Katharina Luther – eine Frau mit modernen Überzeugungen

Wolfsburg  In der Alt-Wolfsburger, evangelischen St.-Marien-Kirche hat Elisabeth Haug aus den Schriften und Briefen von Katharina Luther gelesen.

Elisabeth Haug als schöne, starke und feinsinnige Frau an Luthers Seite.

Foto: regios24/Anja Weber

Elisabeth Haug als schöne, starke und feinsinnige Frau an Luthers Seite. Foto: regios24/Anja Weber

Sie braut das Bier. Sie kocht dem großen Denker an ihrer Seite den Tee. Sie sorgt dafür, dass Kinder, Gesinde und Scholare satt werden, hält Haus und Hof zusammen, heilt Kranke. Katharina von Bora ist gemessen an den Ansprüchen ihrer Zeit eine Frau wie aus dem Bilderbuch. Eine Bilderbuchgattin sah aber sicher anders aus, wenn man dem feinsinnigen Kammerspiel „Die Tischreden der Katharina Luther“ Glauben schenken mag, denn Luthers Ehefrau wollte demnach lieben, lachen, denken und auch als sie selbst wirken.

Die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug gab in der St.-Marien-Kirche in Alt-Wolfsburg eine wunderbar starke und selbstbewusste Frau der frühen Neuzeit, eine Frau mit modernen Überzeugungen und klarem Verstand. Das Kammerspiel gewährte intime Einblicke in die Ehe von zwei starken Persönlichkeiten und die Schwächen des nicht nur von Cranach übergroß dargestellten Reformators.

Von ihm kennt man die großen Reden, die starken Worte. In ihren Monologen klagt Katharina ihren Martinus an, es seien oft hohle Worte, denen keine Taten folgten. Was wäre er ohne sie? Er würde den Frühling verpassen. Sie lebten noch immer wie Mönch und Nonne, schämten sich ihrer Gelüste.

Also sorgt die kluge Gattin dafür, dass ein Krug Bier mit ins Schlafgemach wandert. Sie öffnet ihr Haar und geizt nicht mit weiblichen Reizen, beklagt das Schicksal einer Frau, die auch nach dem Verlassen des Klosters in Armut und Keuschheit leben muss.

Elisabeth Haug ist textsicher und konzentriert. Ihre Katharina ist glaubwürdig. Sie gestaltet sie voller Gefühl und gibt ihr viel Anmut. Es sind kostbare kleine Einblicke in das allzu menschliche Dasein großer Gelehrter. War Luther wirklich immer so nachdenklich? Zürnte und haderte er nur? Gestand er sich keinen Genuss zu? „Du wirst dick, du frisst zu viel in dich hinein“, meint seine Gattin. „Wir sollten Frieden zu Lebzeiten finden. Man muss ihn nur machen.“

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