Drive-in im Eintracht-Stadion: Mit dem Auto in die Südkurve

Braunschweig.  Mit einem Stadion-Parcours für Fans unterstützt Wolters die lange arbeitslose Catering-Firma in Corona-Zeiten.

Mit seinem historischen Käfer fuhr dieser Eintracht-Fan in die Südkurve vor und kaufte dort ein Kaltgetränk.

Mit seinem historischen Käfer fuhr dieser Eintracht-Fan in die Südkurve vor und kaufte dort ein Kaltgetränk.

Foto: Norbert Jonscher

Die Südkurve steht noch. Und auch Block 9 ist noch da. Und die Stadionwurst schmeckt wie eh und je. Mehrere hundert Eintracht-Fans haben sich am Sonntag davon überzeugt. Mit dem Auto direkt hinter die Südkurve kamen sie, wahlweise auch mit dem Fahrrad, zum „Drive in-Parcours“ an der Hamburger Straße. „Stadion to go“ – so nannten die Veranstalter dieses bisher einzigartige Event, das Hofbrauhaus Wolters und ASH Arena Catering. Eintracht stellte die Südkurve zur Verfügung.

Und die treuesten der Treuen kamen. Schon kurz nach 12 Uhr wurden die ersten Kaltgetränke verkostet, Stadionwürste im Auto verzehrt. Durchs herunter gekurbelte Seitenfenster ein Wolters rein reichen lassen, eine Pizza, eine Wurst frisch vom Grill. Wann hat man als Fan schon mal die Gelegenheit, wie ein VIP bewirtet zu werden?

Letztes Spiel am 29. Februar

Das „Drive in“ im Stadion bewegte alle Beteiligten. Nicht nur die Fans, die „ihre“ Südkurve nun schon seit mehr als einem Vierteljahr (das letzte Heimspiel mit Zuschauern war am 29. Februar gegen Uerdingen; es endete 4:1) nicht mehr gesehen haben. Auch die vielen, vielen Helferinnen und Helfer an den Catering-Ständen hatten ein Dauergrinsen im Gesicht. „Es ist ein schönes Gefühl, wieder hier zu stehen. Ich habe jetzt die ganze Zeit praktisch gar nichts gemacht, nur zu Hause darauf gewartet, dass es wieder los geht“, sagt uns Nele Rüffer (25), die „hauptberuflich“ als Studentin für Englisch und Geschichte unterwegs ist, „nebenberuflich“ aber seit Jahren in der Südkurve jobbt.

Mini-Jobber ohne Arbeit

Wie so viele andere Mini- und Teilzeit-Kräfte der Catering-Firma ASH Arena Catering, die ihre Leute im März in Kurzarbeit schicken musste. Das sei allen nicht leicht gefallen, sagt uns Giancarlo Cordella, dessen Unternehmen auch die Stadien in Bielefeld und in Paderborn mit jenem versorgt, was für Fußball-Fans unabdingbar ist, damit die Kehlen stets gut geölt sind und der Magen nicht in den Kniekehlen hängt.

Zwischen 20.000 und 30.000 Euro, rechnet uns Cordella vor, betragen Monat für Monat die Fixkosten seines Unternehmens für Mieten, Fahrzeuge und so weiter. Einnahmen zuletzt: Null. Und diese Null stand. Als er seine 250 Mini-Jobber jetzt angerufen und ihnen mitgeteilt habe, es geht wieder los, hätten sich alle sehr gefreut. „Es hat keine fünf Minuten gedauert, dann waren sie da.“ Alle hätten sehnsüchtig darauf gewartet, dass es wieder los geht.

Alle Einnahmen am Sonntag gingen übrigens an die Firma ASH. Wolters-Eventleiter Marco Bittner, Vertriebsleiter Jens Szymkowiak und ihr Unternehmen hatten die Spendierhosen an. Sie wissen: Die Caterer brauchen jetzt jeden Euro, um durchzuhalten. Die Aktion, die man gemeinsam ausgeklügelt habe, sei aber auch eine Geste an die Fans. „Es ist eine Idee, die von Herzen kommt. Uns fehlt die Eintracht und uns fehlen die Fans.“

„Eine innovative und schöne Idee in Corona-Zeiten“, meinte Wolters-Geschäftsführer Peter Lehna. „Wir hoffen, die Veranstaltung hat dem Braunschweiger Fußball-Fan ein Stück Stadiongefühl gegeben.“

Bereits am Vortag waren zahlreiche Eintracht-Fans übrigens mit ihren Pkws auf dem Schützenplatz zusammen gekommen, um im Autokino die Live-Übertragung des Eintracht-Spiels zu verfolgen.

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