Ministerbesuch beim heimlichen Champion
Braunschweig Wahlkampf-Endspurt allerorten – nun reiste sogar Forschungsministerin Annette Schavan aus Berlin zum Braunschweiger Luftfahrtspezialisten Aerodata.
Der Wahlkampf in Niedersachsen geht in die Endphase. Die Terminkalender der Politiker aller Parteien sind randvoll. So geriet der Besuch von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bei Aerodata in Braunschweig zu einer spätabendlichen Stippvisite.
Erst gegen 20.30 Uhr traf Schavan bei Aerodata ein – wegen der Straßensperrungen im Zuge der Bombenentschärfung bei Rühme etwas später als geplant. Die Firma ist ein sogenannter Hidden Champion – ein relativ kleines und unbekanntes Unternehmen, das in seiner Nische aber ein wahrer Riese ist. Aerodata, ursprünglich eine Ausgründung der TU Braunschweig, beschäftigt 140 Mitarbeiter und ist Weltmarktführer für Flugvermessungssysteme. Für Politiker ist es verlockend, sich in diesem Glanz zu sonnen.
Was Aerodata kann und was sich am Braunschweiger Forschungsflughafen tut, erfuhr die Ministerin über zwei Vorträge. Zunächst sprach Aerodata-Vorstandschef Hans J. Stahl über das Unternehmen. Das ist weltweit führend in der Entwicklung und Produktion von Flugvermessungs- und Echtzeitdatenerfassungssystemen für die Luftfahrt. Dass Aerodata es fast nur mit internationalen Kunden zu tun hat, wurde während des Vortrags an einem Detail deutlich: Zwar sprach Stahl deutsch, doch seine Präsentationsmaterialien gab es nur in englischer Sprache.
Darin war zu erfahren: Aerodata realisiert auch Projekte im Bereich der Navigation. Zudem hat das Unternehmen kürzlich zwei Spezialflugzeuge für Malta ausgerüstet. Der Inselstaat benötigt diese, um seine Hoheitsgewässer zu überwachen. Mit dem Flieger sollen beispielsweise Bootsflüchtlinge aufgespürt, Schmuggler gefasst und der Schiffsverkehr rund um die Mittelmeerinsel kontrolliert werden.
Stahl berichtete, dass Aerodata für seine Kunden Wartungsarbeiten rund um die Uhr erledige. Am Standort Braunschweig gebe es 120 Beschäftigte aus 15 Nationen. Aerodata erwirtschafte einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro.
Nach einem weiteren Kurzvortrag über den Forschungsflughafen zeigte sich die Besucherin aus Berlin beeindruckt und gestand: „Da habe ich wieder etwas gelernt. Ich wusste nicht, dass das hier ein Forschungsflughafen ist.“
Zum Abschluss gab es eine Führung durch die 3600 Quadratmeter großen Hangars. Dabei nahm Schavan auch in einer Hawker 750 Platz, die an die koreanische Luftfahrtbehörde ausgeliefert wird. Dort ließ sie sich ein Flugvermessungssystem der jüngsten Generation erklären.
Nach rund einer Stunde war der Besuch beendet. Die Bundesbildungsministerin musste zurück nach Berlin – im Auto.
