Neues Buch über Frauenbildung in Wolfenbüttel

Wolfenbüttel  Der Kulturstadtverein erinnert mit einem neuen Buch an ein fast vergessenes Kapitel Wolfenbütteler Schulgeschichte: das Breymannsche Institut.

Die Autoren Christoph Helm, Christel Kiel (M.) und Sandra Donner blicken im Schlosshof ins Buch über das Breymannsche Institut.

Foto: Stephan Hespos

Die Autoren Christoph Helm, Christel Kiel (M.) und Sandra Donner blicken im Schlosshof ins Buch über das Breymannsche Institut. Foto: Stephan Hespos

Kennen Sie das Breymannsche Institut? Im 19. Jahrhundert war die Wolfenbütteler Erziehungsanstalt für Mädchen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Maßgeblichen Anteil daran hatte Henriette Breymann (1827 bis 1899) – eine Wegbereiterin der Frauenbildung und Förderin der Pädagogik Pestalozzis und Fröbels.

Das von ihr gegründete Institut ist nun Gegenstand eines neuen Buches. Vorgelegt wurde dieses vom Kulturstadtverein. Es trägt den Titel „Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden“ und beleuchtet die Geschichte der Einrichtung von ihren Anfängen 1854 in Watzum über den Umzug nach Wolfenbüttel bis zum Ende im Jahr 1941. Das Buch ist für 24,80 Euro im Handel und beim Kulturstadtverein erhältlich.

Das Besondere: Als Autorin konnte der Verein Dr. Christel Kiel gewinnen. Sie ist über mehrere Ecken mit Henriette Breymann verwandt und steuert exklusive Dokumente aus dem Familiennachlass bei. Vorsitzender Professor Christoph Helm ordnet das Institut in die europäische Bildungstradition ein. Und Geschäftsführerin Dr. Sandra Donner beleuchtet das damalige Frauenbild und die Frauenbildung.

Während sich der erste Band der Publikationsreihe des Kulturstadtvereins mit adligen und bürgerlichen Frauen aus Wolfenbüttel beschäftigte, soll es im zweiten um das Erbe Henriette Breymanns gehen. Konkret: Um jene Jahre nach 1872, als die Pädagogin die Geschicke des Instituts zunächst in die Hände ihrer Schwester legte. Christel Kiel: „Sie ging damals nach Berlin, blieb aber Anteilseignerin.“ Für die Bildung und Erziehung ihrer Töchter mussten Eltern damals zahlen.

Zu dem Institut gehörten laut Helm ein Internat, ein Kindergarten, eine Gartenbauschule und eine Weiterbildungseinrichtung. Nach dem Ersten Weltkrieg habe die Anstalt an Bedeutung verloren. Grund: „Dort konnte kein staatlich anerkannter Abschluss erlangt werden.“ Gleichwohl habe es Vorbereitungskurse auf das Abitur gegeben. Christel Kiel: „Letztlich wurden Mädchen befähigt, in Göttingen zu studieren.“

Das Institut setzte damals auf unkonventionelle Methoden: Andachten, Turnstunden für Mädchen sowie Ausflüge in den Harz.

In Wolfenbüttel erinnert heute nur noch die Henriette-Breymann-Straße an die Erziehungsanstalt. Helm: „Ende der 1950 Jahre wurden die alten Gebäude abgerissen und durch neue Wohnhäuser ersetzt.“ Erhalten sei einzig die ehemalige Gartenbauschule am Lecheln Holze.

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