Asmussen: „Die Eurozone wird wachsen“
Braunschweig EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sprach in Braunschweig darüber, warum Europa in die Krise geraten ist, und wie es sie überwinden kann.
Viele Jahre war der 46-Jährige Staatsminister und Strippenzieher im Finanzministerium, erst unter Peer Steinbrück, dann unter Wolfgang Schäuble – trotz SPD-Parteibuch.
In Braunschweig erklärte er, warum Europa in die Krise geraten ist, und was getan werden müsse, sie zu überwinden. Anschließend stellte er sich mit Peter-Jürgen Schneider, Personalvorstand der Salzgitter AG, und Torsten Windels, Chefvolkswirt der Nord LB, in einer Gesprächsrunde den Fragen von SPD-Bezirkschef Hubertus Heil, der moderierte.
„Wir haben keine Euro-Krise“, sagt Asmussen – er weist auf langfristige Prognosen hin, dass die Inflation auch weiterhin stabil bei um die zwei Prozent liege. Vielmehr sei es eine Krise durch falsche Wirtschafts- und Finanzpolitik. Er sieht vier Auslöser: zu hohe öffentliche Schulden, zu hohe private Schulden, Verlust von Wettbewerbsfähigkeit, Bankenkrise. „Irland hatte ein massives Bankenproblem, die Griechen haben ein anderes, viel schwieriger zu lösendes Problem: die Schuldenkrise der öffentlichen Hand und der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt er. Erst einmal sieht Asmussen nur einen Weg für Griechenland: Sparen. „Durch dieses Tal muss man durch und einen langen Atem bewahren.“ Politik brauche Zeit.
Das umstrittene neue Staatsanleihen-Ankaufprogramm der EZB verteidigt der Berliner in der Niederlassung der Braunschweigischen Landessparkasse vor großem Publikum: „Es ist besser als das alte.“ Denn bevor die EZB kaufe, müsse erst ein Antrag auf Unterstützung beim Euro-Rettungsfonds (ESM) mit Einbeziehung des IWF (Internationaler Währungsfonds) gestellt werden. Das ist mit strengen Sparauflagen verbunden. Das Geld der Anleihekäufe würde die EZB an anderer Stelle abziehen, sagt er. So komme es nicht zu einer Inflation.
Die Krisen einiger Länder spüren auch hiesige Unternehmen. Gerade erst gab die Salzgitter AG Verluste der Stahlsparte bekannt. „Wenn in Spanien die Bauwirtschaft zum Erliegen kommt, spüren wird das“, erklärt Peter-Jürgen Schneider. Der Staat müsse dann für Wachstum sorgen, Sparen allein helfe nicht. Er führt die Abwrackprämie als positives Beispiel an, ebenso die Kurzarbeitsphase in der Industrie 2009. Er sagt: „Die Industrie hat vom Euro profitiert, wir sollten bei der einheitlichen Währung bleiben.“
Deutschland ist in diesen Zeiten für viele Staaten Vorbild. Doch auch hier müsse noch viel getan werden, fordert Ökonom Asmussen. Vor allem beim Schuldenabbau. „Dazu gehört, an der Rente mit 67 festzuhalten!“ Um die Stabilität von Europa langfristig zu sichern, muss der Euro-Raum laut Asmussen wirtschaftlich, finanziell und politisch viel stärker zusammenwachsen. Drei Dinge sollten zudem in Einklang gebracht werden: Wettbewerbsfähigkeit, solide Staatsfinanzen sowie soziale und politische Fairness.
Trotz des langen Weges dorthin gibt er sich optimistisch: „In zehn Jahren werden wir mehr Länder in der Eurozone sein als heute.“
