Tafel-Kunden beanstanden Qualität der Lebensmittel

Wolfenbüttel  Gibt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Schladen Lebensmittel aus, die nicht mehr zum Verzehr geeignet sind?

Kunden sehen sich die Waren der Tafel-Ausgabestelle in Schladen an.

Foto: Stephan Hespos

Kunden sehen sich die Waren der Tafel-Ausgabestelle in Schladen an. Foto: Stephan Hespos

Diesen Vorwurf erheben einige Kunden der örtlichen Tafel-Ausgabestelle. Das Rote Kreuz bestreitet das. Auf den Internetseiten unserer Zeitung sprechen Leser von angegammeltem und verschimmeltem Obst und Gemüse. Diese Beobachtung kann Isabell Becker bestätigen: „Seit Frau Hottendorf rausgeworfen wurde, hat sich die Qualität der Ware verschlechtert“, meint sie.

Die Hornburgerin ist Kundin der Tafel und hat bislang mehr als 130 Unterschriften für die Rückkehr der ehrenamtlichen Helferin Rita Hottendorf gesammelt. Das DRK lehnt dies kategorisch ab. Isabell Becker sagt nun: „Wir haben am 17. Oktober Milch bekommen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum am 1. Oktober abgelaufen ist.“ Zudem sei Frischware verdorben gewesen. Ihr Vorwurf: Um die Auslagen der Ausgabestelle pressewirksam zu füllen, seien minderwertige Lebensmittel abgegeben worden.

DRK-Vorstand Andreas Ring weist dies zurück. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte er am Montag schriftlich: „Jede der 891 anerkannten Tafeln in Deutschland verteilt auch Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen ist. Der Ablauf des MHD sagt nichts darüber aus, ob ein Lebensmittel bedenkenlos für den menschlichen Verzehr geeignet ist oder nicht. Daher ist eine sorgfältige Sortierung, Lagerung und Prüfung besonders wichtig. Dies stellen wir für 18 Tonnen gespendeter Waren im Monat nach den Tafelgrundsätzen sicher. In den vergangenen sechs Jahren hat es in diesem Zusammenhang keine Beschwerden gegeben.“

Bekräftigt wird Ring von der Vorsitzenden des Tafel-Landesverbands Niedersachsen-Bremen, Edeltraud Graeßner. Sie sagt: „Das MHD ist ein Garantiedatum für bestimmte Eigenschaften und kein Verfallsdatum.“ Die Tafeln würden gespendete Lebensmittel nach strengen Richtlinien prüfen.

Gleichwohl könne es in Einzelfällen vorkommen, „dass bei 500 Gramm Weintrauben 30 einzelne Trauben schimmlig sind“. Laut Graeßner ist letztlich auch der Konsument in der Pflicht, sich die Ware genau anzusehen.

Ring ergänzt: „Jeder Tafelkunde wird im Rahmen seiner Anmeldung ausdrücklich auf die Herkunft der Waren und den Umgang mit Lebensmitteln hingewiesen, deren MHD abgelaufen ist. Gesonderte Hinweise hängen darüber hinaus in jeder Tafel-Ausgabestelle aus.“

Unterdessen will die aus Solidarität mit Rita Hottendorf zurückgetretene Tafel-Helferin Siegrid Uhde nicht ausschließen, dass es in Schladen vereinzelt Probleme mit Lebensmitteln gegeben haben könnte. An größere Beschwerden könne sie sich aber nicht erinnern. Derweil sagt Samtgemeindebürgermeister Andreas Memmert: „Ich wünsche mir, dass dort Lebensmittel ausgegeben werden, die in Ordnung sind.“

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