Türsteher nach Neonazi-Aktion auf Mallorca vor Rauswurf

Braunschweig  Der Clubbetreiber reagiert entsetzt: „Er hat sich hier immer neutral verhalten, aber vor diesem Hintergrund können wir ihn nicht weiterbeschäftigen.“

Unter anderem die BILD-Zeitung hat den Vorfall auf Mallorca öffentlich gemacht.

Unter anderem die BILD-Zeitung hat den Vorfall auf Mallorca öffentlich gemacht.

Foto: Cornelia Steiner

Die Türsteherszene kommt nicht zur Ruhe: Nach wie vor läuft die Debatte um mögliche Diskriminierung von Ausländern. Die Stadtverwaltung hatte im April Kontrollen durchgeführt und daraufhin in vier Fällen Verfahren eingeleitet, weil Testpersonen mit Migrationshintergrund nicht eingelassen worden waren – aus nicht nachvollziehbarem Grund, so die Stadt. Die Clubbetreiber sehen das anders und haben sich dazu geäußert, eine abschließende Entscheidung steht noch aus.

Nun wurde ein Vorfall aus Mallorca bekannt, der angesichts dieses Hintergrunds besonderes Gewicht bekommt: Ein Mann, der im Nebenjob Türsteher in Braunschweig ist, war vor wenigen Tagen offensichtlich mit einer Gruppe Neonazis zu Gast im Partylokal „Bierkönig“. Die Gruppe ließ dort eine in der rechten Szene gern verwendete Fahne von einer Galerie herunterhängen, die das Eiserne Kreuz zeigt. Vom übrigen Publikum kam daraufhin viel Protest; die Männer mussten das Lokal verlassen.

Nach Informationen des linken Blogs „Recherche38“ ist der Türsteher auf Videos und Fotos eindeutig zu erkennen. Er soll Mitglied der rechtsextremen „Hammerskins“ sein. Einträge auf der Facebook-Seite des Mannes, wo zum Beispiel Hammerskin-Treffen beworben werden, legen das zumindest nahe. Zudem hatte er 2013 im Dorfgemeinschaftshaus in Werlaburgdorf im Kreis Wolfenbüttel ein Hammerskin-Treffen organisiert – angemeldet als private Feier.

Gestern nahm der Mann auf Anfrage nicht direkt zu den Vorwürfen Stellung, sondern ließ seinen Rechtsanwalt Björn Clemens aus Düsseldorf antworten: „In der Sache ist zutreffend, dass mein Mandant in der Nähe einer Gruppe stand, aus der heraus einige Personen eine schwarz-weiß-rote Fahne mit dem Eisernen Kreuz zeigten. Er selber war daran nicht beteiligt.“

Der Clubbetreiber, bei dem der Türsteher im Nebenjob tätig ist, äußerte sich ebenfalls auf Anfrage: Er sei entsetzt über den Vorfall auf Mallorca. „Davon distanzieren wir uns natürlich. Wir können und wollen ihn vor diesem Hintergrund nicht weiterbeschäftigen.“

Zwar habe er aus linken Kreisen schon früher Hinweise auf rechtsextreme Aktivitäten des Mitarbeiters erhalten. In einem Gespräch habe dieser aber bekräftigt, dass er damit abgeschlossen habe. „Das haben wir damals erst mal akzeptiert. Man entlässt ja nicht sofort einen Mitarbeiter, der einen richtig guten Job macht. Das war ein Spitzenmitarbeiter“, sagt er. „Er hat seine rechte Gesinnung nie an der Tür gezeigt, davon war nichts zu spüren. Er war immer neutral, freundlich, sehr professionell. Wir haben über ihn nie Beschwerden gehört.“ Der Vorfall auf Mallorca zeige nun aber, dass die rechten Aktivitäten offensichtlich keine Vergangenheit seien, sondern Gegenwart. „Und da sehe ich keinen Spielraum mehr. Wir sind politisch neutral.“

Der Artikel wurde aktualisiert.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (25)