Mehr Roboter für monotone Jobs

Wolfsburg  VW-Personalvorstand Horst Neumann erwartet eine neue Automatisierungswelle. Menschenleere Fabriken und mehr Arbeitslose befürchtet er aber nicht.

Autoproduktion im VW-Werk Wolfsburg. Archivfotos: Hendrik Rasehorn/Peter Sierigk

Autoproduktion im VW-Werk Wolfsburg. Archivfotos: Hendrik Rasehorn/Peter Sierigk

Die Digitalisierung der Produktionstechnik und der demografische Wandel führen zu einem tiefgreifenden Wandel industrieller Arbeit. Die Konsequenz: Immer mehr Arbeiten werden künftig von Robotern ausgeführt. Dennoch wird es nicht mehr Arbeitslose geben. Diese Vision industrieller Arbeit der Zukunft entwirft VW-Personalvorstand Horst Neumann in einem Beitrag in der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Industrie steht nach Einschätzung des VW-Managers wegen der Digitalisierung vor einer neuen Automatisierungswelle. So würden Roboter immer leistungsfähiger und zugleich günstiger. Für eine weitere Beschleunigung der Automatisierung in der Autoindustrie sorgen laut Neumann die Arbeitskosten in Deutschland.

Sie lägen derzeit bei 40 Euro in der Stunde. Zum Vergleich: In Osteuropa seien es 11 Euro, in China weniger als 10 Euro. Eine Roboterstunde kostete dagegen aktuell nur etwa fünf Euro und werde in Zukunft weiter sinken.

Der VW-Personalvorstand beschreibt, welche Folgen diese Entwicklung haben wird. So würden Roboter verstärkt monotone und für Menschen körperlich anstrenge Arbeit übernehmen. Die Gefahr menschenleerer Fabriken sieht er nicht. „Nur knapp die Hälfte der Produktionstätigkeiten bei Volkswagen in Deutschland ist taktgebunden. Der größere und wachsende Teil sind qualifizierte Tätigkeiten. Die Qualifikation der Facharbeiter, Meister und Ingenieure wird steigen“, schreibt er. Grund seien komplexere Aufgaben etwa bei der Maschinenüberwachung oder beim Anlagenbau.

Ebenso wenig sieht Neumann die Gefahr, dass die zunehmende Automatisierung zu höherer Arbeitslosigkeit führt. Das verhindere der demografische Wandel. Neumann: „Wirtschaftswunder und Bayboom haben 20 Jahrgänge außergewöhnlich stark besetzt. Diese Wirtschaftswunderkinder gehen in den nächsten Jahren auf die 60 zu – und dann in Rente.“ Dadurch stehen auf dem Arbeitsmarkt weniger Menschen zur Verfügung. Von dieser Entwicklung sei VW besonders betroffen.

Weil der Autobauer in den 70er Jahren überdurchschnittlich viele Mitarbeiter eingestellt habe, sei wiederum die Zahl der Menschen, die VW zwischen 2015 und 2030 verlassen, außergewöhnlich hoch. Neumann: „Deshalb haben wir die Möglichkeit, Menschen durch Roboter zu ersetzen und trotzdem in bisherigem Umfang Nachwuchskräfte einzustellen.“

Albert Heinecke, Wirtschaftsprofessor an der Ostfalia-Hochschule, stimmt Neumann zu. Politik und Wirtschaft müssten sich verstärkt auf diesen Wandel einstellen, fordert der Wissenschaftler. „Deshalb muss es für Arbeitnehmer zum Beispiel vermehrt Weiterbildungsangebote geben“, sagt er. Zugleich müsse eine höhere Qualifikation zu höheren Einkommen führen. Aus Sicht Heineckes führt für die deutsche Industrie kein Weg an einer höheren Automatisierung und besseren Qualifizierung der Mitarbeiter vorbei, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Sonst bleibt nur die Abwanderung ins günstigere Ausland.“ Auch Werner Eichhorst, Direktor für den Bereich Arbeitsmarktpolitik Europa beim Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, stützt die Thesen Neumanns. Er ist überzeugt, dass der Einsatz von mehr Robotern, die Folgen des Fachkräftemangels dämpfen kann. Zugleich erwartet auch er, dass die Anforderungen an Arbeitnehmer höher werden. „Mehr Kopf, weniger Hand“, lautet sein Motto.

Die Autoindustrie könne als deutsche Schlüsselbranche bei dieser Entwicklung Schrittmacher sein. „Sie kann das aufgrund ihrer Größe bewältigen, außerdem hat sie starke Betriebsräte“, sagt Eichhorst. Er warnt vor übertriebenen Ängsten. „Es gab schon viele Rationalisierungswellen, die erfolgreich bewältigt wurden.“

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