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Wirtschaft

Siemens-Werk wird aus Berlin gesteuert

Konzern versichert: Braunschweig bleibt als wichtiger Standort erhalten – IG Metall: Wir sind überrascht worden

Markus Schlesag

Die Geschäftsführung des Braunschweiger Siemens-Werks wird in den nächsten Monaten Büros in Berlin beziehen. Der Konzern will seine Verkehrstechnik-Sparte "Mobility", zu der das Braunschweiger Werk gehört, künftig von Berlin aus lenken.

30 Führungskräfte und Mitarbeiter aus Braunschweig sollen den Plänen zufolge umziehen, 50 weitere aus Erlangen, wo die Sparte bislang ihren Hauptsitz hatte. Die Entscheidung war Arbeitnehmervertretern am Freitag im Wirtschaftsausschuss der Siemens AG in München mitgeteilt worden.

Gestern fanden in Braunschweig erste Gespräche mit betroffenen Mitarbeitern statt. Nicht alle würden wohl wechseln wollen, hieß es aus Arbeitnehmerkreisen. "Da gab es keine Euphorie."

Braunschweigs Wirtschaftsdezernent Joachim Roth bedauerte die Entscheidung. "Bei einem so großen Konzern gibt es immer wieder Umstrukturierungen."

Mit dem Umzug will Siemens seine Präsenz bei Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Verbänden verstärken. Berlin habe sich zu einem europäischen Drehkreuz für die Bahnindustrie entwickelt. Viele Branchenkunden hätten dort ihren Sitz, allen voran die Deutsche Bahn. Auch der kanadische Siemens-Konkurrent Bombardier steuert seine Bahn-Sparte von der Hauptstadt aus.

Eine Siemens-Sprecherin beteuerte gestern, der Umzug bedeute keine Schwächung des Standortes Braunschweig. "Braunschweig bleibt ein wichtiger Standort für die Mobility Division", wie die Verkehrstechnik-Sparte konzernintern heißt. Insgesamt beschäftigt die Sparte 10 000 Mitarbeiter, davon rund 2600 in der Braunschweiger Rail Automation, zu Deutsch: Bahnautomatisierung oder Leit- und Sicherungstechnik.

Gleichwohl geht die Sorge um, dass dem Umzug weitere Schritte folgen könnten. "Das darf keine Ausweitung auf andere Abteilungen haben", sagt Eva Stassek, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Braunschweig. Der Umzug dürfe nicht den Abbau von Arbeitsplätzen am Standort nach sich ziehen. "Siemens Braunschweig steht ja gut da. Das darf man nicht aufs Spiel setzen", mahnt sie. Die Mitteilung über den geplanten Umzug sei im Telegrammstil und überraschend gekommen, sagt Stassek.

Armin Baumgarten, Betriebsratsvorsitzender bei Siemens in Braunschweig, sagt, dass der Umzug auf jeden Fall höheren Aufwand für die Kommunikation zwischen Führungsspitze in Berlin und dem operativen Geschäft in Braunschweig nach sich ziehen werde. Bei Siemens erhofft man sich, dies durch zusätzliche Aufträge für die Verkehrstechnik-Sparte mehr als aufzuwiegen.

Es gehe nicht nur um den kurzen Draht zu Entscheidungsträgern bei Kunden und Politik, heißt es von Siemens in Braunschweig. Aus Sicht der Braunschweiger Bahn-Leittechnik sei es auch sinnvoll, direkten Kontakt zur Führung der Verkehrstechnik-Sparte zu halten. Der Umzug nach Berlin sei dafür die Voraussetzung.

Darüber hinaus sollen Führungskräfte nach Informationen unserer Zeitung an beiden Standorten – Berlin und Braunschweig – Büros unterhalten, wobei der Schwerpunkt ihrer Arbeit künftig aber Berlin sein soll. In Berlin wird der Umzug deshalb auch unmissverständlich als Stärkung des Siemens-Standortes gefeiert.

Der Umzug in die Hauptstadt soll noch in diesem Monat beginnen und spätestens Ende September vollzogen sein.

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Veröffentlicht: 03.05.2010 - 22:00 Uhr
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