"Die Zahl der Landesbanken muss sich verringern"
Experten erwarten Neuordnung – Finanzkrise belastet Landesbanken, nur die Nord-LB kommt offenbar glimpflich davon
BRAUNSCHWEIG. Die Spekulation über eine Neuordnung der Landesbanken erhält neue Nahrung, nachdem mit der Bayern-LB eine weitere Landesbank in die Krise gestürzt ist. Gestern trat der Chef der Bayern-LB, Werner Schmidt, zurück. Fehlspekulationen im Zusammenhang mit der Kreditkrise belasten die Bank mit rund 1,9 Milliarden Euro.
Branchenkreise rechnen damit, dass die Bayern-LB mit der Landesbank Baden-Württemberg fusioniert und die Sparkassen die Landesanteile übernehmen. Erst kürzlich forderte der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schneider, ein stärkeres Zusammengehen der Landesbanken.
"Das wäre folgerichtig", sagt Marc Gürtler, Professor für Finanzwissenschaft an der TU Braunschweig. "Es muss sich etwas tun auf dem Sektor der Landesbanken. Ich gehe davon aus, dass sich die Zahl der Landesbanken reduzieren wird." Bislang fehlten aber offenbar die Konzepte. Eine Fusion an sich mache nichts besser.
Angebliche Überlegungen der niedersächsischen Landesregierung über einen Verkauf der Nord-LB-Anteile sind nach Gürtlers Einschätzung aber nicht akut. "Für einen Verkauf wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt." Begründung: Die Kreditkrise belastet das Ansehen aller Landesbanken – auch dann, wenn sie wie die Nord-LB offenbar keine sogenannten Subprime-Geschäfte getätigt hätten. Nach Angaben der Nord-LB vom Dezember schlägt die Finanzkrise bei ihr wegen Neubewertungen nur mit rund 165 Millionen zu Buche. Zum Vergleich:
Die Bayern-LB nennt 1,9 Milliarden Euro Belastungen.
Die Düsseldorfer West-LB erwartet für 2007 rund eine Milliarde Euro Verlust und kündigt zudem eine Milliarde Abschreibungen an.
Die Landesbank Baden-Württemberg, größte deutsche Landesbank, hat im dritten Quartal wegen 800 Millionen Euro abgeschrieben.
Die Sachsen-LB wird nach Spekulationsgeschäften von der Landesbank Baden-Württemberg aufgekauft. Rückwirkend zu Neujahr 2008 soll sie in die Landesbank Baden-Württemberg integriert werden. Das Land Sachsen muss eine Bürgschaft über 2,75 Milliarden übernehmen.
Und weshalb droht der Sparkassenverband bei einem Rückzug des Landes, seine Nord-LB-Anteile ebenfalls zu verkaufen? Gürtler: "Vermutlich ist dies eher ein Hinweis an die Landesregierung, dass ein Rückzug des Landes eben nicht erwünscht ist."
