Leidensweg eines Managers - Neues Hörspiel „Pietà Piëch“

Wolfsburg  Was hat VW-Manager Piëch mit Daffy Duck und Passionsspielen zu tun? Einiges. Zumindest laut dem jetzt uraufgeführten Hörspiel „Pietà Piëch“.

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender von VW.

Foto: Uli Deck/dpa (Archiv)

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender von VW. Foto: Uli Deck/dpa (Archiv)

Es ist nicht leicht, sich einem der mächtigsten Manager zu nähern, der die Öffentlichkeit meidet. „Statt zu wissen, muss man glauben“, heißt es gleich zu Anfang des Hörspiels „Pietà Piëch“ von Walter Filz, das am Freitagabend bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe live eingesprochen wurde. Vom Glauben ist die Assoziation zum Oberammergauer Passionsspiel nicht weit. Und zur Auflockerung mischt Filz noch ein wenig Daffy Duck dazu, weil die Comicfigur just am Geburtstag von Piëch 1937 ihren ersten Auftritt hatte. Im Januar wird das 90-Minuten-Werk im Radio zu hören sein.

Was auf den ersten Blick merkwürdig anmutet, ergibt in der Collage durchaus einen Sinn. Filz hat den Werdegang des heutigen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch in sieben Leidensstationen unterteilt, angefangen von der Erblast - den Naziverstrickungen seines Großvaters Ferdinand Porsche -, über den Ausstieg aller Familienmitglieder aus dem operativen Geschäft 1972, bis zu den Querelen um den Sanierer José Ignacio López und den Rosenkrieg zwischen VW und Porsche.

Dazu zieht der Autor Parallelen zwischen den 2002 erschienenen Aufzeichnungen Piëchs „Auto.Biographie“ zum Text der Oberammergauer Passionsspielen. Etwa das Schweigen Jesu vor seinen Anklägern und Piëchs Aussage: „Es gibt Menschen, mit denen will ich nicht kommunizieren.“ Filz will Piëch aber keinesfalls kreuzigen - soweit geht der Vergleich nicht. „Mich interessierte vielmehr, die Geschichte eines Menschen nachzuzeichnen, der offenbar im Bewusstsein handelt, eine Aufgabe zu haben, und für diese Aufgabe Leiden nicht nur in Kauf nimmt, sondern positiv bejaht.“

Daffy Duck wiederum dient dem Autoren für tragikomische Vergleiche. Die Ente und Piëch fühlen sich gleichermaßen verfolgt, bekommen die Kriegsentwicklungen des Großvaters zu spüren, beiden wächst im Laufe der Jahre immer mehr Verantwortung zu, sie entwickeln eine Leidenschaft für Geschwindigkeit und auch für japanische Messer.

Für die „bildungsbürgerliche Note“ sorgen zudem eingestreute Ausführungen des französischen Philosophen Paul Virilio zum Geschwindigkeitswahn der modernen Gesellschaft. „Reagieren, bevor es passiert“. Diese göttliche Eigenschaft müssen die Fahrer von Piëchs Sportwagen besitzen. Virilio zeichnet vor, wo das endet: In der Auflösung der Individuen und der Gesellschaft.

Das immer wieder überraschende Hörstück - in dem auch noch ein Chor ironisch angehauchte Hymnen auf Piëch und seine Ingenieurszunft anstimmt - ergründet vor allem den Manager. Der Mensch Piëch mit all den interessanten Fragen etwa zu seinen zwölf Kindern von vier Frauen, bleibt im Dunkeln. Filz lässt hie und da ein paar Deutungsversuche anklingen - etwa im Über-Großvater oder der strengen Internatserziehung - aber packt sie dann schnell in die Kiste der Küchenpsychologie.

Das überwiegend von den launigen Schauspielern Jürg Löw, Gregor Höppner und Nadja Schulz-Berlinghoff getragene Hörspiel dauerte bei der Uraufführung knapp zwei Stunden an. Für die Sendefassung muss jetzt noch gekürzt werden.

Und dann kommt die spannende Frage, ob Piëch juristisch dagegen vorgehen wird. Denn der Manager lebt nicht nur zurückgezogen, er gilt in Fragen seiner Person auch als kleinlich. So hat er schon mal vor Gericht klären lassen, dass auf einer seiner Krawatten kein Jagd-, sondern ein Kriegsmotiv zu sehen ist. Filz hat keine Befürchtungen: „Sollte er tatsächlich von diesem Stück Kenntnis bekommen, wird er sich möglicherweise wundern, wie wenig es dem entspricht, was er als Kritik an seiner Person und seinem Tun gewohnt ist.“

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