von Gewalt betroffen.
  • Das Opferhilfebüro in Göttingen hilft dabei und hat jetzt einen neuen Ansprechpartner für Männer, die sich vertrauensvoll an das Büro wenden wollen.
  • Oft geht es dabei um sexualisierte Gewalt und Körperverletzung: Das Team der Opferhilfe hofft, dass in Zukunft auch Männer sich häufiger an das Büro wenden und dessen Service in Anspruch nehmen.

Wer Opfer eines Verbrechens wurde, hat oftmals mit den Folgen zu kämpfen - sei es in psychischer, bürokratischer, juristischer oder finanzieller Hinsicht. Kostenlose Hilfe, Beratung, Unterstützung und Begleitung bietet das Opferhilfebüro Göttingen Geschädigten an, das auch für den Altkreis Osterode zuständig ist. Mit Stephan Hunold gibt es seit März - neben den drei bereits dort tätigen Sozialpädagoginnen - nun auch einen männlichen Ansprechpartner.

„Wir hoffen, dass damit bei Männern die Hemmschwelle sinkt, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärt Hunold. Denn noch immer seien 80 Prozent der Klienten, die sich an das Opferhilfebüro wenden, Frauen. Männer unterschätzten häufig, wie belastend solch ein Erlebnis ist, oder seien nach traditionellem Rollenverständnis der Meinung, sie müssten alleine mit ihren Problemen fertig werden. Der Sozialpädagoge sieht die Chance, dass männliche Betroffene eher mit einem Mann sprechen.

 Landkreis Göttingen: Hier finden Männer Hilfe bei Gewalt

Das Gros der Fälle, die an das Opferhilfebüro herangetragen werden, betreffen sexualisierte Gewalt und Körperverletzungen, berichtet Hunold. Obgleich die allermeisten Täter männlich seien, erlebten auch Männer häusliche Gewalt und auch sie bräuchten Hilfe. „Sie müssen sich nur trauen, sie sich zu holen“, betont er. Doch vielfach ließen sie es nicht einmal zu, sich überhaupt als Opfer zu sehen. Wenn durch die Möglichkeit, mit einem männlichen Ansprechpartner zu reden, Hemmungen abgebaut werden könnten, wäre das ein großer Fortschritt.

Seit März gehört Stephan Hunold zum Team des Opferhilfebüros: „Wir hoffen, dass damit bei Männern die Hemmschwelle sinkt, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen.“
Seit März gehört Stephan Hunold zum Team des Opferhilfebüros: „Wir hoffen, dass damit bei Männern die Hemmschwelle sinkt, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ © FMN | Kerstin Pfeffer-Schleicher

„Wir sind für alle da“, unterstreicht der Sozialpädagoge, und das nicht nur bei schweren Straftaten sondern auch bei vermeintlich kleinen Delikten, die für Opfer jedoch große Auswirkungen nach sich ziehen könnten. Hilfesuchende nehmen laut Hunold überwiegend telefonisch Kontakt mit dem Opferhilfebüro auf. Seine Kolleginnen und er bemühten sich dann, so schnell wie möglich einen persönlichen Beratungstermin anzubieten. Es werde jedoch auch telefonisch oder per E-Mail und auf Wunsch anonym beraten.

Opferhelfer unterstützen dabei, Rechte wahrzunehmen

Zunächst werde im Gespräch geklärt, welche Probleme akut sind, was jemand aktuell braucht und wie das weitere Vorgehen aussieht, schildert der - wie seine Kolleginnen zertifizierte - Opferhelfer. Manche Klienten seien stabil und hätten nur ein paar Fragen, andere seien psychisch angeschlagen, und manchmal gebe es schwierige Gemengelagen, die sich nicht mit Schwarz-Weiß-Denken lösen ließen. In jedem Fall sollten sich Geschädigte so früh wie möglich an das Opferhilfebüro wenden, damit notwendige Schritte eingeleitet werden können.

Die Opferhelfer analysieren mit den Betroffenen ihre Situation, unterstützen sie dabei, ihre Rechte wahrzunehmen, weisen sie auf Möglichkeiten wie einen Täter-Opfer-Ausgleich oder eine Nebenklagevertretung hin und besprechen mit ihnen, ob eine Anzeige gestellt werden soll, schildert Hunold. „Wir zeigen die Fakten auf, aber die Klienten entscheiden, was passiert.“ Zudem wird eine psychosoziale Prozessbegleitung angeboten, die Geschädigte unter anderem auf Ablauf und Umstände einer Gerichtsverhandlung vorbereite und ihnen erkläre, was auf sie zukommt. „Vielen macht es Angst, als Zeuge oder Zeugin in einem Gerichtssaal vor einem großen Publikum Intimes erzählen zu müssen“, weiß der Sozialpädagoge.

Auch finanziell kann das Opferhilfebüro aushelfen

Das Opferhilfebüro ist gut vernetzt, arbeitet zum Beispiel beim „Runden Tisch häusliche Gewalt“ in Osterode mit, erläutert Hunold. So können Klientinnen und Klienten bei Bedarf an Netzwerkpartner wie Frauenhäuser weitervermittelt werden. Auch finanzielle Unterstützung werde in Notfällen unbürokratisch geleistet, beispielsweise um einer Frau, die Hals über Kopf von Zuhause geflohen ist, eine Fahrkarte beziehungsweise ein Hotelzimmer zu bezahlen, oder einem Ehepaar, das einem Enkel-Trick zum Opfer gefallen ist, über den entstandenen materiellen Engpass hinwegzuhelfen.

Die Menschen, die von den Opferhelfern betreut werden, seien dankbar, dass sie in der für sie belastenden Situation Beistand erhalten und ihnen aufgezeigt wird, wie es weitergeht, sagt der Sozialpädagoge. „Sie sind froh, einen Sicherheitsanker zu haben.“ Deshalb bedauert Stephan Hunold, dass das Opferhilfebüro Göttingen noch nicht bekannt genug ist und Geschädigten aus Unwissenheit die mögliche Unterstützung versagt bleibt.

  • Das Opferhilfebüro Göttingen bietet Beratung und Begleitung für Opfer von Straftaten und deren Angehörige.
  • Die Beratung ist auch ohne Erstattung einer Anzeige möglich.
  • Sie erfolgt freiwillig, vertraulich, kostenlos und auf Wunsch anonym.
  • An das Opferhilfebüro können sich Geschädigte wenden, die Opfer einer Straftat in Niedersachsen geworden sind oder dort wohnen.
  • Das Opferhilfebüro Göttingen wird von der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen betrieben und ist einer von elf Standorten landesweit.
  • Adresse: Maschmühlenweg 11, 37073 Göttingen
  • E-Mail: PoststelleGoettingen@Opferhilfe.Niedersachsen.de
  • Tel. Stephan Hunold: 0551/403-1375
  • Sprechzeiten: Offene Sprechstunde Mittwoch 13.30 bis 15.30 Uhr und nach Vereinbarung

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