„Klimapolitik bedroht Stahl-Jobs“

Essen  Eine Studie warnt vor dem Verlust von 380 000 Arbeitsplätzen, sollte die EU ihre Pläne umsetzen. Die IG Metall plant auch in unserer Region einen „Stahl-Aktionstag“.

Salzgitter Stahl AG bei Nacht vom Stichkanal aus gesehen.

Foto: Archiv/dpa

Salzgitter Stahl AG bei Nacht vom Stichkanal aus gesehen. Foto: Archiv/dpa

Durch Klimaschutzpläne der Europäischen Union sind einer Studie zufolge Hunderttausende Arbeitsplätze bedroht. In der Studie hat das Forschungsinstitut Prognos die möglichen Folgen strengerer Regeln beim Handel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten skizziert.

Prognos rechnet mit erheblichen Auswirkungen auf die Stahlindustrie sowie die deutsche Wirtschaft insgesamt, sollten bestehende Pläne der EU umgesetzt werden. „Hiermit sind Beschäftigungsverluste in Höhe von 380 000 Arbeitsplätzen verbunden“, heißt es in der Studie mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Folgen einer Schwächung der Stahlbranche mit einer Perspektive bis zum Jahr 2030.

Prognos verweist auf die besondere Rolle der Stahlindustrie als Lieferant des verarbeitenden Gewerbes mit Branchen wie dem Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektroindustrie. Bundesweit zählt die Stahlindustrie rund 87 000 Stellen. Laut einer Studie des Essener Instituts RWI hängen allerdings 3,5 Millionen Jobs in Deutschland direkt oder indirekt vom Stahl ab.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl, der Konzerne wie die Salzgitter AG und Thyssen-Krupp angehören, hatte die Prognos-Studie in Auftrag gegeben. Der Stahlverband warnt, die EU-Pläne seien „existenzgefährdend“ für die Branche. Durch Billigimporte aus China stehen die Stahlkocher ohnehin unter Druck. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sicherte den Stahlarbeitern Unterstützung zu. „Wir wollen globalen Wettbewerb auch im Stahlsektor – aber der muss fair sein“, betonte er.

Auch die Gewerkschaft IG Metall ist alarmiert. Für den 7. April ist eine Kundgebung in Salzgitter geplant, auf der Hasan Cakir, Betriebsvorsitzender der Salzgitter AG, deren Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann, Hartmut Meine, Chef der IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sprechen werden. Am 11. April sollen Kundgebungen in Duisburg, Berlin, Dillingen, Neunkirchen, Saarbrücken und Völklingen folgen.

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