Ringgleis – Auf zwei Rädern rund um Braunschweig

Braunschweig  Die Hälfte des Braunschweiger Ringgleises ist fertiggestellt. Wir haben die Strecke jetzt mit unseren Fahrrädern getestet.

Knapp 9000 Meter, 1800 Sekunden, zwei Fahrräder und ein Ringgleis. Unser Ziel: die bislang fertiggestellte Strecke des grünen Rings rund um die Stadt einmal zu testen.

Vereinbarter Startpunkt: 10.30 Uhr, am Haus der Kulturen in der Nähe des Nordbahnhofs. Doch wie kommt man überhaupt aufs Ringgleis – und wie genau hat man es sich vorzustellen? Fragen, die auch nicht allen Einheimischen klar sind, wie eine Fragerunde in unserer Redaktion gezeigt hat. Im Internet findet man die Lösung: Die Stadt Braunschweig zeigt eine Karte mit dem Ringgleis – und welche Abschnitte bereits befahrbar sind.

Ausgestattet mit einer Kamera auf dem Helm und in der Hand, beginnt unsere Erkundungstour. Direkt hinter dem Haus der Kulturen, in Richtung Westen, verläuft ein schmaler Schotterweg. Wenig beeindruckend für das doch viel gelobte Ringgleis. Der Mittelweg kreuzt hier nach wenigen Metern unsere Fahrbahn, und wir müssen das erste Mal eine Straße ohne Ampel überqueren.

Die Sonne steht über uns – es ist warm an diesem Tag. Sobald wir uns auf die Räder schwingen, fühlt man sich fast wie in südlichen Regionen – der Schotterboden wird hochgewirbelt und prasselt an die nackten Beine – es lässt sich gut darauf fahren. Immer wieder kommen uns andere Radler entgegen. Eine beliebte Strecke, das wird bereits nach wenigen Metern klar!

Dann der erste Blickfang: die Ringgleis-Tore. Rechts und links vom Weg, an der Hamburger Straße, stehen zwei rostrote Metall-Bauten. Wie ein Bilderrahmen stehen sie dort, durch den wir jetzt hindurchfahren. Die Strecke erweist sich an dieser Stelle als kompliziert: Nicht nur zwei scharfe 90- Grad-Kurven gilt es zu bezwingen, auch fühlt man sich auf diesem Abschnitt etwas eingeengt. An beiden Seiten begleiten uns hohe undurchsichtige Metall-Zäune.

Fahrrad-Tour auf dem Braunschweiger Ringgleis

Unsere Reporterinnen Ida Wittenberg und Cynthia Seidel haben eine Radtour auf dem Braunschweiger Ringgleis gemacht. Prädikat: sehens- und erlebenswert!
Fahrrad-Tour auf dem Braunschweiger Ringgleis

Unser erster Kritikpunkt: Vor allem entgegenkommende Fahrer lassen sich hier nur schwer und nicht rechtzeitig erkennen. Das Nebeneinanderfahren sollte man hier vermeiden. Am Ende des Abschnittes, fast wie eine Erlösung, wieder zwei der kupfer-farbenen Ringgleis-Tore.

Nun zieht sich der Weg an der alten Jute-Brache vorbei, weiter über die Celler Straße, bis hin zum ersten Anstieg auf der Rückseite des Klinikums Celler Straße. Dort heißt es dann, einen Gang runterschalten und kräftig in die Pedale treten. Ist man oben angekommen, kann man sich entspannt wieder runterrollen lassen – immerhin. Wem hier die Puste noch nicht ausgegangen ist, der kann sich jetzt noch auf einem Klettergerüst am Rande der Strecke austoben. Besonders für Kinder ein riesiger Spaß. Auch ein Basketball-Feld und Tischtennisplatten stehen für eine sportliche Pause bereit.

Für uns geht die Tour weiter an bunt bemalten Wänden vorbei. Sie sehen aus, als ob sich Kinder daran austoben durften und bunte Figuren an die Wände gemalt haben.

Dass das Ringgleis keine Vorfahrtstrecke ist, wird uns zunehmend klar. Wir befinden uns mitten in der Stadt: Hier trifft der pulsierende Großstadtverkehr auf die Radler. An einigen Stellen kommen wir so plötzlich aus den grün bewachsenen Wegen des Ringgleises hervor, dass wir gar nicht damit rechnen: Vorsicht! Vorfahrt gewähren! Die Ampeln beachten, heißt es dann.

Endlich erreichen wir den Westbahnhof: Industriegeschichte der 1890er Jahre ist hier noch erkennbar. Ein Stückchen werden wir von den alten Schienen begleitet – erstaunlich, wie sie an vergangene Zeiten erinnern. Dann bietet sich noch einmal eine beeindruckende Aussicht: Über den Dächern Braunschweigs im Süden, radelt man auf einer neuen Trasse entlang. Sie ermöglicht es, einen Blick von oben auf die Stadt zu erhaschen. Zwischen all dem Grün vergessen wir auf dem Fahrrad glatt, dass wir uns eigentlich mitten in einer Großstadt befinden. Viel zu schnell haben wir das Ende unserer Tour erreicht. Vor der Echobrücke, auf Höhe des Eintracht-Leistungszentrums, ist vorläufig Schluss. Hier teilt sich der Weg. Wir bleiben auf dem oberen Abschnitt und gelangen zu einer Absperrung. Hier soll das Ringgleis künftig fortgeführt werden – eine Illustration zeigt dort schon jetzt, wie es weitergehen soll.

Etwas anderes als umzudrehen, bleibt uns daher nicht übrig. Also schlagen wir den Alternativweg ein. Eine Rampe führt uns vom Wall: Unsere Räder nehmen ganz schön an Fahrt auf – und wir können unten fast nicht rechtzeitig stoppen. Im Zickzack werden wir wieder auf den Kennelweg geführt.

Wir sind trotzdem begeistert vom Ringgleis. Eine Strecke, auf der wir Braunschweig aus einer anderen Perspektive erkunden können. Und mit dem Rad Orte entdecken, von denen wir bisher nichts wussten. Auf alle Fälle ein Muss für Groß und Klein, so unser Fazit. Also rauf aufs Rad und los!

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (3)