Gewerkschaft EVG droht mit Streik bei der Bahn

Berlin  Sollten sich Bahn und Lokführergewerkschaft einigen, könnte neues Ungemach drohen: Geschieht dies nämlich auf Kosten der EVG, könnte diese streiken.

Die Bahn-Gewerkschaft EVG fürchtet eine Einigung auf ihre Kosten und droht mit Streik. Das Archivbild zeigt einen Arbeitskampf im September.

Foto: dpa

Die Bahn-Gewerkschaft EVG fürchtet eine Einigung auf ihre Kosten und droht mit Streik. Das Archivbild zeigt einen Arbeitskampf im September. Foto: dpa

Braunschweig. Seit Wochen sorgt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit ihren Streiks für Unmut. Geradezu pflegeleicht präsentierte sich dagegen die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, die ebenfalls mit der Bahn in Tarifverhandlungen steckt. Doch nun lässt auch hat der GDL-Konkurrent die Muskeln spielen.

„Die Nerven der Fahrgäste liegen blank.“
Björn Gryschka, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

Wenige Tage vor dem Spitzengespräch der Bahn mit den zerstrittenen Gewerkschaften kündigte die Eisenbahngewerkschaft an, „notfalls“ streiken zu wollen. EVG-Chef Alexander Kirchner warnte im „Tagespiegel am Sonntag“ Bahn und GDL davor, sich auf Kosten seiner Organisation zu einigen. „Es kann nicht die Lösung sein, am Ende zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Inhalten zu haben“, sagte er. „Dann werden wir für unsere Interessen eintreten, notfalls mit einem Arbeitskampf.“

„Das könnte noch schlimmere Auswirkungen haben als die Lokführerstreiks durch die GDL“, sagte Björn Gryschka, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, unserer Zeitung. Denn die EVG verhandelt unter anderem für die Fahrdienstleiter, die die Weichen stellen. Bei einem Streik könnten auch der Metronom und die Nordwestbahn nicht mehr fahren, warnte Gryschka vor massiven Folgen für den Schienenverkehr in Niedersachsen.

Ob es soweit kommt, ist offen. Immerhin kann sich Kirchner eine Lösung im Gezänk zwischen den Gewerkschaften vorstellen: „Mit zwei inhaltsgleichen Tarifverträgen hätten wir kein Problem“, deutete er einen Kompromiss im Tarifstreit an. Der Knackpunkt dabei ist die Forderung der GDL, nicht nur wie bisher für ihre Lokführer, sondern für ihre Zugbegleiter und Rangierführer verhandeln zu wollen. Derzeit hat die Lokführergewerkschaft rund 34 000 Mitglieder, darunter vor allem Lokführer. Die EVG hatte Ende vergangenen Jahres 209 000 Mitglieder und bislang für Zugbegleiter, Bordgastronomen oder Lokrangierführer Tarifverträge ausgehandelt.

Eine Bahn-Sprecherin meinte zur Kirchner-Offerte am Wochenende: „Der einzige Ort, an dem wir eine ausgewogene Lösung finden, ist der Verhandlungstisch.“ Die GDL war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Am Dienstag wollen sich Verantwortliche der Bahn und beiden Gewerkschaften treffen. Über Inhalte, Ort und Zeit sei Stillschweigen vereinbart worden. Das Gleiche gelte für mögliche weitere Gespräche am Freitag.

Die GDL fordert unter anderem fünf Prozent mehr Geld für das Zugpersonal für zwölf Monate und eine von 39 auf 37 Stunden reduzierte Wochenarbeitszeit ab Januar 2015. Die EVG wiederumverlangt für ihre 100 000 Mitglieder bei der Bahn sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die Bahn bietet den Lokführern 2,1 Prozent mehr Geld ab 1. Dezember 2014, dann 1,5 Prozent im Juli 2015 und 1,4 Prozent im Juli 2016. Außerdem soll es für die fünf Monate nach Auslaufen des bisherigen Tarifvertrags im Juni 2014 einen Einmalbetrag von 325 Euro geben. Der EVG hat sie bislang kein Angebot unterbreitet.

Gryschka forderte die beiden Gewerkschaften auf, endlich eine Lösung herbeizuverhandeln. „Die Nerven der Fahrgäste liegen blank“, meinte er. Zudem sei es dem Kunden inzwischen egal, ob nun die GDL oder die EVG seine Fahrplanung durch Streiks torpediere. „Langsam drohen der Bahn irreparable Imageschäden“, appellierte Gryschka an das Verantwortungsbewusstsein der Gewerkschaften. Wenn der Kunde einmal abspringe, dann dauere es, bis er wieder zur Bahn komme. „Weniger Fahrgäste bedeuten am Ende weniger Züge, weniger Lokführer und weniger Zugpersonal“, sagte Gryschka und warnte: „Damit sägen die Gewerkschaften an ihrem eigenen Ast.“

Lesen Sie zum Thema auch den Kommentar: "Nur kein neuer Bahnstreik"

Der Artikel wurde aktualisiert.

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