IHK feierte 150-jähriges Bestehen

Die Industrie- und Handelskammer Braunschweig feierte in der Volkswagen-Halle ihr 150-jähriges Bestehen. Unter den 2100 Gästen waren vor allem die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kammer. 

Wer meint, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig und Tanzen gehören zusammen, wie ein Trecker und die Formel1, der wurde Donnerstagabend eines Besseren belehrt. Tanzen hält nicht nur jung und macht schlau, Tanzen verlängert das Arbeitsleben, und Tanzen unterhält sehr kurzweilig. Außerdem outete sich Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel als ehemaliger Leistungstänzer. „Das war vor 20 Kilogramm“, frotzelte er. All das lernten und beobachteten 2100 Gäste der Industrie- und Handelskammer Braunschweig, die in der Volkswagen-Halle das 150-jährige Bestehen der Kammer feierten.

Bevor sich die Gäste, in der Mehrzahl die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kammer, mit Kürbissuppe, geräuchertem Tafelspitz, Kartoffel-Sellerie-Püree, Pils, Wein und Sekt stärken konnten, wartete auf sie ein gut zweieinhalbstündiger Redemarathon. Der wurde charmant und schlagfertig moderiert von der Braunschweiger Profitänzerin Isabel Edvardsson. Die Weltmeister-Formation des Braunschweiger Tanzsportclubs wiederum bescherte dem Publikum zwischen den Reden temperamentvolle Pausen.

Wolf-Michael Schmid, Präsident der Kammer, dankte den 1900 ehrenamtlichen Mitarbeitern der IHK. Ohne ihr Engagement, vor allem in den Prüfungsausschüssen, sei die Kammer nicht handlungsfähig, betonte Schmid. Er forderte einmal mehr ein engeres Zusammenrücken der Kommunen in unserer Region sowie ein Regionalmarketing, das längst überfällig sei. Er überraschte sogar mit einem Namensvorschlag: Brawo-Region.

Der Niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) forderte ein Umdenken bei Infrastruktur-Erweiterungen wie zum Beispiel Autobahnen und Schienenverbindungen. So beobachte er bei den Menschen immer häufiger eine Verweigerungshaltung, wenn es um das Thema Infrastruktur gehe. „Erfolgreich werden wir nur sein, wenn wir uns für die Zukunft positionieren“, sagte er. Dazu gehöre eine entsprechende Infrastruktur. „Ich wünsche mir eine Bürgerinitiative für Infrastruktur. Wir dürfen kein Dagegen-Land werden“, sagte er.

Gabriel wiederum betonte, dass die Kammern, in denen sich die Wirtschaft selbst verwaltet, ein zentraler Erfolgsfaktor der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland seien. „Die Bausubstanz des Erfolgsmodells ist das Ehrenamt“, sagte er. Der Staat könne diese Leistung weder finanzieren, noch sei er der Lage, sie qualitativ so hochwertig zu übernehmen. Mit Blick auf die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine warb er um Verständnis für die Sanktionen Europas gegen Russland. Gabriel: „Europa kann nicht tatenlos zusehen, wenn Grenzen eines Nachbarlandes überschritten werden.“

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, forderte die Stärkung der dualen Ausbildung in Deutschland. Diese Kombination aus betrieblicher und schulischer Ausbildung sei nicht nur einzigartig, sondern ein Instrument gegen den drohenden Fachkräftemangel. „Die Gesellschaft muss es gemeinsam schaffen, die Wertigkeit der dualen Ausbildung wieder ins Bewusstsein zu bringen“, sagte er.

Den Horizont in ganz andere Richtung weitete Professor Martin Korte, Neurobiologe an der TU Braunschweig. Seine These: Lernen, Laufen, Lieben, Lachen verzögern das Altern. Anders ausgedrückt: Wer sein Leben lang lernt, sich regelmäßig bewegt und soziale Kontakte pflegt, hat gute Voraussetzungen, auch im fortgeschrittenen Berufsleben oder im Seniorenalter noch geistig rege und körperlich fit zu sein. Geeignete Instrumente sind laut Korte ehrenamtliches Engagement und – das Tanzen. Korte: „Tanzen schult die Koordination, trainiert das Gedächtnis und fördert die Ausdauer.“ Und weil das Tanzen allein keinen Spaß macht, sind soziale Kontakte fast selbstverständlich.

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