Opel streicht Tausende von Jobs
General Motors beantragt 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe – Braunschweiger Händler: Es gibt keine Alternative
BRAUNSCHWEIG. Stefan Quary klingt erleichtert. "Jetzt hört das Versteckspiel auf, Opel erklärt endlich, wo die Reise hingeht", sagt der Geschäftsführer des Braunschweiger Autohauses Dürkop. Gestern kündigte Opel an, 8300 Jobs in Europa zu streichen.
Mehr als 3900 Arbeitsplätze sollen allein in Deutschland entfallen. Gleichzeitig kündigte der Opel-Mutterkonzern General Motors an, in den europäischen Opel-Ländern Anträge für Kredite und Bürgschaften in einer Gesamthöhe von 2,7 Milliarden Euro zu stellen.
In Deutschland sollen sich Bund und Länder mit 1,5 Milliarden Euro an der Opel-Rettung beteiligen. General Motors wiederum will bis 2014 elf Milliarden Euro in die Sanierung des angeschlagenen Autobauers investieren. Die Produktpalette soll grundlegend erneuert werden, der Schwerpunkt auf neuen Antrieben liegen.
"Es tut mir um die Beschäftigten leid, aber der Stellenabbau ist definitiv der richtige Weg", sagt Quary, der Mitglied ist im erweiterten Vorstand des Opel-Händlerverbands VDOH. In Europa sei der Automarkt gesättigt, die Hersteller litten unter Überkapazitäten. "Wollen wir die runterfahren, dann ist ein Stellenabbau unausweichlich", betont Quary.
Richtig ist es aus seiner Sicht auch, dass General Motors Staatshilfe beantragt hat. Quary: "Das Geld soll aus dem Deutschlandfonds kommen, der auch anderen Unternehmen zur Verfügung steht."
Der Autohändler befürchtet nicht, dass der Abbau Tausender Arbeitsplätze den Ruf Opels weiter beschädigt. "Die Menschen sind vorbereitet, weil das Thema seit einem Jahr durch die Medien geht. Im vergangenen Jahr war Opel in Deutschland die Nummer zwei, das zeigt doch, dass die Menschen Vertrauen in die Marke haben."
Dass Opel – wie andere Hersteller auch – künftig neue Antriebe wie den Elektroantrieb weiterentwickeln will, begrüßt Quary. "Das ist ein Trend, bei dem man dabei sein muss."
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen, warnt dagegen: "Bei den Investitionsankündigungen von General Motors handelt es sich nur um eine Interessensbekundungen, das ist heiße Luft." So fehle ein Konzept, wie der US-Konzern seine Tochter Opel sanieren will, wenn die Staatshilfen nicht fließen, sagte er unserer Zeitung.
Von der EU hieß es bereits, dass ein Subventionswettlauf der Opel-Länder verhindert werden soll. Und Mittel aus dem Deutschlandfonds fließen nur, wenn die Unternehmen nachweisen, dass sie bis zum 1. Juli 2008 wirtschaftlich gesund waren. Dieser Nachweis dürfte für Opel schwierig werden.
Die Gewerkschaft IG Metall und der Opel-Betriebsrat haben es bereits abgelehnt, diese Sanierungspläne zu unterstützen. Die Opel-Mitarbeiter sollten ursprünglich bis 2014 jährlich 265 Millionen Euro zur Sanierung beitragen.
Grund der Ablehnung: Die Arbeitnehmervertreter wollen das Aus für das Werk im belgischen Antwerpen nicht mittragen. Dieser Streit zwischen Arbeitnehmern und Management ist nach Einschätzung Dudenhöffers ein Grund dafür, kein Steuergeld für die Rettung Opels einzusetzen.
Der Autoexperte nannte weitere Argumente: So führe das Einschreiten des Staates zur Wettbewerbsverzerrung. Außerdem sei der Einsatz von Steuergeldern nur schwer oder gar nicht zu kontrollieren, weil die Mittel in die USA abflössen.
Dudenhöffer: "Die Weltwirtschaftskrise im Autobau ist vorbei. General Motors hat Geld, deshalb sollte der deutsche Steuerzahler nicht für die Probleme von General Motors aufkommen. Die Lösung liegt in den USA."

