Volkswagen baut sein Lkw-Geschäft aus

Wolfsburg  Mit einem Einstieg beim US-Lkw-Bauer Navistar will Volkswagen den geplanten Schritt auf den Nutzfahrzeugmarkt in den Vereinigten Staaten schaffen.

Mehrere Volkswagen Amarok.

Foto: dpa

Mehrere Volkswagen Amarok. Foto: dpa

Das, was der Volkswagen-Konzern mit dem PKW-Geschäft längst erreicht hat, gilt auch für die Nutzfahrzeugsparte: Sie soll auf allen zentralen Märkten rund um den Globus vertreten sein. Die USA sind bisher allerdings ein weißer Fleck auf dieser Landkarte. Seit gestern steht nun die Tür in die USA offen. Die Wolfsburger wollen sich über ihre Tochter Truck & Bus am US-LKW-Bauer Navistar mit 16,6 Prozent beteiligen. Volkswagen beziffert die Kosten auf 229 Millionen Euro und erwartet den Vollzug der Beteiligung zur Jahreswende.

Truck & Bus sitzt in Braunschweig und bündelt seit vergangenem Jahr das VW-Nutzfahrzeug-Geschäft. Dazu gehören die Marken MAN, zu der ein Werk in Salzgitter gehört, und Scania. Ziel ist, die Marken stärker zu verzahnen und beispielsweise im Einkauf und in der Konstruktion enger zusammenzuarbeiten. So sollen für beide Marken gleiche Bauteile entwickelt werden, um die Kosten zu senken.

In diese Strategie passt nun die gestern verkündete Beteiligung an Navistar. Das US-Unternehmen soll ab 2019 von den VW-LKW-Töchtern mit diversen Komponenten beliefert werden. Das gilt nach VW-Angaben insbesondere für den Antriebsstrang, zu dem Motor und Getriebe gehören.

Die Wahl auf diese Komponenten fiel nicht zufällig: Etwa 60 Prozent der Wertschöpfung bei einem LKW entfallen laut VW auf den Antriebsstrang. Ob die Komponenten dann von MAN oder Scania kommen, steht nach Angaben der Wolfsburger noch nicht fest. Zudem soll Navistar in die Entwicklung einbezogen werden – so dass Plattformen mit einheitlichen Bauteilen für alle Marken entstehen.

Navistar ist zwar eine in den USA bekannte, aber nicht unbelastete Marke. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel seit März vergangenen Jahres von 28,90 Dollar (25,90 Euro) auf 6,18 Dollar (5,53 Euro) Anfang dieses Jahres. Danach gab es eine überschaubare Erholungsphase. Durch die Bekanntgabe der VW-Beteiligung schnellte der Kurs gestern phasenweise um knapp 28 Prozent in die Höhe. Die Aktie schloss mit einem Plus von rund 8 Prozent bei 17,68 Dollar (15,84 Euro).

Grund für den vorangegangenen Kursabsturz war nach Angaben von Frank Schwope, Auto-Analyst der Nord-LB, veraltete Technik. Die Naschrichtenagentur Reuters berichtete von Problemen, die Navistar in der Vergangenheit wegen der Verschärfung der Abgaswerte mit der US-Umweltbehörde EPA gehabt haben soll.

Dennoch hält Schwope den VW-Einstieg für den richtigen Schritt. Mit Blick auf den vergleichsweise niedrigen Börsenwert von Navistar sagte er: „Das ist ein günstiger Zeitpunkt für eine Beteiligung.“ VW könne nun leichter Zugang in die USA bekommen, Navistar von der Gleichteilestrategie profitieren. Perspektivisch sei daher ein profitables Geschäft zu erwarten.

Positiv bewertet auch Professor Stefan Bratzel, der das Auto-Institut in Bergisch Gladbach leitet, die Beteiligung. Wegen seiner Größe sei der US-Markt sehr wichtig. Daher sei die Beteiligung strategisch von großer Bedeutung für die Wolfsburger. „VW geht den richtigen Weg“, sagte Bratzel.

Durch die Lieferung von Antriebssträngen wird VW wohl auch Diesel-Motoren in die USA bringen – allerdings für LKW. Das ist zwar wegen des Abgas-Skandals nicht ohne Brisanz, birgt nach Einschätzung Bratzels aber auch Chancen. Wenn der Konzern nun alles richtig mache, könne davon auch das Image der übrigen Marken, insbesondere der Marke VW, profitieren.

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