Pascal Rioults Tänzer ließen Publikum vor Staunen verstummen

Wolfsburg  Einen hoch spannenden Ballett-Abend bescherte die New Yorker Compagnie Rioult Dance am Sonntagabend dem Wolfsburger Theaterpublikum.

Die Tanzbilder der Compagnie Rioult Dance haben ungeheure Plastizität.

Foto: regios24/Helge Landmann

Die Tanzbilder der Compagnie Rioult Dance haben ungeheure Plastizität. Foto: regios24/Helge Landmann

Ballett zum Genießen. Ballett, das Gefühle weckte und dazu motivierte, ihnen freien Lauf zu lassen. Aber auch Ballett für den Intellekt, weil es Denkanstöße in getanzter Form unterbreitete. Die New Yorker Compagnie Rioult Dance um den künstlerischen Leiter und Choreographen Pascal Rioult präsentierte im Theater ihr Programm Classics I.

Das Ensemble wurde gefeiert, denn es ließ an den 500 Besuchern zwei Stunden lang beeindruckende Bewegungsbilder vorbeischweben. Der choreographierte Spannungsbogen versetzte die Zuschauer in einen Zustand der Faszination und hielt sie darin fest. Mucksmäuschenstill war es während der vier Tanzbilder.

Die Erfolgsgeschichte der Aufführung wurde geschrieben von der hohen Kreativität des Choreographen und der körpersprachlichen Ausdrucksstärke, Emotionalität und Bewegungsintensität seiner Tänzerinnen und Tänzer. Dass deren technische Grundfertigkeiten auf hohem Niveau standen, war zu erwarten gewesen und ist deshalb nicht mehr als nur eine Randbemerkung.

Zum Auftakt bestimmte die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach die Akustik und die Atmosphäre, die von einem Wechsel zwischen ruhigem Dahinfließen und wilder Dramatik gekennzeichnet war. Im Bühnenhintergrund verstärkte ein großformatig eingeblendeter Holzschnitt des japanischen Künstlers Hiroshige mit dem Titel „Views of the Fleeting World“ optisch dieses atmosphärische Wechselspiel.

Was anschließend folgte, potenzierte die Zuschauerbegeisterung sogar. Die Choreographie „Wien“ auf der Grundlage des „Valse“ vom Maurice Ravel. Eine Tanzfolge um Gewalt und Haltlosigkeit, Egomanie und Verzweiflung zog die Theaterbesucher in den Bann.

Die Tanzbilder hatten ungeheure Plastizität, sowohl von der dramaturgischen Anlage her als auch von der intensiven Umsetzung durch die Compagnie. Da stimmte jede Regung.

Nach der Pause ging es weiter ans Eingemachte, emotional betrachtet. Auf der Basis der klanglich dramatischen Komposition „Les Noces“ von Igor Strawinsky präsentierte Pascal Rioult eine Bewegungsabfolge um das Thema Beziehung und Hochzeitsrituale, die weniger romantische als vielmehr provokante Züge trug. Unter die Haut ging das ebenso wie das Finale: „Bolero“, nach der Musik von Maurice Ravel. Von der Choreographie her angelehnt an Elemente aus Techno und Breakdance – nicht ganz zufällig. Die Tänzerinnen und Tänzer agierten in der Gruppe stereotyp. Nur wer im Lichtkegel stand, brach mit alternativen Bewegungsformen aus dieser Uniformität aus. Hoch spannend gestaltete sich das und endete mit einem Schlussakkord wie Donnerhall.

Jubel in Wolfsburg um die New Yorker Compagnie und die außergewöhnlichen Choreographien von Pascal Rioult.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort