Demenz soll mehr in den Fokus des Klinikums rücken

Wolfenbüttel  Eine alte Frau steht hilflos in einem der Gänge des Klinikums. „Ich muss zurück zur Waage“, murmelt sie. Mitarbeiter sollen wissen, was dies bedeutet.

Kerstin Schmidt ist federführend in Sachen Strategiepapier zum Thema Demenz im Städtischen Klinikum.

Foto: Pelz

Kerstin Schmidt ist federführend in Sachen Strategiepapier zum Thema Demenz im Städtischen Klinikum. Foto: Pelz

Denn die Waage, von der die Rede ist, ist das Symbol des Patientenzimmers, in dem die demenzkranke Frau untergebracht ist. Das Bild ist an der Tür angebracht und soll Orientierung geben. Kerstin Schmidt hat dies auf den Weg gebracht.

Die Leiterin der Station 3.2, die in erster Linie Magen-Darm- sowie Herzpatienten aufnimmt, hat zu Beginn des vergangenen Jahres eine Demenz-Arbeitsgemeinschaft im Klinikum ins Leben gerufen. Dieser gehören elf Mitarbeiter verschiedener Disziplinen an. Allein ein Arzt fehlt bislang noch. „Wir hätten gern einen Geriater im Haus, der sich medizinisch mit dem Alter befasst, aber die sind schwierig zu kriegen“, erklärt die 33-Jährige.

Das Thema Demenz liegt der Krankenschwester schon länger am Herzen. Schon in ihrer Bachelorarbeit zum Studium der Gesundheitswissenschaften befasste sie sich damit – aus der Sicht der Pflegenden. Seit Ende 2011 liegt nun ein so genanntes Strategiepapier für das Klinikum vor, das unter ihrer Federführung im Rahmen der AG entstand. Es enthält Empfehlungen, wie in einem Akut-Krankenhaus wie dem städtischen umgegangen werden kann mit Demenz-Patienten.

„Das ist gar nicht so einfach, zumal wir an viele Rahmenbedingungen gebunden sind und nicht einfach mal so eine rote Couch auf den Flur stellen können.“ Daher sei in dem Papier auch von realistischen Bedingungen ausgegangen worden – „ohne eine rosarote Wolke zu spinnen“.

Aufgeführt werden sechs Probleme: Informationsdefizit, mangelnde Nahrungs- beziehungsweise Flüssigkeitsaufnahme, mangelnde Orientierung weil entsprechende Hilfen fehlen, Sturzgefahr, massive Unruhe und unzureichende Kompetenz des Pflegepersonals. Vielfach, so sagt Kerstin Schmidt, werde erst im Krankenhaus durch die veränderte Umgebung deutlich, dass ein Patient an Demenz leide. Oft fehle es auch an entsprechenden Informationen, die Angehörige geben könnten oder das Personal aus Pflegeheimen.

„Wir fangen noch weiter unten als unten an“, schmunzelt die 33-Jährige. Die Beschilderung der Türen beispielsweise sei schon ein Meilenstein. „Die Mühlen mahlen langsam.“

Ihre Station sei Vorreiter. Zwar gebe es auch auf jeder anderen Demenzkranke, aber hier werde ausprobiert, wie alltagstauglich die eine oder andere Maßnahme sei. Funktionieren werde das Ganze nur, wenn auch die Mitarbeiter entsprechend sensibilisiert würden für dieses Krankheitsbild. „Jeder muss verstehen, dass wir es nicht mit kleinen Kindern zu tun haben, sondern mit erwachsenen Menschen, die eine Historie haben und Respekt verdienen.“

Angesichts der demografischen Entwicklung – da ist sich Kerstin Schmidt sicher – werde es immer mehr Menschen geben, die an Demenz leiden. Gefühlt sei es bislang schon jeder vierte bis sechste Patient, der auf ihrer Station behandelt werde. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 5,3 Tagen müsse ihr Krankenhausaufenthalt für alle Seiten so angenehm und so sicher wie möglich gestaltet werden.

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