Witter: Wir sind zuversichtlich – aber mit Augenmaß
Braunschweig Beim 15. Neujahrsempfang der VW Financial Services AG trafen sich die regionalen Spitzen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport in Braunschweig.
Drei Wochen ist das Jahr nun schon alt – höchste Zeit, die letzten guten Wünsche loszuwerden, bevor es so richtig losgeht. Beim Neujahrsempfang der Finanzsparte des VW-Konzerns in Braunschweig sparte deren Chef Frank Witter weder mit guten Wünschen, noch mit Witz und feiner Kritik.
Manches am Wahlkampfgetöse auf Bundesebene verwundere ihn, sagte Witter: „Es ist schwer vorstellbar, dass wir in der Wirtschaft so miteinander umgehen würden wie man es in der Politik bisweilen erleben muss.“ Obwohl das Ergebnis der Niedersachsen-Wahl nur noch wenige Stunden entfernt war, als Witter seine etwa 420 Gäste begrüßte, hütete er sich freilich, eine Prognose abzugeben. „Am wichtigsten ist ja ohnehin, dass die Maya mit ihrer Prognose falsch lagen und die Welt doch nicht untergegangen ist.“
2012 war beides: voller guter Nachrichten – und voller Krisengerede
In mancher Hinsicht ähnelte das Jahr 2012 dem Jahr davor: „Der Dax hat um fast 30 Prozent zugelegt, die meisten Unternehmen machten gute Gewinne, der Staat konnte sich fast umsonst Geld leihen– all das sind gute Nachrichten, aber trotzdem verging kaum ein Tag ohne Krisenwarnungen.“ In die Zukunft blicke man trotz des weiter anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeldes zuversichtlich, betonte Witter – „aber mit Augenmaß“.
Schwere Zeiten sieht auch Witters oberster Chef Martin Winterkorn in einem vertraulichen Rundschreiben, aus dem die „Automobilwoche“ zitierte. VW stehe vor einer ernsten Bewährungsprobe. „Die Automobilwelt teilt sich auf: in die Starken und die Schwachen. Beide verlangen uns alles ab. Die Schwachen, weil sie versuchen, uns in ihrer Verzweiflung in einen harten Preiskampf zu ziehen. Und die Starken, weil sie uns als ihren Gegner Nummer eins auf allen Feldern verfolgen.“
Beim Neujahrsempfang überwog statt solch trüber Szenarien Leichtigkeit – auch und vor allem beim Essen. „Ayurvedisch, biologisch, vegetarisch, zurück zum Ursprung“, ruft Witter in den Saal, das sei diesmal das Motto. Großes Raunen im Publikum, Lachen – hat der Hausherr einen Witz gemacht? Nein, nein – so ist es wirklich. Aber keine Panik. Als aufgetischt wird, sieht man: zufriedene Gesichter, rundherum.

