Wird er Braunschweiger des Jahres? David Janzen ist Kandidat

Braunschweig.  Der Sprecher des „Bündnisses gegen Rechts“ in Braunschweig mobilisiert – und wird selbst zum Ziel. Wir stellen ihn vor.

David Janzen, Sprecher des „Bündnisses gegen Rechts“, fotografiert in der Gedenkstätte Schillstraße.

David Janzen, Sprecher des „Bündnisses gegen Rechts“, fotografiert in der Gedenkstätte Schillstraße.

Foto: Henning Noske

Wenn man sich intensiv mit Geschichte beschäftigt und sich Zeit seines Lebens fragt, wie es möglich war, dass Nationalsozalisten in Deutschland ein beispielloses Terror- und Mordregime errichten konnten, dann gibt es eine notwendige Antwort: Es gab von Anfang an zu wenige, die sich widersetzten und in den Weg stellten.

Heute weiß man, wohin das führte. Man kennt die Abläufe und Verbrechen bis in die Details. Alles hatte mit der konsequenten Verächtlichmachung, Einschüchterung, Bedrohung und schließlich der Ausschaltung Andersdenkender begonnen. Hass und Erniedrigung auf der Basis einer menschenverachtenden Ideologie waren an die Stelle von Respekt und Menschenwürde gerückt – und das war nur der Auftakt gewesen für einen Zivilisationsbruch, der im Völkermord gipfelte.

Kann man das alles mit der heutigen Situation vergleichen? Wie gefestigt, wie immun ist unsere Demokratie heute? Für David Janzen (47), den Sprecher des „Bündnisses gegen Rechts“ in Braunschweig, ist die Antwort klar: „Das, was wir derzeit erleben, sind nicht mehr nur Anfänge. Es wird langsam bedrohlich“, sagt er.

Und meint damit nicht nur den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den Mordanschlag auf die Synagoge in Halle, beides rechtsradikal motivierte Taten. Und man muss auch dazu sagen, dass Janzen und sein Bündnis ja schon lange vorher vor solchen Entwicklungen warnten und dagegen mobilisierten, als diese jüngsten schrecklichen Ereignisse noch nicht eingetreten waren.

Es geht mittlerweile auch um die Morddrohungen gegen David Janzen selbst, der deshalb unter Polizeischutz steht, um ein Klima, in dem Rechtsradikale auch in Braunschweig offen nationalsozialistisches Vokabular benutzen und Andersdenkende einschüchtern.

Die Zivilgesellschaft reagiert darauf einerseits ratlos, andererseits aber auch mit zunehmender Entschlossenheit, das nicht hinzunehmen. Letzteres ist zu einem Gutteil David Janzens „Bündnis gegen Rechts“ anzurechnen. Dafür wurde er jetzt von Lesern auch als „Braunschweiger des Jahres“ vorgeschlagen, die Redaktion griff diesen Vorschlag auf.

David Janzen - Braunschweiger des Jahres
David Janzen - Braunschweiger des Jahres

„Wir engagieren uns seit vielen Jahren gegen Neonazis und Rechtspopulismus“, sagt Janzen und verweist natürlich auch auf seine vielen Mitstreiter im Bündnis. Wenn da jetzt Menschen wieder im Visier der Rechtsradikalen stünden, dann komme es eben auf die Solidarität der Gesellschaft ganz entscheidend an. Und da müsse man dann, sagt Janzen, „den Finger auch mal in die Wunde legen“. Was der Familienvater, Jugendbildungsreferent und freie Fachjournalist Rechtsradikalismus so ausdrückt, gerät in der öffentlichen Betrachtung auch schon mal zur Provokation, zur Zumutung. Janzen polarisiert, er geht hin, wo es wehtut, schießt dabei nicht selten auch übers Ziel hinaus.

Doch wenn er eingeschüchtert werden soll(„Wir wissen, wo du wohnst“) , Haustür und Briefkasten schon Ziel von Attacken waren und Hass-Aufkleber der Rechtsradikalen sein Konterfei tragen, dann braucht gerade einer wie er Zuspruch, Unterstützung und Solidarität, selbst, wenn man David Janzen manchmal auch etwas mehr Diplomatie und Fingerspitzengefühl wünschen würde.

Aber so ist er. Auf die Straße gehen. Mobilisieren. Wachsam sein. Den Gegner stellen und fotografieren. Mit jeder Beobachtung, mit jedem Verdacht in den sozialen Netzwerken unterwegs. Die Polizei und die Justiz kritisieren. Tun sie zu wenig? Sind sie auf dem rechten Auge blind? Das fürchtet und beklagt er ohne Unterlass.

Auch die Stadt kriegt bei einem wie ihm ihr Fett weg. Sie tue zu wenig, müsse sich stärker gegen die zunehmende Gefahr der Bedrohung durch Rechtsradikale engagieren, auch durch Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle. Auch fehle in Braunschweig eine Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt. David Janzen lässt nicht locker.

Informationen und Service:

Die Kandidaten: Wir stellen bis zum 9. November die Kandidaten für den „Braunschweiger des Jahres“ oder die „Braunschweigerin des Jahres“ 2019 vor.

Die Wahl: Vom 12. bis zum 17. November können dann unsere Leser per Telefon, per Post und online darüber abstimmen, wer es wird.

Die Preisverleihung mit der Bekanntgabe des Gewinners oder der Gewinnerin findet am Montag, 25. November, um 18.30 Uhr im BZV-Medienhaus statt und ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten: BZ-Lokalredaktion, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig. Oder per E-Mail: redaktion.braunschweig@bzv.de

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