Golf-7-Design: Bischoffs Suche nach der perfekten Linie

Wolfsburg  VW-Chefdesigner Klaus Bischoff erläutert, was gutes Design ist, wie das des Golf 7 entstanden ist und warum der Golf kein Revolutionär sein darf.

VW-Chefdesigner Klaus Bischoff.

Foto: Volkswagen AG

VW-Chefdesigner Klaus Bischoff. Foto: Volkswagen AG

Wie schläft es sich in der Nacht vor einer großen Premiere? Klaus Bischoff atmet tief durch. „Einerseits ganz ruhig“, sagt er. „Andererseits ist das ein ganz wichtiger Moment, den man immer im Kopf hat.“ Eigentlich hat er in diesem Moment anderes zu tun, als die Fragen unserer Zeitung zu beantworten. Der Blick des Designchefs der Marke Volkswagen PKW wandert ständig konzentriert durch die Halle. Überall wuseln Menschen, aus den Lautsprechern perlt Poppiges. (Die gesamte Sonderbeilage zu den Menschen hinter dem Golf 7 können Sie sich als pdf-Datei herunterladen – siehe Download rechts)

Direkt neben Bischoff stehen mehrere verhüllte Autos. Es sind nur noch wenige Minuten, dann werden VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, VW-Chefentwickler Ulrich Hackenberg, Konzern-Designchef Walter de Silva und Bischoff den Golf 7 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin präsentieren. Was Bischoff zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Die 800 geladenen Gäste werden die neueste Generation des wichtigsten Konzernmodells mit viel Beifall feiern.

Seit 2008 hatten Bischoff und sein 30-köpfiges Team am Design des Autos gearbeitet. „Es gab während der Entwicklungszeit sehr viele Veränderungen, dabei haben wir bis zur letzten Sekunde die Qualität verbessert“, sagt er und fügt hinzu: „Die letzte Änderung hat es zum vergangenen Jahreswechsel gegeben.“

Alles begann mit einem Wettbewerb

Die Entwicklung des neuen Golf begann für die Designer mit einem Wettbewerb. „Dazu wurden verschiedene Studios eingeladen“, sagt Bischoff. Wettbewerber waren die konzerneigenen Studios in Kalifornien, Italien, Potsdam und auch in Wolfsburg. Gewonnen hat diesen Wettbewerb das Wolfsburger Studio, dem Designer Marc Lichte vorsteht. „Das war ein Kristallisationsprozess, an dessen Ende Stück für Stück die Vision vom neuen Auto entstanden ist“, erläutert Bischoff.

In diesen Prozess eingebunden waren unter anderem VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und VW-Chefentwickler Ulrich Hackenberg. Bischoff: „Es passiert immer wieder, dass einer der beiden plötzlich im Design-Studio steht und sich den aktuellen Stand präsentieren lässt.“ Zudem würden alle wichtigen Entscheidungen mit Vorstand und Management abgestimmt. Wie aber definiert ein Designer ansprechendes Design? „Gutes Design entsteht, wenn man sich lange mit einem Produkt auseinandersetzt und jedes Detail hinterfragt“, sagt Bischoff. „Alles, was diese Prüfung nicht besteht, wird entfernt, bis man schließlich an die Essenz des Produkts gelangt.“

Mischung aus Bekanntem und Überraschendem

Dabei können die Designer nicht völlig frei agieren, denn sie müssen Maßvorgaben einhalten und sich mit den Ingenieuren abstimmen, zum Beispiel wenn es um Aerodynamik oder Crashtests geht. Für den Golf gilt zudem: Das Auto, das seit 38 Jahren produziert wird, darf seinen Charakter nicht verlieren, sonst würden Kunden verschreckt.

„Es geht dabei um eine Evolution des Autos, um eine Mischung aus Bekanntem und Liebgewonnenem, aber auch Überraschungen“, sagt Bischoff, der an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig Design studiert hat. Unverändert blieben bei allen Generationen zum Beispiel die typisch breite C-Säule und das kurze Heck.

So ist es auch bei der siebenten Generation, die daher sofort als Golf zu erkennen ist. Bischoff: „Wir haben den neuen Golf aber in allen Punkten verfeinert und verbessert. Das Ziel war, dass der Golf 7 dynamischer und sportlicher wird als sein Vorgänger.“

Das Entwerfen eines Auto-Designs ist noch immer mit sehr viel Handarbeit verbunden. Erste Skizzen werden zunächst immer weiter verfeinert, dann auf Modelle mit unterschiedlichen Maßstäben übertragen – bis hin zum 1:1-Modell. Bischoff: „Modernste CNC-Fräsen und CAD-Programme beschleunigen den Prozess, ersetzen aber handwerkliches Können und ein geschultes Auge nicht.“

Möbel und Boote liefern Anregungen für das Design

Anregungen holen sich die Volkswagen-Designer auch außerhalb des Unternehmens. So beobachten sie zum Beispiel die Modell-Entwicklungen anderer Autobauer. „Viele aktuelle Modelle sind allerdings sehr modisch gestaltet, was die Gefahr birgt, dass eine heute sehr trendige Gestaltung in wenigen Jahren veraltet erscheint“, sagt Bischoff.

Darunter leide der Wert von Gebrauchtwagen. Auch deshalb werde am Design des Golf festgehalten. „Gutes, langlebiges Design zahlt sich für den Kunden aus“, sagt er.

Anregungen holen sich die Designer auch von anderen Produkten, etwa Möbeln, Booten oder Haushaltsgegenständen.

„Aber dass dadurch ein Teil vom neuen Golf entstanden wäre, habe ich noch nicht erlebt. Ideen sind immer das Ergebnis harter Arbeit“, sagt Bischoff. „Sie entstehen hier im Designstudio, im kreativen Dialog mit dem Team.“

Kreativität ist nach seinen Worten das Resultat einer Mischung von Freiheit und Wettbewerb. Bischoff: „Bei Volkswagen bewerben sich nicht nur Werke untereinander darum, den Produktionsauftrag für ein Fahrzeug zu erhalten.

Auch Designer bewerben sich darum, ihren Entwurf in Serie überführen zu dürfen.“ So entstehe ein Miteinander im Team, aber auch ein Gegeneinander der Teams. Bischoff: „Am Ende zählt, das beste Auto geschaffen zu haben.“

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