Ein historischer Schatz, der unbezahlbar ist

Wolfenbüttel  Funde um die „Frau von Werla“ stehen im Mittelpunkt einer schon am ersten Tag sehr gut besuchten Studioausstellung im Braunschweigischen Landesmuseum.

Die Studentinnen Miriam Bouraguba (links) und Lexa Rost betrachten die 91 Kilo Keramik, aus denen Gefäße rekonstruiert wurden.

Foto: Jörg Kleinert

Die Studentinnen Miriam Bouraguba (links) und Lexa Rost betrachten die 91 Kilo Keramik, aus denen Gefäße rekonstruiert wurden. Foto: Jörg Kleinert

„Eine außergewöhnliche Frau“ – eine außergewöhnliche Ausstellung. Im Herbst 2010 sorgte der Fund eines reich mit Keramik ausgestatteten Grabes aus der späten Baalberger Kultur im Archäologie- und Landschaftspark Kaiserpfalz Werla für Aufmerksamkeit. Es enthielt das Skelett einer älteren Frau und eines Kleinkindes (wir berichteten). Museumsdirektorin Dr. Heike Pöppelmann eröffnete die Ausstellung am Freitagabend. Die Exponate, so Pöppelmann, werden für einen unbegrenzten Zeitraum zu sehen sein. Sie seien schließlich eingebettet in den zeitlich durchdachten Aufbau aller Ausstellungsstücke in dem Museum für Ur- und Frühgeschichte, so Museums-Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz.

Aber was macht Archäologie grundsätzlich so spannend und faszinierend? Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege stellte die Frage und gab die Antwort. „Man macht etwas, aber man weiß nicht, was passiert. Wir können ja nicht in den Boden schauen.“ Er erinnere sich noch genau an die Tage Ende September und Anfang Oktober 2010. „Ich war mit Studenten zu einer Lehrgrabung auf der Werla. Erwartet hatten wir in der Erde ein Grubenhaus aus dem elften Jahrhundert.“ Lexa Rost und Miriam Bouraguba, Geschichts-Studentinnen der TU Braunschweig, legten mit Schaber und Stuckateur-Eisen Scherben frei. Erst wenige, später mehr. „Irgendwann sah ich: Mit dem erwarteten Mittelalter-Fund hatte das nichts mehr zu tun“, sagte Geschwinde. Die Studentinnen hatten einen besonderen „Beifang“ gemacht.

Denn: Als die Fläche erweitert und die Grabung vertieft wurde, zeigte sich das komplette Ausmaß. „Wir hatten das größte Keramik-Ensemble der Baalberger Kultur gefunden. Mir hat das in den folgenden Tagen meinen Nachtschlaf gekostet“, berichtete.

Doch es kam noch besser. Der Ordnung halber kratzte das Grabungsteam die Fundgrube aus und entdeckte Fußknochen. Unter den Keramik-Scherben lagen die Knochen eben jener „Frau von Werla“, bestattet in gestreckter Rückenlage. Neben ihr befand sich das Skelett eines Kindes. „Wir haben gesehen, dass Michael Geschwinde nervös wurde – dann waren wir es auch“, erinnerte sich Lexa Rost. „Unter uns lagen historisch unbezahlbare Funde.“ Grobes Schaben war ab sofort tabu. „Wir wollten ja nichts zerstören“, so Miriam Bouraguba.

Anthropologin Dr. Silke Grefen-Peters untersuchte die Skelette, die aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen in der Ausstellung nicht zu sehen sind: „Diese Frau wird uns noch lange beschäftigen, denn sie öffnet uns ein Fenster für einen lang zurückliegenden Zeithorizont.“ Die neben der Frau gefundene Ausstattung an Keramikbeigaben, sei die reichste, die bislang in Niedersachsen gefunden wurde.

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