In die Champions League mit EU-Mitteln

Braunschweig  Viele Fördertöpfe sind geschrumpft, einer nicht: Horizont 2020 fördert kleine Firmen bei der Forschung.

Der Tischlermeister Jean-Claude Gülle bei der Produktion – die Braunschweiger Firma Pado fertigt Fenster, Türen und Bauelemente.

Foto: Pado

Der Tischlermeister Jean-Claude Gülle bei der Produktion – die Braunschweiger Firma Pado fertigt Fenster, Türen und Bauelemente. Foto: Pado

Der Plan der Europäischen Union könnte ambitionierter nicht sein: Kleine und mittelständische Unternehmen sollen von Hidden Champions, also den versteckten Gewinnern, in die Champions League der europäischen Unternehmen aufsteigen – EU-weit und global präsent. Um das zu schaffen, brauchen sie ein starkes Netzwerk und vor allem Geld. Aber an Fördermittel zu kommen, ist für deutsche Firmen in der aktuellen EU-Förderperiode, die von 2014 bis 2020 dauert, schwieriger geworden – zumindest was die Fördertöpfe betrifft, die bislang vor allem von Unternehmern genutzt wurden. Denn die Mittel, beispielsweise aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) für Niedersachsen, sind gekürzt worden.

Es gibt aber noch einen weiteren Topf, Horizont 2020. Und um dessen 77 Milliarden Euro ging es jüngst bei dem Braunschweiger Unternehmen Invent. Die Förderbank des Landes Niedersachsen, die N-Bank, hatte zur „European Innovators Lounge“ geladen, um über die Fördermittel für Forschungs- und Innovationsprojekte zu informieren. Im Vergleich zur vorherigen Förderperiode von 2007 bis 2013 wurde der Topf um 23 Milliarden Euro aufgestockt.

Heinrich Klopp, zuständig für mittelständische Innovations- und Forschungsförderung bei der N-Bank, sagte: „Wir haben den Eindruck, dass es an Unterstützung für Unternehmen fehlt.“ Universitäten hätten bereits eine Beratungsstruktur für diese Fördermöglichkeiten aufgebaut, für Unternehmen gebe es hingegen wenige Angebote. Die N-Bank habe daher die „European Innovators Lounge“ ins Leben gerufen, die nach dem Auftakt in Braunschweig auch in weiteren niedersächsischen Städten stattfinden wird. Dabei geht es laut Klopp auch um die Vernetzung: „Geld ist für viele Unternehmer gar nicht so wichtig. Auf dem Stand der Dinge zu sein und Zugang zu anderen Märkten zu haben, ist wichtiger.“ Genau beim Stand der Dinge hake es in Deutschland zuweilen. Andere Länder, die wirtschaftlich schlechter aufgestellt sind, seien beispielsweise beim Stellen der Anträge fitter, sagte Klopp. „Sie haben dafür trainiert, weil sie nur wenige nationale Mittel haben.“

Die N-Bank versucht nun, auch die Niedersachsen fitter zu machen. Aus diesem Anlass entstehe ein virtuelles Beratungsbüro. Dort will die Bank vermitteln und auch Erfolgsgeschichten sammeln.

Dazu zählen laut Klopp auch die Braunschweiger Unternehmen Invent, die Produkte aus Faserverbundstoffen für die Luft- und Raumfahrt herstellen, sowie Pado, ein Produzent von Fenstern, Türen und Bauelementen. Pado beschäftigt 40 Mitarbeiter und ist in unserer Region nach eigenen Angaben der einzige Produzent von Holzfenstern. Forschung und Entwicklung ist erst seit kurzem Teil der Arbeit – durch ein Projekt, das mit Mitteln aus Horizont 2020 gefördert wird. Mit Partnern aus Slowenien und Italien entwickeln sie eine Wohnungstür, beispielsweise für Mietswohnungen, die einen hohen Schallschutz hat, feuerfest ist und zu 100 Prozent aus Öko-Materialien besteht.

Geschäftsführer Keyan Homayounfar sagte: „Als Handwerksbetrieb sind wir regional ausgerichtet, aber wir wollen unseren Radius ausweiten.“ Über das Netzwerk eines Kollegen kam das Unternehmen in Kontakt mit der spanischen Firma Inspiralia, ein Dienstleistungsunternehmen, das Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte unterstützt. Diese Firma stellte auch den Kontakt mit den Firmen aus Slowenien und Italien her.

HORIZONT 2020

Mehr als 20 Millionen kleine und mittelständische Unternehmen gibt es nach Angaben der Nationalen Kontaktstelle zum EU-Programm Horizont 2020 in Europa. Das seien 99 Prozent aller Unternehmen in der EU. „Sie sind die Hauptantriebskraft für wirtschaftliches Wachstum, Beschäftigung und soziale Integration.“ Erklärtes Ziel des Förderprogramms Horizont 2020 ist es, neuen Ideen in den Markt zu helfen, so dass Europa als Wirtschaftsstandort leistungsfähiger und attraktiver wird.

Weitere Informationen gibt die N-Bank im Internet unter www.nbank.de unter Unternehmen, Innovation, European Innovators.

Invent hat schon an vielen EU-Förderprojekten teilgenommen. Die Firma hat mit Olaf Heintze sogar einen Mitarbeiter, der die Forschung koordiniert. Er macht auch auf die Tücken der internationalen Kooperation aufmerksam: „Man muss eine Strategie finden, wie man das eigene Know-how schützen und trotzdem international gut zusammen arbeiten kann.“ Das sei aber zu meistern. Und es lohne sich. „Der Vorteil ist, dass wir uns in Braunschweig dadurch europaweit mit vielen Partnern vernetzen können.“

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