Gewerbegebiet Thune – Stadt geht in die Offensive

Braunschweig  Eine frühzeitige Bürgerbeteiligung startet, ein möglichst offenes Verfahren wird angestrebt. Neue Abfall-Pläne im Gewerbegebiet Thune sollen ausgeschlossen werden.

Gewerbegebiet in Thune am Kanal heute. Blick aus der Luft auf die beteiligten Firmen und die jetzige Situation.

Gewerbegebiet in Thune am Kanal heute. Blick aus der Luft auf die beteiligten Firmen und die jetzige Situation.

Foto: Heitefuß/Pilot: Starke

Das Ringen um die Zukunft des Gewerbegebietes in Thune geht in seine entscheidende Phase. Die Stadtverwaltung setzt ein deutliches Signal: Sie setzt auf eine frühzeitige Bürgerbeteiligung. Schon nächsten Dienstag stellt sie den Bürgern erste Planungen vor.

Mehr noch: Nach dem ersten Entwurf der Stadtverwaltung für einen neuen Bebauungsplan soll in Thune künftig für neue Nutzungen die Abfallverarbeitung grundsätzlich ausgeschlossen werden. Dies würde die Pläne des Unternehmens Eckert & Ziegler durchkreuzen, einen Neubau „zur Durchführung von Messung, Konditionierung und sicherer Verpackung schwach radioaktiver Abfälle“ zu errichten.

Auf den Punkt gebracht, lautet die vorläufige Planung so: Alles, was in Thune bislang an Abfallbehandlung läuft, hätte Bestandsschutz. Mehr jedoch wäre nicht möglich, auch kein Neubau zur Abfallbehandlung. Damit wäre auch Plänen, Asse-Müll oder Müll aus Atomkraftwerken zu behandeln, ein Riegel vorgeschoben.

Die medizinischen Aktivitäten von Eckert & Ziegler wären davon nicht betroffen. Das Unternehmen stellt mit radioaktiven Stoffen Medikamente für die Krebsmedizin her.

„Es ist unser Ziel, das Nebeneinander von Gewerbe- und Wohngebiet verträglicher zu gestalten, ohne den historisch gewachsenen Gewerbestandort grundsätzlich in Frage zu stellen“, sagte gestern Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer.

Bestehendes Gewerbe solle nicht eingeschränkt werden. Gleichzeitig gehe es aber darum, dass die unmittelbare Nähe zu Wohngebieten „nicht mehr heutigen planerischen Anforderungen an den vorbeugenden Immissionsschutz entspricht“. Leuer nannte die für ihn wichtigsten Punkte:

•Ziel ist es, für neue Nutzungen im Rahmen des neuen Bebauungsplanes verkehrsintensives Gewerbe und abfallverarbeitende Anlagen auszuschließen.

•Die Verträglichkeit zwischen Wohnen und Gewerbe wird durch neue bewachsene Abstandsflächen rund um das künftig größere Gewerbegebiet verbessert.

•Im Zuge der frühzeitigen Beteiligung geht es um größtmögliche Offenheit und Beteiligung aller Seiten.

•Es handelt sich jetzt um einen Vorentwurf, der breit diskutiert werden soll.

Den Antrag von Eckert & Ziegler auf Ausnahme von der Veränderungssperre für den Neubau eines Gebäudes zur Behandlung schwach radioaktiver Abfälle hatte die Verwaltung bereits abschlägig beschieden. Gestern schlossen sich die Politiker des Planungs- und Umweltausschusses dem einmütig an.

Am Dienstag, 13. November, gibt es um 19 Uhr in der Turnhalle des Lessinggymnasiums Wenden eine Informationsveranstaltung der Verwaltung. Infos auch hier: www.braunschweig.de/gewerbegebiet-gieselweg

Lesen Sie zu dem Thema auch den Kommentar von Henning Noske:

Die Chance

Jetzt beginnt eines der spannendsten Kapitel der Kommunalpolitik. Im Ringen um die Zukunft in Thune steht viel auf dem Spiel.

Rat und Verwaltung in Braunschweig wollen keine Abenteuer mit Assemüll und radioaktivem Müll dicht am Wohngebiet. Das ist das richtige Ziel. Gleichzeitig geht es um sichere Arbeitsplätze im Gewerbegebiet Thune – sicher für alle. Auch das ist das richtige Ziel.

Der jetzt eingeschlagene Weg könnte beides bringen. Alle Beteiligten tun gut daran, jetzt sachlich darum zu ringen, Realitätssinn zu zeigen und die Chance zu nutzen. Und vor allem: Nehmt die Sorgen der Menschen bitte ernst!

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