Schnarchpflaster bietet die Apotheke der Druckgrafik

Wolfsburg  In einer kleinen Werkschau mit Werkstattgespräch präsentierte die Städtische Galerie Belegexemplare der Gastkünstler 2012.

Justus zeigt dem Publikum, wie er Druckgrafik macht und was er darunter versteht.

Justus zeigt dem Publikum, wie er Druckgrafik macht und was er darunter versteht.

Justus ist da, seine Blätter auch. Am Mittwochabend in der Durckwerkstatt im Nordflügel des Wolfsburger Schlosses. Es sind Miniaturen, welche der Berliner Künstler gemacht hat. Im Gespräch mit Kurator Marcus Körber von der Städtischen Galerie erläutert er den Interessenten der öffentlichen Werkschau, wie und was die überlieferte Grafik für ihn bedeutet: ein Mittel, um zum Ziel zu gelangen.

Das Ziel ist sein Anliegen, Verhältnisse des heutigen Lebens darzustellen. Er macht das in diesen kleinen, mitunter sogar klitzekleinen Bildchen auf scheinbar viel zu großen Blättern. Justus spricht mit Körber auch über den Unterschied zur Malerei, die ihm ein freieres Schaffen möglich mache. Die Farben, die Pinsel ließen dem Künstler mehr Spielräume für die Gestaltung und Darstellung. So liegt neben den Grafiken auch ein Bildband des Berliner Künstlers: Er zeigt Sumo-Kämpfer.

Justus ist der siebente und damit der letzte Gastkünstler, der 2012 in der Druckwerkstatt der Städtischen Galerie gearbeitet hat und wie üblich Belegexemplare hinterlässt. Die Belege der anderen sechs sind zusätzlich in dieser Werkschau zu sehen und werden von Marcus Körber erläutert.Es sind Eva Blanché, Wolfgang Ellenrieder, Johannes Kithil, Fabian Lehnert, Roland Schappert und Julia Sossinka. Apotheker Günther Nabel ist ganz fasziniert davon, was aus seinen Schnarchpflastern geworden ist. Er hat 1800 von der einen Sorte, 2300 von der anderen Kristof Baranski überlassen. Sie haben sich verwandelt, sind geätzt worden, verändert worden und haben eine neue Funktion erlangt: Druckgrafik zu sein.

Nabel freut dies. „Ich werde sehen, was die Apotheke noch der Kunst bieten kann“, sagt er. Und Körber sagt den Besuchern der Werkschau, was die Städtische Galerie in der Druckwerkstatt für 2013 plant: auch Künstler aus dem Ausland einzuladen, also mehr Internationalität und mehr kleine Ausstellungen, Werkschauen wie diese. Es sind nicht bloß Werkschauen, es sind auch Einblicke in die Entstehungsprozesse von neuer Druckgrafik und über deren Bedeutung im 21. Jahrhundert. Zudem ist es zumeist die Förderung von jungen Künstlern, die in Wolfsburg oft erstmals „ohne Aufsicht und Anleitung nach ihrem Studium“ arbeiten könnten und dies schätzten.

Junge Künstler noch mehr zu fördern, sagt Körber auch, bedürfe es der Ateliers; der Arbeit für ein bis zwei Jahre in einem Atelier ohne finanzielle Belastungen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort