Der blonde Junge, die Bürgerschule und die Soldaten

Wolfsburg  Der Premiere von „Der Wittkopp“ folgen noch 20 Aufführungen für Schulen und Kindergärten. Das Stück schildert die Kindheit Hoffmanns von Fallersleben.

Der junge Hoffmann (links) mit Vater und Andrea Haupt in preußischer Uniform.

Foto: regios24/Helge Landmann

Der junge Hoffmann (links) mit Vater und Andrea Haupt in preußischer Uniform. Foto: regios24/Helge Landmann

Von Stephanie Boy

Premiere in der Bollmohrscheune: Die Wolfsburger Figurentheater-Compagnie führte ihr neues Stück „Der Wittkopp – Eine Kindheit in Fallersleben“ auf. Die Besucher, alle geladene Gäste, im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal waren hochgradig begeistert und spendeten immer wieder spontanen Zwischenapplaus und am Ende langanhaltenden Beifall für die beiden Puppenspielerinnen, die „wunderbare“ Andrea Haupt, und die „bezaubernde“ Brigitte van Lindt. Sowie für ihre musikalischen Begleiter: Andreas Meyer, Leiter der städtischen Musikschule, und dessen Stellvertreter Matthias Klingebiel.

In 45 Minuten wird die frühe Kindheit des Dichters August Heinrich Hoffmann skizziert, der am 2. April 1798 als Sohn des Gastwirts und Bürgermeisters von Fallersleben geboren wurde und ein echter „Blondschopf“ war („Wittkopp“ ist plattdeutsch und bedeutet „weißer Kopf“). Herausgekommen ist ein Stück voller Emotionen, überraschenden Wendungen und hohem Unterhaltungswert. Wenn beispielsweise am Ende einer Schattenspiel-Szene das Pferd vor Erschöpfung zusammenbricht und rülpst.

Van Lindt spielt ganz gefühlvoll Wittkopps Großmutter, Haupt die strenge Lehrerin in der Bürgerschule oder sie wird gekonnt zum französischen, dann postwendend preußischen Soldaten. Es sind viele liebevollen Details, die Schwarz-Weiß-Fotografie vom heutigen Hoffmann-Haus, die tanzende Sonnenblume oder der pinkelnde Mops, die das Stück so erlebnisreich machen.

Wie viel Spaß ihnen Musikmachen, aber auch Theaterspielen macht, war dem Duo Meyer/Klingebiel direkt ins Gesicht geschrieben: Sie untermalten mit ihren Instrumenten (Oboe, Zither und E-Gitarren) einzelne Passagen wie die rührige Gartenszene und sie überbrückten „sanft“ die Übergänge.

Richtig gerockt aber haben Meyer/Klingebiel sich selbst und das Publikum beim Beat-Wettstreit „Der Kuckuck und der Esel“: Da wurde gerappt und gegroovt, während das Publikum enthusiastisch mit den selbst gebastelten Wallnuss-Klappern klapperte.

Fazit: Ein Erlebnis für Jung und Alt. Am liebsten möchte man gleich morgen ins Hoffmann-von-Fallersleben-Museum gehe, um August Heinrich Hoffmann die Hand zu schütteln. Aber es ist ja geschlossen.

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