Amtsgericht hat zu wenig Richter

Wolfenbüttel  Holger Kuhlmann ist im Namen des Volkes unterwegs. Als Strafrichter spricht er seit 1. Oktober Urteile im Wolfenbütteler Amtsgericht.

Ein Blick in die Akten muss sein, aber, so Holger Kuhlmann, der Schwerpunkt bei Strafverfahren liege in der Hauptverhandlung.

Foto: Christine Pelz

Ein Blick in die Akten muss sein, aber, so Holger Kuhlmann, der Schwerpunkt bei Strafverfahren liege in der Hauptverhandlung. Foto: Christine Pelz

Mindestens ein halbes Jahr wird der 52-Jährige hier bleiben und seine Kollegen unterstützen. Studiert hat der gebürtige Vareler in Osnabrück und Köln. 1993 begann er im Landgericht Braunschweig, war zwischenzeitlich auch in Helmstedt, Salzgitter und jüngst in Wolfsburg tätig.

Sein erster Eindruck von der neuen Wirkungsstätte scheint ausschließlich positiv: freundliche und kompetente Kollegen, schöne Stadt, kurze Wege, sehr gute Arbeitsbedingungen. „Und die Straftaten scheinen nicht so massiv zu sein wie in manch einer Großstadt.“

Eingearbeitet habe er sich schnell. „Das ist ja auch das Schöne an Strafsachen: Der Schwerpunkt liegt in der Hauptverhandlung und nicht im Schriftlichen.“ Aus Akten die relevanten Dinge fix herauszufiltern, sei im Übrigen tägliche richterliche Arbeit.

Daher bedarf es auch bei einem Wechsel keiner großen Einführung, ergänzt Bettina Niemuth als Direktorin des Wolfenbütteler Amtsgerichts. Mitarbeiter der Justiz könnten innerhalb Niedersachsens überall hingehen und fänden dennoch immer die gleichen technischen Gegebenheiten vor´– bis hin zur selben E-Mail-Adresse.

Erfreut zeigt sie sich, diesmal einen sehr erfahrenen Kollegen neu im Haus zu haben. Wechsel empfindet sie als Bereicherung und Chance zum Austausch – „so lange sie in Maßen stattfinden.“

Derartige Abordnungen sind im Justizbezirk Braunschweig nach Angaben von Detlev Rust, Pressesprecher des Landgerichts Braunschweig, ohnehin an der Tagesordnung.

Aktuell seien im Wolfenbütteler Amtsgericht 8,25 Richterstellen besetzt. Ein so genanntes Bedarfsberechnungssystem sehe 9,5 Stellen als Optimum vor. „Aber im Bezirk mit den acht Gerichten sind nun mal nicht mehr Richter da.“

Dennoch gebe es keinen Stau bei der Abwicklung der Verfahren. Im Gegenteil: „Die durchschnittlichen Erledigungszeiten liegen in Wolfenbüttel in zwei von drei Bereichen sogar unter denen im Bezirk.“ Dennoch räumt Rust eine hohe Belastung der Richter ein.

Kuhlmann indes kann sich keinen besseren Beruf vorstellen. „Man hat eine große Unabhängigkeit, ist seinem Gewissen verpflichtet und muss Verantwortung übernehmen.“

Allerdings, so räumt der ausgebildete Mediator ein, seien Lebenserfahrung und Menschenkenntnis oft wichtiger als die Kenntnis aller Paragrafen. Dennoch sei niemand vor Fehlern gefeit: „Wir sind halt eine irdische Gerichtsbarkeit.“

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